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Die Geschichte von Carl F. Borgward

„Ich will Autos bauen!“

Das Aus seiner Marke brachte Carl Friedrich Borgward ins Grab: 1963, zwei Jahre nach der Pleite der Firma, starb der Automobilbauer. Im Jahr seines 125. Geburtstages erlebt die Marke Borgward ihr Comeback.

veröffentlicht am 21.08.2016 um 13:02 Uhr

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Christian Borgward hat sich nur ein Ziel gesetzt. „Meine Idee ist, seinen Traum fortzuführen: die Mobilisierung der Gesellschaft und die Marke Borgward auf die Straße zu bringen“, sagt der Enkel des legendären Auto-Fabrikanten. Im letzten Jahr war es 125 Jahre her, dass Carl Friedrich Borgward, dessen Limousinen noch heute als Design-Ikonen bestaunt werden, geboren worden war. Genau dieses Jahr hatte sich Christian Borgward ausgesucht, um die Marke wiederzubeleben. „Ich finde Menschen, die so etwas schaffen wie Carl F. Borgward, faszinierend“, sagte er über seinen Großvater, den er selbst nie kennengelernt hat.

Carl F. Borgward kam aus einfachen Verhältnissen. 1890 als Sohn eines Kohlenhändlers im damals preußischen Altona geboren, ist seine Geschichte die eines steilen Aufstiegs. Nach Schlosserlehre und Maschinenbaustudium wurde Borgward Teilhaber der Bremer Reifenindustrie und brachte einen dreirädrigen Transportkarren – den „Blitzkarren“ – auf den Markt. 1931 übernahm er mit einem Partner die Bremer Hansa-Lloyd-Werke. 1936 wurde Borgward dort alleiniger Chef. Es folgte ein düsteres Kapitel während des Dritten Reichs. In Borgwards Fabriken wurden auch Fahrzeuge für die Wehrmacht gebaut – nach dem Krieg verbrachte er Monate in einem Internierungslager.

Seine Glanzzeit begann in den 1950er Jahren. „Mit dem Lloyd lieferte er mit einer Holzstruktur preisgünstige Mobilität, mit Goliath zusätzlich Kleinsttransporter. Mit dem Hansa 1800 war er unter den ersten, die den Dieselmotor im Pkw einbauten, und mit der Isabella schuf er eine Design-Ikone“, zählte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen auf. „Borgward war ein besessener Visionär und Tausendsassa. Heute würde man ihn vermutlich mit Elon Musk, dem Erfinder von Tesla, vergleichen.“

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Ein Visionär seiner Zeit: Carl F. Borgward. Foto: dpa

Der Autobauer aus Bremen gehörte zeitweise sogar zum zweitgrößten Autoexporteur Deutschlands. „Er war sehr konsequent und zielstrebig. Nach dem Krieg hat er die Fabriken wieder aufgebaut und das Unmögliche angepackt“, sagt Christian Borgward. Auch im Privaten wurde Disziplin großgeschrieben. „Beim Abendessen kam die Familie an einem großen Holztisch zusammen. Das Essen begann, wenn Carl F. Borgward begann, es endete, sobald er aufstand“, berichtet Borgward aus den Erinnerungen seines Vaters.

Doch sein Erfolg war nicht von Dauer. „Sein Problem war seine Kreativität und sein Umsetzungsdrang, der ökonomisch eben nicht darstellbar war“, sagt Dudenhöffer. Den Untergang des Unternehmens umranken nach wie vor Verschwörungstheorien. Im Herbst 1960 fehlte Geld, der Export flaute ab, und die verkaufsschwachen Wintermonate standen vor der Tür. Der Bremer Senat bürgte für drei Kredite von je zehn Millionen Mark. Dann wurde in den Medien über die Finanzlage spekuliert, die dritte Kreditrate platzte. Im Februar 1961 übernahm das Land Bremen die AG mit gut 20 000 Mitarbeitern – im gleichen Jahr wurde das Konkursverfahren eröffnet. Der Firmengründer überlebte diesen Tiefschlag nicht lange, er starb 1963. Sein Erbe lebt weiter. Das Bremer Werk gehört seit 1971 zu Daimler-Benz – heute produzieren die Schwaben dort ihre C-Klasse. Im letzten Jahr das ersehnte Comeback: Jahrelang tüftelte Borgwards Enkel mit dem Ex-Daimler-Pressesprecher Karlheinz Knöss an dem Plan. „Das liegt vielleicht in den Genen. Unsere Familie hat Benzin im Blut“, sagt Borgward über seine Motivation. Sein Vater Claus Borgward brachte es bis in die Vorstandsetage von Volkswagen. „Ich will Autos bauen!“, soll sein Großvater sein Lebensziel beschrieben haben.

Gebaut wird der neue Borgward nun mit dem chinesischen Lastwagenbauer Foton als Hauptaktionär. Trotzdem stecke in dem sportlichen Geländewagen, den Borgward seit diesem Jahr in einer Fabrik in Peking zusammenschrauben lässt, „deutsche Ingenieurskunst“.

Ihren Hauptsitz hat die Borgward Group AG, dessen Aufsichtsratschef Christian Borgward ist, in der Schwaben-Metropole Stuttgart. Zunächst zielt man aber auf den chinesischen Markt. Mittelfristig sollen „mehr als 500 000“ Autos verkauft werden.

Ähnlichkeit zu Borgwards Design-Ikonen lassen sich allerdings nur mit sehr viel Fantasie in dem neuen SUV finden. Nur das Logo bleibt eindeutig. „Bei der Technologie können wir das Rad nicht neu erfinden“, erklärt Borgward. „Auch beim Design wäre es falsch, mit etwas nicht Massenkompatiblem zu starten.“

Trotzdem: „Besondere Wege zu gehen, das ist etwas von Carl F. Borgward, das ich in der Marke fortführen werde“, sagt der Enkel. Das sehe man zum Beispiel darin, dass Borgward seine potenziellen Kunden via Facebook erreichen wolle. Aber auch die Hilfe aus China ist in dieser Form wohl neu. Ob das Carl F. Borgward wohl gefallen hätte?

Traditionsmarke startet verkauf ihres neuen Modells

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Pleite hat die deutsche Traditionsmarke Borgward wieder mit dem Verkauf von Autos begonnen. Von dem kompakten Geländewagen BX7 soll im ersten Jahr eine „fünfstellige Zahl“ abgesetzt werden, sagte Borgward-Chef Ulrich Walker im April anlässlich der Markteinführung auf der Pekinger Automesse: „Es ist ein Anlaufjahr.“ Der BX7 soll billiger sein als Konkurrenzmodelle von Volkswagen.

Das Unternehmen, das einst zu den bekanntesten Autoherstellern Deutschlands zählte und 1961 Pleite ging, hatte im vergangenen Jahr einen Neustart angekündigt. Als Geldgeber hinter dem Projekt steht der chinesische Lastwagenbauer Foton. Gebaut werden die Autos in China. Der einst in Bremen gegründete Konzern hat heute seinen Hauptsitz in Stuttgart.

Das Konzept sieht vor, zunächst Marktanteile in China zu gewinnen und dann weltweit zu expandieren. In fünf Jahren hofft Walker, der zuvor das China-Geschäft von Daimler verantwortete, auf einen weltweiten Absatz von 500 000 Fahrzeugen.

Der Markt für kompakte Geländewagen (SUV) werde in China weiter „überproportional wachsen“, wovon Borgward mit seinem BX7 profitieren wolle. Ende des Jahres soll in China ein Netz von 120 Händlern stehen. Nach Markteinführungen in Indien und Brasilien könnte ab 2017 auch wieder in Deutschland verkauft werden.

Im März hatte das Unternehmen beim Automobilsalon in Genf mit dem SUV BX5 und dem Coupé BX6 bereits zwei weitere Modelle präsentiert, die in Zukunft auf den Markt kommen sollen. Jährlich sollen künftig zwei weitere Modelle vorgestellt werden.

Noch in diesem Jahr soll eine Entscheidung über einen möglichen Produktionsstandort in Deutschland fallen. Bislang baut Borgward seine Autos in Peking. Die Fabrik in Chinas Hauptstadt, die Borgward für seine Zwecke umgebaut hat, stammt vom Hauptaktionär Foton.



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