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Hamelner Künstler und Eldagser Fotograf arbeiten für besonderes Projekt zusammen

Ich sehe was, was du nicht siehst

Zahlreiche unbekleidete Frauen haben in den vergangenen Monaten vor der Kamera von Tschiponnique Skupin posiert. Er sei ein Schmuddelfotograf, hat sich der 54-jährige Eldagser anfangs von Betrachtern anhören müssen. Spätestens seitdem sich Zeitungen aus Asien, Australien und Kanada für seine Werke interessieren, lächelt er die Anfeindungen weg.

veröffentlicht am 06.11.2015 um 16:22 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:53 Uhr

marita

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Redakteurin zur Autorenseite

Zusammen mit dem Künstler Jörg Düsterwald aus Hameln hat Skupin das künstlerische Projekt „Working-Art-Bodypainting meets Business“ ins Leben gerufen. Vereinfacht gesagt: Düsterwald malt nackte Körper an, zusammen mit Skupin arrangiert er eine Szene, die Skupin dann ablichtet.

„Bodypainting hat eine jahrtausendealte Tradition“, erzählt der Eldagser. „Menschen werden mit eigens dafür hergestellten Farben verziert.“ Die Kunstrichtung sei sicherlich eine Nische, „doch sie wird in der Öffentlichkeit immer präsenter. Und da Körpermalerei eine vergängliche Kunst ist, sind Fotoshootings unabdingbar, um das Ergebnis des kreativen Schaffens dauerhaft festzuhalten“. Skupin bezeichnet sich als Fotokünstler, „der die Körperkunst an der richtigen Location durch das geschickte Spiel von Licht und Schatten gekonnt in Szene setzt“.

Der Hamelner Künstler und der Eldagser Fotograf arbeiten seit zwei Jahren an dem „Working-Art“-Projekt. Gerade ist ihr zweiter Kalender zum Thema erschienen. Für das neue Werk im XXL-Format (jedes Kalenderblatt misst 42 mal 60 Zentimeter) haben die beiden erstmals auch ihre eigenen Berufe in Szene gesetzt. So ist Düsterwald in seinem Studio zu sehen, wie er seine Muse Alexandra auf die Leinwand bringt, während das abstrakt gestaltete Bodypaint-Model Janina zwischen den fertigen Gemälden des Künstlers steht.

4 Bilder
Besonderes Working Out: Bei diesem Model sieht man die Muskelentwicklung deutlich.

Skupin hat die Rentner Irma Scholz (82) und ihren Bruder Klaus Frommelt (79) aus Eldagsen zum Mitmachen überredet – sie tragen jedoch schicke Kleidung. Neben dem Sofa, auf dem das Senioren-Geschwisterpaar sitzt, liegt das Model Mandy, angemalt im selben Muster wie der Coachüberwurf. Die Szene erschließt sich erst beim dritten oder vierten Hinschauen. „Die Rentner hatten viel Spaß an der Aktion und waren begeistert von dem hübschen Model, das trotz allem nicht nackt aussah“, fasst Skupin zusammen. Irma Scholz erzählte dem Fotografen, wie sehr sie sich freue, Teil einer so besonderen Aktion zu sein: „Ich musste erst 82 sein, um selbst Model bei einem professionellen Fotoshooting zu sein. Aber besser spät als nie.“

Düsterwald und Skupin gestalten kleine Ausstellungen und beliefern Fachmagazine. Die Nachfrage ist vor allem im Ausland groß: Vor wenigen Monaten begleitete ein japanisches Fernsehteam das Duo, um über seine Arbeit zu berichten.

Das Besondere an dem 2015er Kalender: Die Models verschmelzen mit der Arbeitswelt der porträtierten Berufe. Die beiden Künstler „erschaffen auf diese Weise immer ungewöhnliche, mal spannungsgeladene, mal konzentrierte oder gar idyllische Szenarien“, schreiben sie über sich selbst. Mal sei das Model ein integrierter Bestandteil, mal die Hauptfigur.

Geklickt hat es immer bei realen Unternehmen. Wichtig war Skupin und Düsterwald, dass die Arbeitgeber – egal, ob es sich um einen Freiberufler oder ein größeres Unternehmen handelt – an der Entstehung der Werke beteiligt waren und auch „personell aktiv in den Schaffungsprozess eingebunden“ wurden. Etliche Bilder entstanden zwischen Deister und Weser.

Als das Duo vor zwei Jahren bei den ersten Firmen anklopfte, „wurden wir oft schräg angeguckt“, erinnert sich Skupin. „Mittelweile sind die Türen sehr weit offen. Einige haben uns von sich aus angesprochen und ein Fotoshooting bei sich vorgeschlagen.“

Dazu passt auch die Erfahrung, die Skupin neulich bei einer Ausstellung gemacht hat. Einige Zuschauer hätten an der Seite gestanden, ihre Nase gerümpft und sich pikiert über die nackten Damen unterhalten. „Aber selbst an diese Gäste haben wir am Ende einen Kalender verkauft“, sagt Skupin.



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