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Artenschutzstation in Sachsenhagen

Hotel für Fundgäste

Die Natur liegt im Winterschlaf. Dünnes Eis bedeckt Seen und Tümpel. Viele Wald- und Feldtiere haben sich in Laub und Erde eingebuddelt oder sich ein anderes geschütztes Plätzchen für den Winterschlaf gesucht. Nicht anders geht es zahlreichen Gästen in der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen. Vor allem gefundene Igel und Schildkröten haben hier ein bequemes und artgerechtes Quartier bezogen – nicht anders Exoten, die dringend eine warme Bleibe benötigen.

veröffentlicht am 26.01.2017 um 16:22 Uhr

Foto: sk
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Toller Hirsch

Die Wildtierstation nimmt vorwiegend Fundtiere auf. Aber auch der Artenschutz steht im Namen. Derzeit gibt es in der Station ein wahre Rarität zu sehen. Hier leben fünf Prinz-Alfred-Hirsche. Diese Art kommt nur noch auf wenigen Inseln der Philippinen vor, galt in den 80er Jahre gar als ausgestorben. Mit wenigen Exemplaren, die man auf den Inseln fand, wurde eine Erhaltungszucht begonnen. Das Internationale Zuchtbuch wird vom Zoo Landau geführt. Die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen bietet seit 2003 Platz zur Aufnahme von Prinz-Alfred-Hirschen, die in europäischen Zoos geboren wurden und aus sozialen oder genetischen Gründen von ihrer jeweiligen Gruppe getrennt werden müssen. Die Tiere werden einzeln zur Blutauffrischung oder als neue Gruppe zusammengestellt, an andere Zoo weitervermittelt. Jürgen Müller: „Einer der jetzt in der Station lebenden männlichen Tiere kam erst Mitte Dezember 2016 aus Frankreich zu uns. Anfang Februar 2017 erwarten wir ein weiteres Tier aus einem Zoo in Spanien.“sk

Die Fußbodenheizung

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Foto: sk

Die einen lieben es kühl und kommen mit den gemäßigten Wintertemperaturen im Freien oder in den frostfreien Bunkern bestens klar – andere Fundtiere brauchen viel Wärme, vor allem Exoten wie Schlangen, Bartagamen und Papageien. Viele dieser Tiere werden durch Zoll-, Naturschutz- oder Veterinärbehörden eingezogenen, in der Station betreut bis zu einer gerichtlichen Entscheidung und danach an autorisierte Zoos oder Tierparks weitervermittelt.

Im Terrarium im Aufenthaltsraum fühlen sich derzeit zwei Perleidechsen wohl, die am liebsten regungslos auf ihrem „Felsen“ unter der Wärmelampe liegen. Afrikanische Pantherschildkröten sind zu Gast in der Station und genießen die Fußbodenheizung, außerdem haben Pythons und Boas Quartier in der Artenschutzstation bezogen, nicht zu vergessen lebhafte bunte Papageien.sk

Naturkühlschrank

Insgesamt 60 Holzkisten stehen in der Mitte des länglichen Bunkers, akkurat und paarweise hintereinander. In Regalen an der Wand stapeln sich Kartons mit Ziffern beschriftet. Im Hintergrund des Raumes gibt es noch mehr Regale und Kisten. Im Bunker ist es still und kühl – und dunkel, wenn das elektrische Licht erlischt. Fenster gibt es naturgemäß nicht. Ist hier ein Materiallager untergebracht? Nein, hier gibt es Leben. Hundertfach. Der Bunker ist eine riesige Schlafstube, allerdings: Die Wintergäste machen sich unsichtbar. 82 Igel, Dutzende Schildkröten, Fledermäuse und Nattern verschlafen die kalte Jahreszeit in einem der 26 Bunker der Wildtier- und Artenschutzstation. Diese ist seit Anfang des Jahrtausends in Sachsenhagen an der Hohen Warte auf einem ehemaligen Nato-Gelände untergebracht. Die Bunker, von Erdboden überzogen und mit Bäumen bewachsen, bilden einen idealen Naturkühlschrank: Im Winter schützen die dicken Wände und die Bewachsung vor Frost, halten eine Temperatur von fünf Grad plus. Im Sommer bieten die Bunker angenehme Kühle.

Die Igel haben jeder eine Holzkiste bezogen – mit offenem Bereich, in dem Wasser und Futter bereitstehen, und einem zugedeckten Raum, gefüllt mit Stroh und Laub, in dem sich der Igel einbuddelt. Seit dem Spätherbst sind hier gefundene Igel abgegeben worden. Ein kleiner Genosse kam am 14. November an und wog damals 180 Gramm, zu lesen auf einer Karteikarte an der Kiste. Er hat dann fleißig gefressen, wog am 30. November 400 Gramm und „ist dann irgendwann schlafen gegangen“, erläuterte Jürgen Müller, Leiter der praktischen Tierpflege. Das Gewicht der Winterschläfer wird alle vier Wochen überprüft.

Bei vielen Naturfreuden gelte die Regel, einem Igel unter 500 Gramm müsse beim Uberwintern geholfen werden. Es gebe aber große und kleine Tiere, und so könne auch das ideale Gewicht schwanken. „Wir versuchen, uns eher am Gesundheitszustand zu orientieren“, erklärte Müller. So werde ein Großteil der angelieferten Tiere den Findern wieder mitgegeben zum bedenkenlosen Entlassen der Igel in die Natur.

Die großen Pappkartons in den Regalen sind vielfach mit GLSK beschriftet, die Abkürzung für Griechische Landschildkröte. Jede hat ein einzelnes Quartier bezogen. Müller formt einen Kreis mit Daumen und Zeigefinger: „Auch die ganz kleinen.“ Die Tiere sind Einzelgänger. Manchmal ist ein leises Kratzen an der Pappwand zu hören. Dann buddeln sich die Schildkröten weiter in ihr Laub ein. Manche sind offenbar Langschläfer. Auf einer Kiste steht: „Eventuell aufwecken“.

Im flachen Wasser, in ihrem Element, überwintern Schmuckschildkröten, zu Hause in Nordamerika. Hierzulande sind es beliebte Aquarientiere, oder sie bevölkern Gartenteiche. „Und von hier gehen sie gern mal stiften und sind zudem flott unterwegs“, erklärte Müller die zahlreichen Fundexemplare.sk



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