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Wie man früher bei Rinteln über die Weser kam

Holzbrücken durch Hochwasser zerstört

Das älteste Zeugnis für eine Weserbrücke bei Rinteln stellt eine Urkunde aus dem Jahre 1223 dar, nach der der Freigraf Johannes von Stenborch (Steinbergen) „ante potem Rintine“ – vor der Brücke zu Rinteln – Gericht hielt. Diese Brücke führte die alte Handelsstraße von Frankfurt über Marburg, Paderborn und Lemgo nach Bückeburg, wo sie Anschluss hatte an den Helweg vor dem Sandforde, heute B 65, bei Rinteln über die Weser. Welcher Art diese Brücke war, ist nicht bekannt, vermutlich war es eine Holzbrücke auf Holzpfählen. Als sicher gilt, dass diese erste belegte Brücke weiter nördlich als die heutige lag, etwa dort, wo die jetzige Bünte- bzw. Schildgrabenbrücke liegt, denn damals verlief der Hauptarm der Weser im Verlauf des heutigen Frosch- beziehungsweise Schildgrabens.

veröffentlicht am 17.04.2013 um 00:00 Uhr

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In der flachen Talaue verlagerte die Weser häufig ihr Hauptbett und hatte zahlreiche Nebenarme, zwischen denen horstartig die sogenannten „Werder“ stehen blieben. Auf einem solchen Werder ließ der Landesherr, Adolf IV. von Schaumburg, 1230 die Stadt Rinteln zum Schutze seines Territoriums anlegen. Die Weserbrücke verband die aufstrebende Stadt mit dem Dorf Alt-Rinteln, das am Nordufer der Weser und schon Mitte des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wurde.

Zwischen 1238 und 1328 brach bei einem Hochwasser die Weser durch und verlagerte ihr Bett nach Süden, unmittelbar vor die Nordseite der Stadt, in ihre heutige Lage. Die bisherige Weserbrücke, wenn sie nach dem Hochwasser noch existierte, führte jetzt nur noch über einen Nebenarm, eine Brücke über den Hauptarm fehlte. Wann eine solche gebaut wurde, ist nicht bekannt, zunächst musste man mit Fähren die Weser überqueren. 1383 ist in den Annalen wieder eine Weserbrücke erwähnt und man kann sicherlich davon ausgehen, dass bis ins 17. Jahrhundert hinein ein fester Weserübergang bei Rinteln bestanden hat, wenn er auch mehrfach durch große Hochwasser oder Eisgang zerstört worden sein wird und der Wiederaufbau nicht immer sofort nach der Zerstörung erfolgte, sodass für die Querung der Weser immer wieder Fähren eingesetzt werden mussten.

Baulastträger der Brücke waren bis 1583 die Schaumburger Grafen, dann kaufte die Stadt ihnen das Brückenrecht ab und war damit selbst Baulastträger für die Weserbrücke. Im 30-jährigen Krieg, 1623, überfiel der „Tolle Christian“ (Christian von Braunschweig-Halberstadt) Rinteln und verbrannte bei seinem Abzug die Weserbrücke. Während des Krieges ist die Brücke nicht wieder aufgebaut worden, erst 1654 sah sich die Stadt in der Lage, eine neue leichte Weserbrücke zu erstellen, die aber bereits 1663 durch ein Hochwasser zerstört und fortgerissen wurde. Wegen der großen Bedeutung des festen Weserübergangs für Stadt und Handel wurde bereits 1664 eine neue Brücke errichtet, der wiederum keine lange Lebensdauer beschieden war, sie wurde schon sechs Jahre später durch ein Weser-Hochwasser zerstört. Auch sie war wahrscheinlich aus Kostengründen als zu leichte Holzbrücke gebaut worden und daher nicht imstande, dem Hochwasser standzuhalten. Der Übergang über den Fluss war nur wieder mit Fähren möglich. Wegen der wirtschaftlichen Folgen des Dreißigjährigen Krieges und der hohen Kosten für den Wiederaufbau der Brücke nach den Katastrophenhochwassern konnte die Stadt die Brückenbaulasten nicht länger tragen und gab das 1583 erworbene Brücken- und Fährrecht wieder an die Landesherrschaft zurück. Nachdem Rinteln an Hessen-Kassel gekommen war, wurde die Stadt 1665-1671 zur Festung ausgebaut. Die Landesherrschaft hatte aus verteidigungstechnischen Gründen kein Interesse an einer festen Brücke direkt vor der Festung. 1709 baute man daher eine fliegende Schiffbrücke, die 1713 aber schon wieder zerstört wurde und 1714 als stehende Schiffbrücke wiedererrichtet wurde, die dem Festungskommandanten unterstand. In Kriegszeiten und vom 15. November bis 15. März jeden Jahres wurde sie wegen Hochwasser- und Eisganggefahr ausgefahren und durch eine Fähre ersetzt. Die Brückenschiffe lagen dann im alten Hafen. Die Schiffbrücke behinderte nicht nur den Schiffsverkehr auf der Weser erheblich, denn wenn Schiffe passieren wollten, musste nicht nur der mittlere Teil ausgefahren werden, sondern auch den Fahrverkehr, denn es dauerte immer geraume Zeit, bis die Brückenschiffe nach der Passage des Schiffes wieder eingefahren waren. Die Festungsanlagen wurden 1806 auf Befehl der Franzosen gesprengt, aber die Schiffbrücke gehörte nach wie vor der kurhessischen Landesherrschaft und unterstand dem Stadtkommandanten. Sie wurde 1809 erneuert und 1813 aus militärischen Gründen versenkt, dann wieder aufgebaut, im Herbst 1814 nach Minden verlegt, um dort den Übergang der alliierten Truppen über die Weser zu ermöglichen, weil die dortige Weserbrücke zerstört war, und schließlich nach Rinteln zurückverlegt. Die Verkehrsabwicklung über die Schiffbrücke war problematisch, für größere Fuhrwerke mit mehr als sechs Pferden war sie nicht tragfähig genug, sodass diese auch im Sommer die Fähre benutzen mussten. Immer noch dem Stadtkommandanten unterstellt, wurde unabhängig von Hochwasser oder Eisgang die Schiffbrücke am 15. November abgebrochen. Das veranlasste die Stadt 1824, die Schiffbrücke zu erwerben und selbst zu bestimmen, wann sie abgebrochen wurde.

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Durch Hebejoche sind die gesprengten Bogenteile gehoben worden.

Die erheblichen Schwierigkeiten für den Verkehr und die hohen Kosten, die Schiffbrücke und Fähre jedes Jahr verursachten, führten zur Forderung nach einer festen Brücke. Erst 1844 war die kurhessische Regierung bereit, in Rinteln auf Staatskosten eine Brücke zu bauen und damit nach 135 Jahren die Schiffbrücken abzulösen. Zwischen den Widerlagern wurden sechs massive Pfeiler auf Pfahlrosten erstellt, der Überbau wurde in Holz ausgeführt.

1847 wurde die Brücke eingeweiht. 1877 wurde die hölzerne Tragkonstruktion des Überbaus durch eine eiserne ersetzt. Um während dieser Bauarbeiten Fährbetrieb zu vermeiden, wurde eine hölzerne „Interimsbrücke“ für den Verkehr errichtet.

Als die Extertalbahn 1926 über die Weser geführt werden sollte, um Anschluss zu bekommen an die Strecken Hameln-Rinteln – Löhne und Rinteln – Stadthagen, war ein Neubau der Brücke erforderlich, da die bestehende Brücke zu schmal und nicht tragfähig genug war, um zusätzlich den Bahnverkehr zu verkraften. Man entschied sich dafür, den Fluss mit einer weit gespannten stählernen Fachwerkbogenbrücke mit aufliegender Stahlbetonfahrbahn in einem Zuge mit 85 Meter lichter Weite zu überspannen. Auf der Nordseite schlossen sich 2 Flutöffnungen an. Bei der Freigabe am 26. Juli 1927 wurde sie „Hindenburgbrücke“ getauft. Während der Bauarbeiten der Brücke 1926-27 wurde für den Verkehr eine hölzerne Umleitungsbrücke erstellt.

Am 4. April 1945 wurde der Stahlüberbau der Brücke von deutschen Soldaten gesprengt. Zunächst wurden für den Verkehr über den Fluss eine Wagenfähre und eine Laufstegbrücke eingerichtet, dann bauten die englischen Streitkräfte im Oktober 1945 eine Pontonbrücke, die auch vom zivilen Verkehr benutzt werden durfte. Da die englische Besatzungsmacht selbst großes Interesse an einer

schnellen Wiederherstellung der Brücke hatte, begann der Wiederaufbau bereits im September 1945. Man beschloss, die in der Weser liegenden Trümmer der Brückenbogen mittels vier hölzerner Hebejoche zu heben und sie unter Ergänzung neuer Teile für die durch die Sprengung zerstörten Teile wieder zusammenzufügen. Der Fahrbahnrost sollte wieder mit einer neuen Stahlbetonfahrbahnplatte versehen werden. Große Probleme gab es bei der Anwerbung der Arbeiter, ihrer Bezahlung, Verpflegung und Unterbringung sowie der Beschaffung der benötigten Baustoffe. Zunächst wurde eine Umleitungsbrücke erbaut, die zu Weihnachten 1945 dem Verkehr übergeben werden konnte. Nach dem Heben der vier Bogenteile und der Zuweisung von 80 Tonnen Stahl konnte die Firma im März 1946 mit dem Zusammenbau der Brückenbogen beginnen, der im Juni abgeschlossen war. Nach Fertigstellung des gesamten Überbaus mit den Gehwegkonsolen wurde die Stahlbetonfahrbahnplatte gegossen und wurden die übrigen Restarbeiten einschließlich des Verlegens der Schienen für die Extertalbahn ausgeführt. Am 7. Dezember 1946 fand die Einweihung der ersten großen Dauerbrücke in Niedersachsen nach dem Kriege statt. Anschließend konnte die Umleitungsbrücke, allerdings unter großen Schwierigkeiten infolge des sehr kalten Winters, abgebrochen werden.

Nach mehr als 40 Jahren war eine Erneuerung und Instandsetzung der Hindenburgbrücke und ihrer Vorlandbrücke erforderlich. Die Arbeiten, für die eine Vollsperrung notwendig war, konnten aus Verkehrsgründen erst vorgenommen werden, nachdem die Ortsumgehung Rinteln im Zuge der B 238 mit neuer Weserbrücke Mitte Juli 1989 gänzlich fertiggestellt worden war und den verdrängten Kfz-Verkehr aufnehmen konnte.

Für die Fußgänger und Radfahrer wurde an der Weserbrücke eine Fußgängerbrücke hergestellt. Bei der Strombrücke mussten die Übergangskonstruktionen und die Betonfahrbahnplatte erneuert, die Brückenlager saniert und neue Anstriche auf der gesamten Stahlkonstruktion aufgebracht werden. Der Stahlbetonüberbau der Vorlandbrücke musste abgebrochen und durch einen neuen Spannbetonüberbau ersetzt werden. Parallel zu den Erneuerungsarbeiten an der Weserbrücke war die etwa 150 Meter weiter nördlich liegende Bünte- oder Schildgrabenbrücke abzubrechen und völlig neu zu errichten. Die vorstehend aufgeführten Bau- und Anstricharbeiten waren im Spätherbst 1990 abgeschlossen, sodass die Verkehrsfreigabe am 16. November 1990 stattfand.

Noch heute stammt das südliche Widerlager der Hindenburgbrücke, das bei dem Umbau 1877 und bei dem Neubau 1927 unverändert übernommen wurde, noch von der 1844/47 erbauten Friedrich-Wilhelm-Brücke. Ebenfalls noch erhalten sind die vier Sandsteinpylone an den Enden der Brücke. Auch sie stehen schon seit 1847. Widerlager und Pylone sind damit mehr als 165 Jahre alt. Die Straße, in der die Hindenburgbrücke liegt, hat in der Geschichte schon immer eine bedeutende Rolle gespielt, entsprechend groß war die Bedeutung ihres Rintelner Weserübergangs. Dieser hat, ähnlich wie die Straße, im Laufe der Jahrhunderte viele Baulastträger gehabt.

1877 umgebaute Weserbrücke mit bogenförmigen Fachwerkträgern aus Eisen.

Zum ersten Mal wird eine Weserbrücke bei Rinteln im Jahr 1223 urkundlich erwähnt. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte hat die Querung immer wieder ihr Gesicht verändert. Immer galt: Sie übernahm für Militär, Politik und Wirtschaft wichtige Funktionen.



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