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Saluton“ oder „Bonvenon“ – so begrüßen sich die Sprecher der internationalen Plansprache Esperanto. Zu hören ist der Gruß auch in Hameln. Die dortige Esperanto-Gruppe feiert gerade ihr 25-jähriges Bestehen. Zusammen mit dem Jubiläum „125 Jahre Esperanto“ ein Doppelgeburtstag also. Durch Esperanto erlebe man Dinge, „die man sonst nicht erlebt“, erzählt Heinz-Wilhelm Sprick, Vorsitzender der Hamelner „La Ratkapista Bando“ („die Rattenfänger-Bande“), begeistert. Die Idee, die hinter Esperanto stecke, sei schlicht „toll“: eine internationale Sprache, die als Verständigungsmittel zwischen verschiedenen Nationen fungiert und die niemandes Muttersprache ist.

veröffentlicht am 10.04.2012 um 00:00 Uhr

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Die internationale Karriere dieser „tollen Idee“ begann im Jahr 1887. Der Warschauer Augenarzt Dr. Ludwig Lazarus Zamenhof stellte damals die Grundzüge der Sprache in einem ersten Lehrbuch vor. Ursprünglich bezeichnete man die Sprache als „Lingvo Internacia“ („Internationale Sprache“). Später wurde das Pseudonym Zamenhofs, „Doktoro Esperanto“ („der Doktor, der hofft“), zum Namen der Sprache.

Zamenhof wuchs in der damals zu Russland – und heute zu Polen – gehörenden Stadt Bialystok auf. Dort lebten seinerzeit unterschiedliche Nationalitäten in Unfrieden zusammen. Zwischen den in Bialystok beheimateten Deutschen, Russen, Polen, Juden, Weißrussen und Litauern gab es Verständigungsschwierigkeiten und religiöse Konflikte. Zamenhof erkannte diese Problematik und setzte es sich zum Ziel, eine neutrale Sprache zu schaffen, mit der sich Menschen unterschiedlicher Herkunft gleichberechtigt verständigen können.

Esperanto gilt als neutrale Sprache. Neutralität bedeutet, dass sie von niemandem die alleinige Muttersprache ist und keiner bestimmten Kultur angehört. Darüber hinaus sollte sie von allen Menschen gleich gut erlernt werden können. Esperantisten, wie die Sprecher dieser Sprache heißen, wenden sich so gegen die Unterdrückung sprachlicher und kultureller Minderheiten. „Es soll niemand aufgrund seiner Sprache bevorzugt oder benachteiligt werden“, erklärte Sprick.

Wer mit anderen romanischen Sprachen, wie zum Beispiel dem Französischen („Bienvenue“), Spanischen („Bienvenido“) oder Italienischen („Benvenuto“) vertraut ist, dem fallen sofort einige Ähnlichkeiten zu Esperanto auf. „Der Wortschatz des Esperanto stammt zum Großteil aus den romanischen und germanischen Sprachen“, so Sprick. Deshalb sei es vor allem für Sprecher, die bereits eine romanische Sprache beherrschen, ein „Klacks“, Esperanto zu lernen.

Außerdem sei die internationale Plansprache „logisch aufgebaut“ und die „Grammatik regelmäßig“. Jedoch merkte der Vorsitzende der „Ratkapista Bando“ auch an, dass es natürlich immer auf das Lernverhalten des Einzelnen ankomme, wie gut er welche Lernfortschritte erzielt. Esperanto sei im Vergleich zu anderen Fremdsprachen trotzdem weniger schwierig zu erlernen.

Esperanto besitzt ein durchdachtes Wortbildungssystem, wodurch die Zahl der zu lernenden Vokabeln verringert und der kreative Umgang mit der Sprache gefördert wird. „Jeder Buchstabe ist ein eigener Laut für sich. Alles wird so geschrieben, wie es gesprochen wird“, erklärte Sprick. Von den 28 Buchstaben, die das Esperanto-Alphabet besitzt, sind 22 mit dem Deutschen identisch. Die Buchstaben q, w, x, y sind nicht vorhanden. Dafür besitzt die Plansprache sechs Sonderzeichen, nämlich c, g, h, j, s mit Zirkumflex und das u mit Breve. Des Weiteren „lassen sich Vokabeln mit den Vor- und Nachsilben sparen“. „Sana“ bedeutet gesund. Mit der Vorsilbe „mal-“ drückt man immer das Gegenteil aus. Setzt man nun die beiden Teile zusammen, ergibt sich „malsana“, was krank bedeutet.

Wie viele Sprecher es weltweit gibt, sei laut Sprick nicht gut einschätzbar, da nicht alle Esperantisten in Vereinen organisiert seien. Die Schätzungen gehen daher weit auseinander und liegen bei einigen Hunderttausenden bis in die Millionen. Einen leichten Stand haben die Esperantisten jedoch nicht unbedingt. Englisch scheint als „Weltsprache“ eine internationale Plansprache überflüssig zu machen. Der deutsche Sprachguru Wolf Schneider veröffentlichte vor diesem Hintergrund schon 1994 einen „Nachruf aufs Esperanto“.

Dass es dennoch Esperanto-Sprecher in fast allen Ländern der Welt gibt, kann man im „Pasporta Servo“ nachvollziehen. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk, in dem sich Esperantisten in ein Adressenverzeichnis eintragen können, um Sprachfreunden aus aller Welt eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit zu bieten. Einzige Bedingung: Man spricht Esperanto. Viele Gastgeber sind darüber hinaus bereit, ihre Region zu zeigen und Einblicke in ihre Kultur zu gewähren. Dadurch erhält man die Möglichkeit, ein Land und seine Menschen abseits von organisierten Touristengruppen kennenzulernen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nicht zwingend die Sprache des Ziellandes lernen muss, sondern sich mit seinem Gastgeber auf Esperanto verständigen kann.

Die Möglichkeiten, die Esperanto eröffnet, empfindet Sprick als „besonders“. So mache auf internationalen Esperanto-Treffen, wie zum Beispiel dem „Esperanto-Weltkongress“ oder dem „Jugendweltkongress“ jeder einen Schritt auf den anderen zu. „Es ist schön, in einer internationalen Gemeinschaft zu sein. Man hat das Gefühl, dass Esperantosprecher vertrauter miteinander sind.“ Neben Briefkontakten habe man durch das Aufkommen des Internets und Programme wie „Skype“ die Möglichkeit, mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu treten und seine Sprachkenntnisse zu vertiefen.

In den 125 Jahren, in denen es die konstruierte Sprache nun gibt, ist auch facettenreiche Literatur entstanden. Dabei gibt es neben etlichen Übersetzungen aus anderen Sprachen, wie zum Beispiel Shakespears „Hamlet“, oder „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien, auch Originalliteratur in Esperanto. Und auch das Internet spricht Esperanto: sei es Wikipedia (Vikipedio) oder Google (Guglo).

Kontakt: Wer Interesse an der internationalen Plansprache hat, kann im Internet zudem einen ersten Lernversuch starten – die Adresse: www.lernu.net. Die Hamelner Esperanto-Gruppe ist erreichbar über die Mailadresse hameln@esperanto.de.

Vor 125 Jahren erblickte Esperanto das Licht der Welt – eine Plansprache,

neutral, ohne Mutterland, erfunden, um international Gräben zu überwinden.

Eine längst historisch überholte Idee? Das sehen die Mitglieder der im

Weserbergland beheimateten Gruppe „Ratkapista Bando“ ganz anders.

„Eine tolle Idee“: Heinz-Wilhelm Sprick, Vorsitzender der Hamelner Esperanto-Gruppe. Oben: ein Vokabel-Domino für das spielerische Lernen.

Foto: Dana

In den vergangenen Jahren ist facettenreiche Literatur entstanden. Auch Antoine Saint-Exupérys Klassiker „Der kleine Prinz“ gibt es mittlerweile auf Esperanto.



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