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So mancher Mediziner hält sie für blanken Unsinn, für viele Ärzte sind sie eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin. Fest steht jedoch: Immer mehr Patienten setzen auf alternative Heilmethoden wie Akupunktur und Osteopathie. Vor allem bei chronischen Kra

Heilkunst statt Hokuspokus

Wer den pochend-stechenden Schmerz in den Schläfen einmal erlebt hat, weiß, wie quälend ein Migräneanfall sein kann. Zu den Beschwerden gesellt sich schnell Hilflosigkeit, wenn auch nach dem zehnten Arztbesuch keine Ursache für die Pein im Kopf gefunden werden konnte. Nicht selten stößt die Schulmedizin bei chronischen Erkrankungen an ihre Grenzen. Dann können alternative Heilmethoden Linderung oder sogar Beschwerdefreiheit verschaffen.

veröffentlicht am 17.10.2013 um 00:00 Uhr

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Immer mehr Patienten setzen auf die unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten der „sanften Medizin“. Etwa 60 Prozent der Deutschen nutzen die sogenannten komplementärmedizinischen Methoden und Naturheilverfahren, berichtet das „Deutsche Ärzteblatt“. Europaweit vertrauen 150 Millionen Menschen vor allem bei Rücken- oder Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder rheumatischen Erkrankungen auf alternative Heilverfahren. Beliebt sind laut Ärzteblatt vor allem Akupunktur, Naturheilkunde, Homöopathie, Chiropraktik und Osteopathie.

In der Gesundheitsversorgung spielt die Komplementärmedizin allerdings immer noch eine untergeordnete Rolle. Viele Mediziner kritisieren, dass die Wirksamkeit alternativer Therapien nicht hinreichend wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Aber auch in der Schulmedizin gibt es Ärzte, die Methoden wie Akupunktur und Homöopathie als Heilverfahren anerkennen und bei der Behandlung von Patienten den Brückenschlag zwischen „klassischer“ und „sanfter“ Medizin wagen.

So hat sich der Stadthäger Allgemeinmediziner Holger Meyer in den Bereichen Akupunktur, Chiropraktik und Naturheilverfahren weitergebildet. Viele Ärzte hätten mittlerweile ein offenes Ohr für andere Heilverfahren jenseits der klassischen Medizin, erklärt Meyer. Vor allem in Bereichen, in denen man mit Schulmedizin nicht weiter kommt, seien Verfahren der Naturheilkunde und der Komplementärmedizin hilfreich. „Die Kunst ist, zu erkennen, welches der vielen Verfahren für welche Beschwerdesymptomatik das richtige ist“, macht der Hausarzt deutlich.

Auch in den drei Krankenhäusern in Stadthagen, Rinteln und Bückeburg werden nach Auskunft von Pressesprecherin Sibylle Kramer alternative Heilmethoden begleitend und ergänzend zur Schulmedizin angewendet, so beispielsweise in der Geburtshilfe und in der Palliativpflege.

Alle komplementärmedizinischen Verfahren sind darauf ausgerichtet, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Ihnen liegt ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde, der den Menschen als komplexes System aus Körper, Seele, Geist und sozialer Umwelt betrachtet, beschreibt der Allgemeinmediziner Meyer. Statt lediglich die Symptome einer Krankheit zu behandeln, soll den Ursachen der Beschwerden auf den Grund gegangen werden.

Sowohl die Verbraucherzentrale als auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) sieht eine Chance für Behandlungserfolge im Bereich der chronischen Erkrankungen. „Die Komplementärmedizin als integrativer und auf das jeweilige Individuum abgestimmter Ansatz kann dann mehr bewirken“, sagt Elke Gravert, Sprecherin der UPD in Hannover. Auch für als unheilbar krank eingestufte Patienten könne die Komplementärmedizin nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg eine Linderung der Beschwerden erreichen. Allerdings hätten alternative Heilverfahren ihre Grenzen. So sei die Schulmedizin bei akuten und lebensbedrohlichen Erkrankungen die erste Wahl.

Der Kritik der nicht hinreichend nachgewiesenen Wirksamkeit entgegnen Verbraucherschützer und UPD, dass die Methoden der heute anerkannten Wissenschaft nicht greifen würden, um die Wirkweise der Komplementärmedizin zu untersuchen. „Mit diesem Dilemma müssen Patienten, die alternative Heilmethoden nutzen wollen, heute leider leben“, heißt es bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Um für sich den richtigen Therapeuten zu finden, empfiehlt die UPD, auf die Qualifikationen der Behandler zu achten und sich bei den jeweiligen Fachgesellschaften zu informieren. Zudem sollte über die Behandlungsmethode, ihre Wirksamkeit, die Dauer und die Kosten eingehend informiert werden. Vorsicht sei laut Gravert bei Therapeuten geboten, die mit Heilungsversprechen werben.

Ob die Krankenversicherungen die Kosten für eine komplementärmedizinische Behandlung tragen, ist schwer zu beantworten. Nach Auskunft der Verbraucherzentrale Hamburg haben klassische Naturheilverfahren ihren festen Platz im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Bereich der Homöopathie, Phytotherapie und Osteopathie gibt es keinen generellen Anspruch auf Kostenübernahme. Viele Krankenkassen haben sich allerdings für alternative Heilmethoden geöffnet und werben damit, die Kosten für bestimmte Behandlungen zu übernehmen.



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