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Dem Jakobsbrunnen im Loccumer Klosterforst wird eine ganz besondere Wirkung nachgesagt

Heilendes Wasser zu Ostern

Er plätschert sacht, der Jakobsbrunnen im Loccumer Klosterforst, und ist ein gern besuchter Ort. Während seine Geschichte in Vergessenheit geraten ist, ranken sich immer noch viele Geschichten um ihn – nicht zuletzt diese, wonach sein Wasser, in der Osternacht geschöpft, gegen allerhand Gebrechen hilft.

veröffentlicht am 26.02.2016 um 12:50 Uhr

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Autor:

Beate Ney-Janssen

Es hält sich hartnäckig die Erzählung im Dorf Loccum, dass in der Osternacht Menschen zum Jakobsbrunnen gehen. Schweigen müssten sie, sagt man, auf dem Hin- und auf dem Rückweg. Ein Wort, ein Gruß nur – und schon könne das geschöpfte Wasser nicht mehr helfen. Eine klare, kleine Quelle ist der Jakobsbrunnen, dessen Wasser leise in einen steinernen Trog fließt, um von dort in den Bach Fulde zu gelangen. Kalt und erfrischend ist das Wasser, Wanderer im Klosterwald können es ohne Bedenken trinken. Ohne Bedenken sollen es auch diejenigen trinken, die sich dort Osterwasser holen. „Meine Urgroßmutter hat sich jeden Morgen mit dem Osterwasser die Augen ausgewaschen – damit sie keine Falten um die Augen bekommt“, erzählt Ingrid Schnepel. Ihr Mann Herbert gehe jedes Jahr in der Osternacht den Weg zu dem Brunnen. Ihr sei es zu dunkel dort. Das Wasser, das er mitbringt, verwendet sie aber gerne. Drei Flaschen schöpft Herbert Schnepel üblicherweise. Im Kühlschrank steht dann meistens kurz vor Ostern noch ein kleiner Rest. Der wird in der Osternacht durch einen neuen Vorrat ersetzt. Das, was dem besonderen Wasser zugeschrieben wird, dass es nämlich nicht nur heilende Wirkung hat, sondern auch das ganze Jahr über frisch bleibt, bestätigt das Ehepaar. Ob es nun Aberglaube ist? Ingrid Schnepel will das nicht von der Hand weisen. Aber wenn es doch helfe.

Lieselotte Kahle, ebenfalls Loccumerin, hat noch andere Geschichten zu der Quelle parat von ihrer Tochter, die mit einer Freundin im Teenageralter den Osterbrauch pflegen wollte. Weil dem Wasser doch zugeschrieben wird, dass es für reine Haut sorgt. Das frühe Aufstehen hat sich für Kahles Tochter allerdings nicht gelohnt. „Auf dem Rückweg fragte jemand die Mädchen nach dem Weg zum Oster-Gottesdienst“, erzählt sie und da hätten die Mädchen doch antworten müssen. Vielmehr noch gefällt ihr aber das Märchen, das Loccumer Kindern bis in die fünfziger Jahre aufgetischt wurde. Denen erzählten ihre Eltern nämlich, dass es keineswegs der Klapperstorch sei, der die kleinen Kinder bringen würde. Nein – in Loccum sei das natürlich die Hebamme, von allen nur „Bökers Mutter“ genannt. Und die hole die Kinder nirgendwo anders heraus, als aus dem Jakobsbrunnen.

Kahle ist es auch, die die Vermutung anstellt, dass der Name „Jakobsbrunnen“ auf die Pilgertradition im Kloster zurückzuführen sein könnte. Er könnte daher rühren, dass das Kloster einmal eine der vielen Stationen auf den Pilgerwegen nach Santiago de Compostela war, wo der Apostel Jakobus bis heute verehrt wird. Genaues weiß aber weder Kahle noch sonst jemand in Loccum.

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Dabei hatte 2003 der damalige Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars im Kloster, Michael Wohlgemuth, in der Klosterbibliothek so manche Bücher gewälzt, um der Geschichte der Quelle auf die Spur zu kommen. Damals sollte er eine Ansprache an der Quelle halten, nachdem zwei Loccumer Vereine – die „Löccer Quekern“ und die Jagd- und Alphornbläser – sie schön hergerichtet und in Sandstein gefasst hatten. Einige Bänke und einen Tisch mit einer massigen Sandsteinplatte aus dem benachbarten Münchehäger Steinbruch stellten sie damals auch dazu. Seitdem sitzen oft Spaziergänger dort und schauen auf Quelle, Fulde und den gegenüberliegenden Backteich. Der Blick lohnt ganz besonders zur Osterzeit, denn dann ist der Waldboden übersät mit einem Teppich aus Buschwindröschen. Diese Aussicht sollen über Jahrhunderte schon viele Liebespaare genutzt haben. Direkt über der Quelle, in den Sandstein eingelassen, prangt ein Sinnspruch: „Das lautere Wasser rinnt voll flüssiger Metalle, ein heilsam Eisenerz vergüldet seinen Lauf, so lauter sei dein Herz und diesem Quell entspringe der Weisheit kräftig Wort und richte Schwache auf.“ Auch von diesem Spruch weiß niemand mehr, seit wann er dort steht. Der Ursprung könnte auf die Zeit der Romantik zurückgehen, und auf jene Zeit, als das „Paradies“ im Loccumer Klosterforst entstand, wie ein ehemaliger Loccumer Chronist einst vermutete. Das, was die Loccumer ihr Paradies nennen, liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Fulde: ein kleines Waldstück, das seinerzeit mit exotischen Pflanzen bestückt und mit verschlungenen Wegen versehen war. Die Vikare aus dem Predigerseminar sollten dort die Natur genießen und sich entweder von ihren Studien erholen oder intensiv darüber nachdenken.

Auch der Jakobsbrunnen könnte so ein Paradies gewesen sein. Wer dorthin komme und lauteren – also reinen – Herzens sei, der bekomme von dem Wasser „der Weisheit kräftig Wort“. Dass das Wasser außerdem Schwache aufrichten soll, weist auf die der Quelle zugeschriebene heilende Wirkung hin.

Wenn aber auch manche Tradition um den Jakobsbrunnen noch vorchristlicher Zeit entsprungen zu sein scheint, so nutzen doch Kloster und Kirchengemeinde das Wasser für ihre Zwecke. Taufpaten wird in Loccum angeboten, das Wasser für die Täuflinge aus dieser Quelle zu holen. Einige Male schon ist der Gang von der Stiftskirche zu dem Brunnen zu einer großen Prozession geworden. Immer dann, wenn ein großes Tauffest gefeiert wurde. Paten für bis zu 42 Täuflinge samt einigen Neugierigen und Pastor sind dann im Wald gesichtet worden. Dabei gehen sie die ersten Schritte auf dem Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda. Womöglich ist die Vermutung, der Name des Jakobsbrunnens hänge mit dem alten Pilgerweg nach Santiago de Compostela zusammen, doch naheliegend.



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