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Wenn der Hauptbahnhof ausgebaut wird, hat das Auswirkungen auch für den Verkehr ins Weserbergland

Hannover ist am Zuge

veröffentlicht am 22.09.2016 um 22:27 Uhr

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Dass der Hauptbahnhof Hannover an seine Kapazitätsgrenzen stößt, merken Pendler nicht nur im Gewusel auf den Bahnsteigen. Auch auf vielen Linien Richtung Landeshauptstadt drängen sich die Reisenden, und Platz für mehr Züge gibt es in einem der meistfrequentierten deutschen Bahnhöfe kaum. Auf einen Ausbau des Bahnknotens Hannover drängt unter anderem Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) derzeit in Berlin. Und bei Beratungen mit EU-Verkehrskoordinatorin Catherine Trautmann ging es in dieser Woche um finanzielle Hilfe der Europäischen Union bei der Planung des Ausbaus.

Weshalb ist der Eisenbahnknoten Hannover überlastet? 750 Züge steuern täglich den Hauptbahnhof an sowie 250 000 Reisende und Besucher. Gerade die S-Bahn- und Regionalzüge locken immer mehr Pendler. Für zusätzliche Züge reichen die Bahnsteige und Gleise nicht aus. Und an den kleineren Stationen in Hannover sind die Bahnsteige zu kurz für längere Züge. Auf den verschiedenen Strecken in Richtung Hannover kommen sich an einigen Stellen Personen- und Güterzüge „in die Quere“. Auf den meisten Strecken sind die Fahrpläne so eng getaktet, dass für weitere Fahrten kein Platz ist. Und Verspätungen eines Zuges übertragen sich schnell auf viele andere Züge.

Ist dies ein lokales Problem?

Die Engpässe in Hannover behindern den Einsatz zusätzlicher Züge auch weit ins Land hinein. Weitere Fahrten kann die Bahn nicht anbieten, wenn die Züge sich in Hannover nicht vor dem Hauptbahnhof einfädeln lassen. Die Strecken rund um Hannover sind derart ausgelastet, dass der weitere Fahrgastzuwachs ohne Veränderungen an der Infrastruktur nicht zu bewältigen ist, hat der Braunschweiger Professor Thomas Siefer schon vor Jahren in einem Gutachten deutlich gemacht.

Auf den Bahnsteigen drängen sich die Menschen. Foto: dpa

Was könnte konkret verbessert werden?

Es gibt Überlegungen, zwischen Hannover-Flughafen und Paderborn einen Regionalexpress (RE) zusätzlich zu den S-Bahnen fahren zu lassen. Solche Züge sind bis zu 160 Stundenkilometer schnell. Für Hameln und Bad Pyrmont hätte es den Reiz, dass durch den Zug mit wenigen Zwischenstopps auch die Verbindung in den oder aus dem Westen verbessert würde; Nordrhein-Westfalen schafft gerade durch den Rhein-Ruhr-Express attraktive neue Angebote. Aus Sicht der Stadt Hannover wäre es eine Verbesserung, wenn die S-Bahn vom Flughafen aus nicht ins Weserbergland, sondern auch außerhalb von Messezeiten über den Messebahnhof nach Hildesheim fahren würde. Die S-Bahnen aus Paderborn, Hameln und Springe würden dann in Bennemühlen auf der Strecke nach Soltau enden. Auch halbstündliche RE-Anschlüsse von Hannover nach Braunschweig, Wolfsburg und Minden werden erwogen. Zweistündlich soll ein RE – ohne Umsteigen in Uelzen – von Hamburg nach Hannover fahren. Im ICE/IC-Verkehr plant die Bahn zwei Züge pro Stunde zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet.

Welche Bauarbeiten sind vorrangig nötig?

Bisherige Pläne listen den Bau eines weiteren Bahnsteiggleises im Hauptbahnhof auf, verlängerte Bahnsteige in etlichen kleinen Stationen, zusätzliche Gleise auf der Deisterstrecke sowie bei Hannover, Wunstorf und Lehrte. Mehr Signale sollen zwischen Lehrte und Celle eine dichtere Zugfolge ermöglichen.

Gibt es dann demnächst weniger Verspätungen?

Dies hängt nicht alleine vom Streckennetz ab. Weniger neuralgische Punkte aber ermöglichen einen flüssigeren Betrieb. Nicht jede verspätete Bahn steht gleich einem anderen Zug im Weg. Wenn gerade in den Stoßzeiten mehr Züge fahren, gibt es weniger überfüllte Bahnen – auch das verringert die Gefahr von Verspätungen.

Quillt das Gebäude des Hauptbahnhofs in Hannover bei noch mehr Pendlern nicht erst recht aus allen Nähten?

Mehr Reisende als bisher sollen künftig abseits des Zentrums auf die Stadtbahn umsteigen können. Zusätzliche S-Bahn-Halte sind in Hannover-Waldhausen, Braunschweiger Platz und Laatzen-Mitte vorgesehen.

Ist der Knotenpunkt Hannover das letzte Nadelöhr im deutschen Bahnnetz?

Nein, weitere Bahnknoten am Limit sind vor allem die Städte Köln, Frankfurt, München und Berlin. In der Verkehrsprognose, die dem neuen Bundesverkehrswegeplan zugrunde liegt, gehen die Verkehrsexperten davon aus, dass der Personenverkehr auf Deutschlands Schienen bis zum Jahr 2030 um rund 20 Prozent zunehmen wird, das Frachtaufkommen für die Bahn um ein Viertel, hinsichtlich der zurückgelegten Kilometer sogar um mehr als 40 Prozent. Da ist noch viel zu tun.



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