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Erfolgreicher DJ, Bodybuilder, Fitness-Trainer und Veranstalter: Alpha Conteh ist ein Tausendsassa

Goldjunge

Ich kann’s!“ Mit diesem Satz ist Alpha Conteh nicht nur ein gefragter DJ geworden. Mit dieser Geisteshaltung mauserte er sich auch zum erfolgreichen Bodybuilder, Fitness-Trainer und Veranstalter. „Du musst etwas gar nicht unbedingt können, wenn du etwas erreichen willst. Du musst es vor allem können wollen“, sagt der 38-Jährige an einem Dienstagnachmittag in der Melounge. Er bestellt einen Espresso. Und einen Tee, weil er das Gefühl hat, eine Erkältung auszubrüten.

veröffentlicht am 22.03.2016 um 19:15 Uhr
aktualisiert am 22.10.2016 um 09:22 Uhr

Philipp Killmann

Autor

Reporter zur Autorenseite

Dass Conteh Kraftsport können wollte, ist nicht zu übersehen. Mit muskulösen Oberarmen, die aussehen, als hätten sie mal Beine werden sollen, beeindruckt der Hamelner von vornherein mit körperlicher Präsenz.

Aber natürlich ist es nicht allein der Wille, der ans Ziel führt. Auf den Willen müssen Taten folgen. „Viele glauben zum Beispiel, Schwarze müssten weniger trainieren als Weiße, um Muskeln aufzubauen, aber das ist Blödsinn“, sagt Conteh, dessen Wurzeln im westafrikanischen Sierra Leone liegen. „Jeden, der das denkt, lade ich gerne ein, mir mal beim Trainieren zuzusehen.“

Ein Foto auf Facebook vermittelt davon einen kleinen Eindruck: Conteh stemmt mit vor Anstrengung zur Grimasse verzerrtem Gesicht Gewichte. Seine Hashtags dazu: „#workhard #trainhard #believeinyourself“ (Trainiere hart! Arbeite hart! Glaub’ an dich!).

3 Bilder

Der Sportler

Conteh glaubt an sich. Dabei mutet sein Start ins Leben zunächst etwas traurig an. Als er 1977 in Paderborn zur Welt kommt, sind seine Eltern noch sehr jung und befinden sich noch mitten im Studium. Also wächst Conteh bei Verwandten im fernen Freetown auf, der Heimatstadt seiner Eltern in Sierra Leone. Doch gefehlt habe es ihm an nichts, sagt er. Seine Familie ist wohlhabend, er wächst wohlbehütet auf. „Ich wurde von meinen Verwandten sehr gut umsorgt und meine Eltern kamen regelmäßig zu Besuch“, erzählt er.

In Sierra Leone begeistert er sich von klein auf für Sport, besonders für Fußball. „Leider habe ich falsch trainiert, was mir eine chronische Knochenhautentzündung im Schienbein beschert hat“, sagt er. Eine Verletzung, die ihm Jahre später in Deutschland eine in Aussicht gestellte Fußballkarriere bei Hannover 96 verleiden wird, wo Conteh in der A-Jugend spielte.

Mit 16 Jahren kommt Conteh zurück nach Deutschland, zu seinen Eltern, die inzwischen in Bad Pyrmont leben. Als er den Fußball an den Nagel hängen muss, entscheidet er sich für Kraftsport als Ersatz. Es dauert nicht lange, und mit 19 belegt er bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft in Hamburg den 3. Platz.

Doch eine Karriere in der Herrenklasse kam für ihn nie in Frage. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass du da ohne verbotene Mittel nicht über eine gewisse Grenze hinauskommst“, sagt Conteh. An seiner Liebe zum Kraftsport ändert das nichts. Noch heute trainiert er jeden Tag. Wenn er nicht für sich alleine trainiert, dann als Fitnesstrainer in der Sportbox und bei Kingdom of Sports. „Denn ich leite nicht nur an, ich trainiere immer selbst mit“, erzählt Conteh. „Fitness ist das, was ich machen wollte, seit ich 16 bin.“

Als DJ finanziert er sich die Erfüllung dieses Traums. Er macht eine Ausbildung zum Fitnesstrainer, die er 2006 bei dem Hamelner Fitnessstudio Family Fitness und an der Fachhochschule in Köln beginnt und zwei Jahre später abschließt.

Doch als Jugendlicher entscheidet er sich zunächst für eine ganz bodenständige Tätigkeit. Nach der Realschule macht er eine Lehre bei Domo-Bessmer in Hessisch Oldendorf zum Textilveredler. Er wird übernommen und bleibt für sieben Jahre. „Ich wollte einfach erst mal Geld verdienen.“

Der DJ

Nebenbei nimmt seine Karriere als DJ Fahrt auf. „Integriert in die deutsche Musikkultur seit den Dorfpartys in Bad Pyrmont“, wie Conteh mit einem breiten Grinsen sagt, hat er keinerlei Berührungsängste mit Schlagern und Pop – von Wolfgang Petry bis Helene Fischer. „Ich spiele gute Musik, die ich selbst gar nicht unbedingt mögen muss – tue ich aber“, betont er. Grundsätzlich spiele er alles. Aber sein Hauptprogramm bestehe aus der Pop-Musik der 80er („Für mich die beste Musik!“) und 90er Jahre, House, Electro und R‘n‘B. Nur Hip-Hop spiele er nicht. „Das war noch nie mein Ding.“

An den Wochenenden kommt der junge DJ Alpha viel herum. Nach ersten Engagements in Hamelner Clubs ist er bald auch im Nachtleben von Hannover, Bielefeld und dem Umland ein gefragter DJ.

2006 legt er zwei Tage lang in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh auf. Es folgen weitere Auftritte im spanischen Lloret de Mar und in Calella sowie in Bulgarien und Ungarn. Wo gefeiert wird, gibt es in der Regel auch Drogen. Besonders im Nachtleben. In Versuchung geraten sei Conteh aber nie. „Ich bin schon voll ausgelastet“, sagt er. „Musik und Sport, das sind meine Drogen.“ Allein das eine oder andere alkoholische Getränk gönne er sich als DJ. „Schließlich ist aufzulegen für mich keine Arbeit. Ich feiere mit den Leuten.“ Die Hamelner kennen ihn vor allem als Resident der After-Business-Club-Party im Hefehof.

Der Veranstalter

Neben seiner Tätigkeit als DJ entdeckt Conteh den Veranstalter in sich. 2005 stellt er in der Rattenfängerhalle die erste großangelegte „Black Music“-Veranstaltung von Hameln auf die Beine: Party am Freitag, Party am Samstag – DJ Alpha legt auf. Eine nicht ganz schmerzfreie Erfahrung, die er dennoch nicht missen will. Es sei „eigentlich alles perfekt“ gewesen. Nur wirtschaftlich habe es sich damals nicht so rentiert, wie erhofft. Aber Conteh ist ein Stehaufmännchen. Er verbucht es unter Lehrgeld, das sich spätestens 2012 bei seiner Veranstaltung „Minden lebt“ wieder ausgezahlt habe. Inzwischen zeichnet er für zahlreiche Events in und um Hameln verantwortlich.

Im selben Jahr, 2012, landet DJ Alpha in den Charts. Gemeinsam mit dem DJ und Produzent Manuel Baccano, der ihn um einen Part als MC bittet, landet er einen Hit. Ihr Song „So Strung Out“ schafft es auf Platz 17 der deutschen Dance-Charts. Auf Mallorca drehen sie ein Video.

2015 markiert den vorläufigen Höhepunkt Contehs als DJ. Er bekommt ein Engagement beim „Spring Break Croatia“, einer riesigen Sommerparty, vergleichbar mit dem amerikanischen Spring Break, wo junge Leute aus aller Welt zusammenkommen, um zu feiern. „Die haben mich bei Facebook entdeckt und angeschrieben“, erzählt Conteh. „Und das ist mir wirklich eine Ehre! Immerhin haben da auch schon DJs wie David Guetta aufgelegt.“ Auch in diesem Jahr ist er wieder mit dabei.

Ein weiteres Highlight war für Alpha im vergangenen Jahr die Teilnahme am Hamelner „Pflasterfest“ mit seiner „Summer Beats Stage“. Dabei habe er der Stadt schon zwei Jahre zuvor das Angebot gemacht, auf Stadtfesten auch mal etwas für das jüngere Publikum anzubieten. Ohne Erfolg, wie er kritisch anmerkt. Nun kam die Stadt auf ihn zurück. Das Konzept ging auf, sodass die „Summer Beats Stage“ auch in diesem Jahr wieder auf dem Pflasterfest vertreten sein wird.

Als erfolgreicher DJ steht ihm die Welt offen. Doch sein Lebensmittelpunkt bleibt Hameln. Wieso eigentlich? „Wenn du gut bist, ist es egal, wo du wohnst“, antwortet Conteh. „Nur weil du in einer Großstadt lebst, bist du nicht automatisch besser. Klar kannst du da mehr Erfahrung sammeln. Aber es gibt auch mehr Konkurrenz – und dadurch weniger Geld.“

Es ist kurz vor 18 Uhr. Conteh muss wieder an die Arbeit in der Sportbox. Noch eine Frage: Wie ist er denn nun DJ geworden? Conteh erzählt. Er war gerade 16 Jahre alt, als seine Mutter ihm vorschlug, als DJ aufzulegen, schließlich höre er doch so gerne Musik.

Noch am selben Abend fuhr sein Vater ihn in die Hamelner Disco „Village“. Er stellte sich vor und erklärte, als DJ arbeiten zu wollen. Ob er das denn schon mal gemacht habe? „Nein“, antwortete Conteh. „Aber ich kann’s!“ Noch am selben Abend hatte er den Job.

Wer in Hameln schon mal eine der nächtlichen Großveranstaltungen besucht hat, kennt ihn: DJ Alpha. Der 38 Jahre alte Alpha Conteh hat sich einen Namen gemacht, der für viele untrennbar mit dem Schlagwort „Party“ verbunden ist. Andere kennen ihn als imposanten Fitness-Trainer, der den Kursteilnehmern nicht bloß einheizt, sondern selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Weniger bekannt ist seine Rolle als Veranstalter. Unsere Zeitung hat den Alleskönner getroffen.

Vor der nächsten Show als DJ oder einer Fotosession (r.) gönnt sich Alpha Conteh noch ein schweißtreibendes Workout (l.).



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