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Dewezet-Serie „Kleine Museen auf dem Lande“: Heute „Forum Glas“ in Bad Münder

„Glaskunst im Stadtbild“

Unter den mehr als 20 Museen, die sich unter das Dach des Interessenverbands „Museumslandschaft Hameln-Pyrmont“ begeben haben, nimmt das „Forum Glas“ in Bad Münder zweifellos eine Sonderstellung ein. Und das in gleich zweifacher Hinsicht: Zum einen sind die weitaus meisten Ausstellungsstücke nicht „museal“ im historischen Sinne, sondern Arbeiten zeitgenössischer Glaskünstler, zum anderen verfügt die Einrichtung über kein Museumsgebäude, in dem sie ihre Exponate präsentiert.

veröffentlicht am 19.10.2018 um 16:18 Uhr

„Die vier Säulen für Bad Münder“ – vier 3,60 Meter hohe Glaskuben auf der Insel eines Kreisverkehrs symbolisieren die vier Säulen, auf denen das Leben in Bad Münder ruht: Landwirtschaft, Holzgewinnung, Heilquellen und Glasherstellung. foto: br
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Diese sind vielmehr im nahezu gesamten Innenstadtbereich, also im öffentlichen Raum zu finden. Sie können mithin von jedermann jederzeit aufgesucht und betrachtet werden. Das ist insbesondere bei jenen Objekten von Bedeutung, die erst bei Dunkelheit ihre volle Wirkung entfalten. Gleichwohl darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass die Arbeit des Trägervereins sehr wohl auch und in keineswegs geringem Maße der Erinnerung an die rund 400-jährige Tradition der Glasherstellung in der Deister-Süntel-Region gewidmet ist.

Gleich am Eingang zum Bad Münderschen Ortskern geht es los. Dort, inmitten der Insel eines Kreisverkehrs, stehen die „Vier Säulen für Bad Münder“. Vier quadratische Glaskörper mit 50 Zentimetern Seitenlänge und gut 3,60 Metern Höhe, aus jeweils 300 Glasschichten fest miteinander verklebt. Sie sind, wie Hermann Wessling, Vorsitzender von „Forum Glas e. V.“, im Gespräch mit der Dewezet erläutert, einerseits Symbol für die Jahrhunderte alte Kunst der Glasherstellung, andererseits aber auch Ausdruck einer beispielhaften Zusammenarbeit. Denn Auszubildende der Ardagh Glass GmbH in Bad Münder haben sie nach einem Entwurf des hannoverschen Glaskünstlers Bernd Wiegand angefertigt.

Bei dem Projekt, das Teamarbeit und Kreativität gleichermaßen fördern sollte, hatte jeder der beteiligten Auszubildenden eine Woche lang Zeit, sich in und an dem Objekt zu verwirklichen. Tagsüber erscheint es aufgrund seiner Konstruktion aus verklebtem Flachglas in schlichtem Grün, bei Dunkelheit aber, erhält jede Säule eine andere Farbe, die wiederum jeweils Ausdruck der Lebens- und Arbeitswelt Bad Münders ist. Grün symbolisiert die Landwirtschaft in der Region, braun steht für das Holz der Wälder, das unverzichtbare Brennmaterial für die Glasherstellung. Blau verweist auf das Wasser der Heilquellen Bad Münders und das Weiß erinnert an das Glas selbst, wie es heute noch vor Ort als Verpackungsglas hergestellt wird.

„Der Fluss“ von Mike Spahn (Düsseldorf) ist schon bei Tage sehenswert. Er entwickelt allerdings erst nach Einbruch der Dunkelheit seine volle und beabsichtigte Wirkung, wenn die wechselnde Beleuchtung im Innern der Glasbausteine einen unterirdichen F
  • „Der Fluss“ von Mike Spahn (Düsseldorf) ist schon bei Tage sehenswert. Er entwickelt allerdings erst nach Einbruch der Dunkelheit seine volle und beabsichtigte Wirkung, wenn die wechselnde Beleuchtung im Innern der Glasbausteine einen unterirdichen Fluss simuliert. foto: br
Die „Wegbegleiterinnen“ von Bernd Wiegand aus Hannover wurden bei einem bundesweiten Glaskunst-Wettbewerb mit einem 1. Preis ausgezeichnet. In Bad Münder sind sie unübersehbarer Teil des Glasskulpturenwegs „Glaskunst im Stadtbild“. foto: br
  • Die „Wegbegleiterinnen“ von Bernd Wiegand aus Hannover wurden bei einem bundesweiten Glaskunst-Wettbewerb mit einem 1. Preis ausgezeichnet. In Bad Münder sind sie unübersehbarer Teil des Glasskulpturenwegs „Glaskunst im Stadtbild“. foto: br
Übermannshohe Flachglasstelen, wie hier auf dem Werksgelände der irischen Ardagh Glass GmbH, erinnern an ehemalige Standorte der Glasherstellung in der Deister-Süntel-Region. foto: br
  • Übermannshohe Flachglasstelen, wie hier auf dem Werksgelände der irischen Ardagh Glass GmbH, erinnern an ehemalige Standorte der Glasherstellung in der Deister-Süntel-Region. foto: br

Zweifellos sind die „Vier Säulen für Bad Münder“ so etwas wie das Prunkstück von „Forum Glas“. Kaum weniger eindrucksvoll ist indes das Projekt „Glaskunst im Stadtbild“, ein Glasskulpturenweg, der Besucher von der Altstadt bis zum Kurpark führt, „der allerdings,“ wie Hermann Wessling freimütig eingesteht, „noch einige Lücken aufweist“.

Doch das, was er bisher zeigt, ist allemal höchst sehenswert und legt beredtes Zeugnis vom Ideenreichtum zeitgenössischer Glaskünstler ab. Wie, um ein Beispiel zu nennen, in der Friedrich-Ebert-Allee „Der Fluss“, eine Arbeit des Düsseldorfers Mike Spahn. An sich sind es ja nur 20 in einer Reihe in die Erde eingelassene Glasbausteine, die aber – und das ist der Clou – bei Dunkelheit von innen unterschiedlich beleuchtet sind und so den Einruck eines unterirdischen Flusses erwecken.

Der Strom für die Beleuchtung wird übrigens zu 100 Prozent umweltfreundlich erzeugt. Ihn speichert nämlich tagsüber eine kleine, eigens zu diesem Zweck installierte Solaranlage ein. Dass auch das Gurgeln des Flusses hörbar ist, war allerdings ursprünglich nicht geplant. „Es kommt von daher“, weist Hermann Wessling schmunzelnd auf das Abdeckrost eines Abwasserkanals.

Und last but not least sind auch sie unübersehbare Hinweise auf die Tradition der Glasherstellung: Insgesamt sechs übermannshohe Flachglasstelen erinnern an die Standorte ehemaliger Glashütten, von denen eine an dem Werk der irischen Ardagh Glass GmbH steht, in dem heute noch 150 Menschen aus Bad Münder Arbeit finden.

Information

Forum Glas e.V.

Bei aller Hinwendung zur aktuellen Glasherstellung und Glaskunst gilt seit einigen Jahren ein besonderes Augenmerk von „Forum Glas e. V.“ auch einem Objekt aus längst vergangenen Zeiten. Es handelt sich dabei um Ausgrabungsarbeiten einer ehemaligen Glashütte auf dem Areal einer Senioren-Residenz in Klein Süntel. Dort ist, wie „Forum Glas“-Vorsitzender Hermann Wessling zu berichten weiß, „bereits zur Zeit des 30-jährigen Krieges Glas produziert worden“. Entdeckt worden ist diese längst verschüttete und vergessene Glashütte bei Bauarbeiten für einen Parkplatz am benachbarten Feuerwehrhaus. Nach Beendigung der Ausgrabung sowie Wiederherstellung und Sicherung der alten, noch erhaltenen Gebäudeteile soll die Glashütte, so Wessling, „als kultur-touristisches Projekt dienen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“. Doch auch jetzt schon hält der Verein „Forum Glas“ eine Fülle von Informationsmaterial über seine mannigfaltigen Aktivitäten bereit. Darin heißt es unter anderem: „Das Forum Glas wurde im Jahr 2006 gegründet. Projekte der Glasgeschichte und Glaskunst, Glaskreativkurse und Exkursionen sind seine Schwerpunkte. Sein Ziel ist es, die Bürgerschaft dieser Region für den sehr alten und ebenso modernen Werkstoff Glas zu faszinieren.“ Umfangreiche Dokumentationen dazu finden Interessierte im Internet unter: www.forum-glas-badmuender.debr



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