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Kanutour auf der Weser begeistert

Ganz dicht an Wasser und Natur

WESERBERGLAND: Der Frühling hat mit aller Macht Einzug gehalten, somit locken wieder allerhand Aktivitäten ins Freie. Was passt zu den ersten warmen Tagen besser als eine Kanutour auf der Weser? Ein Selbsterfahrungsbericht von Vater mit Tochter.

veröffentlicht am 24.04.2019 um 13:16 Uhr
aktualisiert am 24.04.2019 um 15:44 Uhr

Ashley macht ihre erste Kanutour auf der Weser – und ist begeistert von der Ruhe, der Natur und dem sportlichen Erlebnis. Foto: gw

Autor:

Guntmar Wolff
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Die Weser fließt mit knapp sechs Kilometer Geschwindigkeit gen Norden. Der Kanadier, in dem meine Tochter Ashley und ich sitzen, gleitet ruhig vor sich hin. Zu allen Seiten sehen wir viel Natur. Zahlreiche Unternehmen bieten Flussgenießern ihre Dienste an, angefangen von begleiteten Gruppenreisen bis hin zum Kanuverleih. Nach ein paar Recherchen im Internet haben wir uns für die Firma „Weser-Erlebnis Kanutouristik“ entschieden und treffen uns zum vereinbarten Zeitraum in Bodenwerder. Von dort bringt uns Mitarbeiter Manfred Berg nach Polle, wo wir den Kanadier zu Wasser lassen. Auf der Fahrt dorthin erklärt uns der passionierte Kanufahrer, was bei einer Fahrt alles schiefgehen kann. „Die meisten Leute überschätzen sich“, warnt Berg, der viel Wert auf die Einweisung legt, die Ashley und ich artig absolvieren.

Sobald wir unseren Kanadier zu Wasser gelassen haben, nimmt dieser direkt Fahrt auf. „Das ist eine Wasserstraße“, hatte uns Manfred Berg noch eingetrichtert – was bedeuten soll: Schiffe haben Vorrang. Ein Blick nach hinten zeigt uns, dass die Gierseilfähre noch am Ufer ist und wir erst einmal in die Mitte der Weser paddeln können. Dass das Paddeln im gemeinsamen Takt erst einmal geübt werden muss, zeigt sich in den ersten Minuten. In welchem Rhythmus paddeln wir und wer sticht sein Paddel auf welcher Seite des Bootes in das Wasser? Diese Fragen beschäftigen uns, während das Kanu anfängt, sich in der Strömung munter zu drehen. „Nur keine Hektik“, sage ich mir und versuche durch gezielte Paddelschläge, den Bug nach vorne zu bringen. An dieser Stelle wird mir deutlich vor Augen geführt, welche Kraft das Wasser hat. Erst als wir in Ufernähe nicht dem unmittelbaren Strom ausgesetzt sind, wird es leichter.

„Schau mal da!“, reißt mich meine Tochter aus den Gedanken und deutet auf eine Gruppe von Nilgänsen, die es sich an der Uferböschung bequem gemacht haben. Diese aus Afrika stammenden Vogelart breitet sich schon seit Jahren auch in Niedersachsen aus. Da die Vögel sehr anpassungsfähig sind, finden sie auch in diesen Gegenden ideale Bedingungen vor. Während wir die Paddel im Boot verstauen und uns für einige Zeit einfach treiben lassen, verstehe ich, was Martin Berg meinte, als er die flache Uferböschung der Weser pries. Kilometerweit können wir nach beiden Seiten Ausschau halten, während man an anderen Flüssen keine zwei Meter aufs Land sehen kann.

Typisch Oberweser – die Kombination von bewaldeten Bergen und ebenen landwirtschaftlichen Flächen und ab und zu eine Ortschaft direkt am Wasser. Foto: gw

Drei Stunden sind für die Fahrt angesetzt. Ein Blick auf die Karte verrät mir, dass wir uns in einem guten Tempo voranbewegen. Links und rechts lassen wir die Campingplätze von Reileifzen und Pegestorf hinter uns. „Lass uns doch mal eine Pause machen“, lautet Ashleys Wunsch, auch ich freue mich auf einen Landgang. Als ich die Bootsstege sehe, fällt mir allerdings siedend heiß mein letzter Kanutrip ein, den ich vor zwei Jahren mit meiner Frau und meinen Eltern unternommen hatte, ebenfalls auf der Weser. Bei einem missglückten Anlegemanöver verloren wir die Balance, landeten im Wasser. Bei dem unfreiwilligen Badeausflug versanken unsere Uhren, Handys und noch einiges mehr im Wasser. Erfahrene Wasserwanderer schützen ihre Wertsachen in speziellen wasserdichten Tonnen oder Säcken, die am Boot befestigt werden.

Vor der Fahrt erklärte mir Martin Berg, dem ich nichts von dem desaströsen Erlebnis erzählt hatte, dass die hohen Anlegestellen für Boote seien, die auf Wasserhöhe befindlichen, für die Kanuten. Hätte ich das mal früher gewusst, schoss es mir durch den Kopf. Mit diesem Wissen ausgerüstet, steuern Ashley und ich einen Kanuanleger an, schaffen es zu stoppen – kein einfaches Unterfangen bei der Strömung. Beine vertreten, nach links und rechts schauen und die Erkenntnis gewinnen: Auf dem Fluss ist es doch schöner. Also ablegen und weiter!

Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt, denn nach kurzer Zeit verlangsamt sich die Geschwindigkeit der Weser. Nun heißt es kräftiger paddeln. Vor uns tauchen die Klippen von Dölme mit dem Senator-Meyer-Denkmal auf, ein beeindruckendes Bild. Ein Pluspunkt unserer in der Saison frühen Tour: Uns begegnet niemand – ein Luxus, der in der Hochsaison nicht zu erleben ist. Alleine Kanuverleiher Berg bringt in jeder Saison nach eigenen Angaben knapp 10 000 Leute auf den Fluss.

Während wir die Siedlung am Ehrberg hinter uns lassen, werfe ich einen Blick auf die Karte und sehe, dass wir nun noch eine halbe Stunde haben, bis wir in Bodenwerder ankommen sollen. Mit Martin Berg haben wir verabredet, dass wir ihn, bevor wir die erste Brücke in Bodenwerder passieren, anrufen und er uns am Steg in Empfang nimmt. Auf den letzten Metern grüßt uns ein Schwanenpaar, das sich anscheinend ein Nest baut. „Lieber in der Mitte des Flusses bleiben“, fordere ich meine Tochter auf: Schwäne können angriffslustig sein, wenn sie sich gestört oder bedrängt fühlen. Nachdem wir die weißgefiederten Freunde umschifft haben, konzentrieren wir uns auf die Ankunft in Bodenwerder. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass wir die Zeit gut eingehalten haben.

Durchaus gekonnt legen wir an und steigen mit etwas wackeligen Beinen aus. Noch ist die Tour aber nicht zu Ende, denn nun muss das Kanu gesäubert werden. Mit Tuch und Schwamm bewaffnet, entfernen wir Keks- und Wasserreste und verstauen das Fahrzeug auf Bergs Dachgepäckträger.

Müde, aber zufrieden und mit zahlreichen Fotos in der Kamera trotten wir zum Auto. „Das war einfach nur klasse“, entfährt es meiner Tochter. Und als ich sie am nächsten Morgen wecke, ist ihr erster Satz: „Wann wiederholen wir die Tour?“ Ganz klar: Wiederholungsfaktor 100 Prozent.



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