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Interhelp-Team versorgt Patienten mit Wasser, Medizin und Brillen

Fürstliche Mission in Sri Lanka

Der Schweiß rinnt in Strömen. Das Ärzteteam leistet in der Schwüle des aufziehenden Gewitters Bewundernswertes, behandelt Patienten wie am Fließband. Wie an allen anderen Tagen zuvor werden die Ehrenamtlichen aus Deutschland auch heute wieder auf Anweisung des Gesundheitsministers des Landes von zwei Ärzten und zahlreichen Krankenschwestern aus Sri Lanka unterstützt. „Das laute Stimmengewirr, die Menschenmassen, das Gedränge, die Hitze – das ist schon sehr anstrengend“, sagt Interhelp-Ärztin Dr. Sibylle Trapp-Dammaschke aus Hameln. „Aber es macht viel Spaß, zu helfen“, fügt Assistenzärztin Dr. Sophia Schelcher hinzu. Sie ist jung, hat aber schon reichlich Auslandserfahrung: Als Medizinstudentin half die 32-Jährige ein halbes Jahr lang Lepra- und Tuberkulose-Kranken in Pakistan. Ihr zur Seite steht Dr. Siegfried John aus Rahden im Kreis Minden-Lübbecke.

veröffentlicht am 01.03.2016 um 07:35 Uhr
aktualisiert am 31.03.2016 um 13:45 Uhr

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Autor:

Alexander zu Schaumburg-Lippe

„Entweder hört

das auf oder wir brechen ab“

Je länger die Wartezeit wird, desto mehr schwindet die Bereitschaft der Hilfesuchenden zu geordnetem Verhalten. Die Warteschlange löst sich in einen drängelnden Pulk auf, bis der Leiter der Interhelp-Taskforce, Lehrrettungsassistent Reinhold Klostermann, das Gemurmel übertönt: „Entweder hört das auf oder wir brechen ab.“ Der Übersetzer wiederholt auf Singhalesisch – und die Schlange bildet sich wieder. Inzwischen ist eine ältere Frau in der Hitze dehydriert zusammengebrochen. Klostermann fordert sofort notärztliche Hilfe an und kümmert sich um die Kranke. Mit seinem Sohn Nils baut er rasch eine improvisierte Liege. Auf Anordnung von Schelcher hängen die beiden Sanitäter die kollabierte Patientin an den Tropf. In den vergangenen acht Tagen hat das Interhelp-Team, das im Auftrag von mfs International aus Frankfurt und in Kooperation mit dem Gesundheitsministeriums in Colombo auf Sri Lanka den Ärmsten der Armen hilft, schon 2000 Frauen, Männer und Kinder versorgt.

Die Optikerin aus Kalutera, die uns unentgeltlich unterstützt, hat das Chaos vorausgesehen und handgeschriebene Zettel mit Nummern verteilt, damit die Reihenfolge feststeht. Es sind Hunderte von Menschen, die hier auf eine kostenlose Brille hoffen. Sie alle sollen eine möglichst genau angepasste Sehhilfe erhalten, die sie sich selbst nicht leisten könnten.

Der Herr der Augengläser bin ich. Vor mir auf einem langen Tisch befinden sich Hunderte von Spenderbrillen. Viele davon wurden bereits von Optikern in Hameln, Bückeburg und Minden kostenlos vermessen und beschriftet. Nun werden mir von allen Seiten Zettel mit den Messwerten der Optikerin entgegengehalten. Finde ich eine Brille mit einem geeigneten Wert, wird es spannend: Wenn mein Gegenüber sie ausprobiert, halte ich für ein paar Sekunden die Luft an. Entweder gibt es eine verneinende Geste – dann geht die Suche von vorne los. Oder man wiegt das Haupt bejahend, ein Lächeln – die Brille passt, die Freude ist groß, die Dankbarkeit auch.

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Das medizinische Interhelp-Team im Einsatz für Menschen in Not: Dr. Sophia Schelcher, Rettungsassistent Nils Klostermann, Dr. Siegfried John, Dr. Sibylle Trapp-Dammaschke und Sanitäter Ulrich Behmann werden von Ärzten und Krankenschwestern aus Sri Lanka unterstützt.

Eine Empfängerin schüttelt missmutig den Kopf. „Sie sieht Nebel“ sagt der Übersetzer. Ich verstehe nicht. Das sind doch genau ihre Werte … Kurzentschlossen zücke ich ein Tempotaschentuch und putze die Gläser. Nun wird alles wundersam klar; sie strahlt vor Freude und bedankt sich. Ein junges Mädchen kommt an der Hand seiner Mutter. Die Kleine wirkt, als sei sie blind. In der Tat sind ihre Werte haarsträubend. Eine Spenderbrille hilft hier nicht weiter, aber sie bekommt ein besonders schönes Gestell. Das ist das eigentlich Teure. Die Gläser sind einigermaßen erschwinglich, wenn auch nicht für jeden in diesem bitterarmen Land.

Immer wieder bekomme ich Zettel mit demselben Wert – plus 2,5; plus 2,5 – und die vorvermessenen Lesebrillen in dieser Stärke gehen zur Neige. Jetzt fällt auch noch der Refraktometer, mit dem ich Gläser vor Ort messen kann, aus, und ich verliere wertvolle Minuten mit der Suche nach einer Behelfslösung. Der Andrang wird aber nicht schwächer, sondern immer stärker. Nach vielleicht drei Stunden in der tropischen Hitze habe ich meine physischen Grenzen erreicht und sehe aus, als sei ich ins Wasser gefallen. Als Interhelp-Präsident Ulrich Behmann zum Aufbruch bläst – wir wollen noch das Ergebnis einer Bewässerungs-Aktion besichtigen – bin ich nicht gänzlich dagegen. Die einheimischen Krankenschwestern in ihren adretten Paradeuniformen übernehmen nach einer Einweisung.

Zum ersten Mal

haben diese Menschen fließendes Wasser

Am Rande der Stadt werden wir von Kindern in weißer Festtagskleidung empfangen, die uns die traditionellen Blumenkränze umhängen. Die Freude dieser Menschen ist ehrlich und überhaupt nicht gespielt. Zum ersten Mal haben sie fließendes Wasser auf dem eigenen Grundstück. Bisher mussten sie sich seit vielen Jahren entweder mit einem brackigen, verseuchten Brunnen behelfen oder bei Nachbarn um Wasser betteln. Waren die gerade nicht daheim, gab es eben kein sauberes Wasser. Das ist nun vorbei, und die zehn Familien strahlen vor Glück.

Morgens in aller Frühe bringt uns die Sri Lanka Air Force in den Nordosten ins ehemalige Kriegsgebiet. In einem Dorf bei Trincomalee wollen wir Grundsteine für neue Interhelp-Häuser legen und einige neue an singhalesische und tamilische Familien übergeben. Wir müssen vorsichtig sein. Dort liegen immer noch viele Minen, es gibt Malaria, Dengue-Fieber und giftige Schlangen.

Spendenkonten: Wer die Helfer unterstützen möchte, findet unter www.interhelp.info Fördermitgliedsanträge. Die Spendenkonten: IBAN DE60 2545 0110 0000 0203 13 - Sparkasse Weserbergland; IBAN DE49 2546 2160 0700 7000 00 - Volksbank Hameln-Stadthagen.



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