weather-image
19°
×

Früher Rumba - heute Zumba

Südamerikanische Rhythmen klingen durch den Konditionsraum der Rattenfängerhalle und Lenka Kvochova ruft fröhlich: „Refrain!“ Jetzt lassen die zehn Teilnehmerinnen des Zumba-Kurses ihre Schultern und Arme im Takt kreisen und schwingen die Hüften. „Strophe“, schallt es kurz danach durch den Raum, und die Frauen machen drei Schritte zur Seite und klatschen in die Hände.

veröffentlicht am 07.11.2011 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 21.11.2011 um 11:14 Uhr

Autor:

„Zumba kann jeder lernen“, beteuert Lenka Kvochova, die seit einem Jahr in Hameln Zumba-Kurse gibt. Man brauche kein Rhythmusgefühl und man müsse auch kein begnadeter Tänzer sein – Spaß an der Bewegung zur Musik sei vollkommen ausreichend. Vor jedem Lied zeige sie die Tanzschritte einmal trocken, damit die anderen sie nachahmen können. „Für jedes Lied sind es immer nur ein paar Kombinationen, die man sich schnell merken kann“, so die Zumba-Instruktorin. Sie will jedoch auch nicht abstreiten, dass das Rhythmusgefühl schon eine Rolle spielt. „Natürlich ist es toll, wenn man den Rhythmus spürt, dann kann man die Hüften noch besser bewegen, aber Zumba funktioniert auch ohne.“

Grundsätzlich vereinen die meisten Zumba-Choreografien Elemente aus verschiedenen Tänzen. Die klassisch-südamerikanischen Tänze wie Merengue, Samba, Cumbia und Salsa sind genauso vertreten wie der amerikanische Hip-Hop, der orientalische Bauchtanz und typische Tanzbewegungen aus den Bollywood-Filmen. „Es ist sehr abwechslungsreich, man muss einfach auf die Musik hören“, so Kvochova. Sowohl für die Strophe als auch für den Refrain eines Liedes gibt es unterschiedliche Schrittfolgen, die sich wiederholen. „Bei der Strophe macht man zum Beispiel drei Ausfallschritte nach rechts mit einem Quicktapp und wieder drei nach links mit Tap, und beim Refrain kreist man mit den Hüften und macht mit den Armen eine Welle, und so geht es während des gesamten Liedes“, erzählt Kvochova über den Ablauf eines Zumba-Trainings.

Zweieinhalb Jahre hat die Obernkirchenerin Samantha Cali als Au-pair-Mädchen in Minnesota verbracht, oben im Norden der USA, an der Grenze zu Kanada. Ein gutes halbes Jahr war sie Mitglied im Fitnessstudio, als dort der erste Zumba-Kurs angeboten wurde: „Ich war von Anfang an dabei“, erzählt die gebürtige Obernkirchnerin. Und sofort infiziert: Der Spaß, die körperliche Bewegung, die Dynamik und nicht zuletzt Erfolge bei der Gewichtsreduktion ließen sie sechs Kurse in zwei Monaten buchen. 110 Menschen nahmen dort täglich an den Kursen teil, insgesamt arbeitete Samantha Cali 18 Monate bei zwei Zumba-Trainern. Und machte vor ihrer Rückkehr Nägel mit Köpfen: Sie ließ sich zum Zumba-Instructor ausbilden.

2 Bilder

Zurück in der Heimat, verschickte sie E-Mails, in denen sie den örtlichen Vereinen die Vorteile dieser körperlichen Bewegung vorstellte. Der VfL Bückeburg war sofort dabei, auch der Kneipp-Verein Obernkirchen zeigte schnell Interesse. Heute gibt die 22-Jährige sechs Kurse pro Woche, mit rund 150 Teilnehmern. Es können noch ein paar mehr werden, erzählt die angehende Fremdsprachenkorrespondentin, im nächsten Monat wird sie sich in München weiterbilden lassen: Zumba Tomic steht an, das ist Zumba für Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren. Mit dem Ausdauersport, der Herz und Kreislauf stärkt und Spaß macht, kann man schließlich nicht früh genug beginnen, meint sie.

Diese Art des Tanzens sei besonders für Frauen attraktiv, denn bei den meisten anderen Tanzkursen brauchen sie immer einen Partner – viele Männer haben jedoch keine Lust, keine Zeit oder nach eigenen Angaben kein Talent dafür, so dass die Frauen häufig allein dastehen. Das kennt man laut Lenka Kvochova ja schon aus normalen Tanzkursen, bei denen es meistens Männermangel gäbe. „Bei Zumba hingegen können die Frauen ohne Partner, aber in einer Gruppe nach Herzenslust tanzen“, sagt Kvochova. Diese Möglichkeit mache die Sportart auch bei Singles sehr beliebt.

Ein weiterer Pluspunkt für Zumba: Es werden nicht nur bestimmte Körperpartien trainiert, sondern der gesamte Körper. „Zwar wird die Bauch- und Rückenmuskulatur durch die kreisenden Hüftbewegungen besonders gestärkt, doch auch Arme und Beine kommen nicht zu kurz“, so Kvochova. In Werbevideos und Broschüren wird Zumba als Work-out angeboten, bei dem man angeblich innerhalb einer Stunde 1000 Kalorien verbrennen kann – eine werbewirksame Utopie, wenn man bedenkt, dass nicht mal die Radfahrer der Tour de France so viele Kalorien in einer Stunde verbrennen. „Trotzdem ist Zumba ein richtiger Fettverbrenner. Schließlich ist der ganze Körper in Bewegung“, erklärt Lenka Kvochova.

Sie kann nicht genau sagen, wie viel Kalorien bei einem Zumba-Training verbrannt werden, doch sie hält die sportwissenschaftlichen Angaben von 400 für realistisch. „Letztlich spielen die Kalorien doch nur eine untergeordnete Rolle. Klar, alle Frauen wollen abnehmen, aber es geht ja um den Spaß an der Bewegung“, erzählt Kvochova. Sie selbst ist seit 13 Jahren Aerobic-Lehrerin und kam vor über einem Jahr auf die Idee, nach neuen Fortbildungen zu suchen. „Ich entdeckte dann Zumba, machte selbst ein paar Kurse mit und wollte dann unbedingt den Trainerschein machen“, erinnert sich Kvochova. Sie tanze sehr gerne, liebe die Musik und den Rhythmus und sei deshalb von Zumba sofort begeistert gewesen.

Das war auch bei Heike Radecke, zweite Vorsitzende des Kneipp-Vereins in Obernkirchen, der Fall: Einerseits würden sich die Vereinsmitglieder mit viel Spaß gesundheitsbewusst bewegen, da Zumba gelenkschonend sei. Andererseits wirke die Musik motivierend auf die Teilnehmer, weshalb sich der Kneipp-Verein dazu entschlossen hat, den Fitnesstrend anzubieten. „Gerade Jugendliche und Sportneueinsteiger fast jeden Alters wollen wir durch diesen Sporttrend gewinnen“, sagt Heike Radecke. Nicht nur die Vereine der Region verzeichnen durch Zumba einen Boom bei Teilnehmerzahlen. Auch die kommerziellen Anbieter wie Fitnessstudios und Tanzschulen setzten voll auf den Trend und bieten vielerorts zusätzliche Kurse an.

Viele halten Zumba für eine dieser typisch amerikanischen Trendsportarten, die Stars wie Madonna und Jennifer Lopez bekannt gemacht haben. Dabei liegen die Wurzeln dieses Tanz-Work-outs nicht in den Vereinigten Staaten, sondern in Kolumbien. Der Fitnesstrainer Alberto Perez, „Beto“ genannt, hatte Mitte der 90er Jahre vergessen, seine typische Aerobic-Musik zu einem seiner Kurse mitzunehmen. Da er den Kurs nicht einfach so ausfallen lassen konnte, musste er sich etwas einfallen lassen: Statt nun aber nach Hause zu fahren und die Musik zu holen, nahm er die Tapes, die er immer im Auto hörte. Und schon ertönten Salsa- und Merengue- Klänge – die Musik, mit der Beto groß geworden war.

Und statt der üblichen Aerobic-Übungen ließ er sich von der Musik inspirieren und kreierte ein neues Work-out. Von dem Erfolg in seinem Heimatland überrascht, entschloss er sich, 1999 sein Glück auch in den USA zu versuchen. Dort ging der Triumphzug des Work-outs weiter, das mittlerweile in 125 Ländern angeboten wird.

Das Angebot an unterschiedlichen Zumba-Kursen ist mittlerweile ernorm: Beispielsweise gibt es Zumba-Gold für die Älteren, deren Gesundheit den Belastungen eines normalen Zumba-Kurses nicht mehr gewachsen ist, dann noch Zumba Tomic für Kinder von vier bis zwölf und Zumba-Aqua im Pool, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. Dabei steht der Spaß an der Bewegung zu lateinamerikanischen Rhythmen im Vordergrund.

Ein Rhythmus, bei dem man einfach mit muss: Darauf setzt die neue Trendsportart Zumba. Diese Mischung aus Tanzen und Fitness-Übungen soll nicht nur Speckpölsterchen schmelzen lassen, sondern auch noch gute Laune machen.

Zumba kombiniert Tanzschritte mit Fitness-Übungen. Fotos: Wal, rnk



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt