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Teil 3 unserer EU-Serie: Wie die EU sich um Forschung und Bildung bemüht

Fördergelder für das Praktikum

Großbritannien will den Brexit: Bei einem Referendum Ende Juni stimmten 51,9 Prozent aller Wähler im Vereinigten Königreich mehr als 40 Jahre nach dem Ein- nun für einen Austritt aus der Europäischen Union. Doch ist die EU wirklich das bürokratische Regulierungs-Monster, als das Brexit-Befürworter und Euroskeptiker sie sehen? In einer neuen Serie wollen wir eintauchen in die Europäischen Union – in ihre Verordnungen, die nützlichen wie die vermeintlich irrwitzigen, wollen Menschen und Firmen vorstellen, deren Beruf und Auftragslage ohne EU ganz anders aussähe, und wollen die Frage stellen: Welche Rolle spielt die EU eigentlich für unser tägliches Leben?

veröffentlicht am 03.08.2016 um 20:01 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:53 Uhr

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Michael Zimmermann

Autor

Michael Zimmermann Gastautor zur Autorenseite

HAMELN. Praktikum in Frankreich? Studiensemester in Spanien? Schüleraustausch in Großbritannien? Oder ein Niederländisch-Deutsches Solarforschungsprojekt? Von den Möglichkeiten der Europäischen Union profitieren auch die Menschen im Weserbergland.

Die EU fördert zum Beispiel politischen Austausch zwischen unterschiedlichen Bildungssystemen, um die Qualität in einzelnen Bereichen zu verbessern. Mit dem sogenannten Bologna-Prozess von 1999 wurde zum Beispiel ein einheitlichen Hochschulraums geschaffen, der Kopenhagen-Prozess von 2002 verstärkte die europaweite Kooperation in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Das kommt auch den Absolventen der Technischen Akademie in Hameln zugute.

Durch den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) und dessen deutsches Pendant DQR können Abschlüsse und Qualifikationen möglich miteinander verglichen werden. Ein Meister oder Fachwirt befindet sich damit auf Bachelor-Niveau und kann an jeder europäischen Universität studieren. Ein Betriebswirt oder Technischer Betriebswirt ist seit Kurzem sogar offiziell auf Master-Niveau. Wer an der Technischen Akademie seinen Meister oder Fachwirt macht, erwirbt auch ein Hochschulzugangsrecht und kann sich danach an jeder Universität in Europa bewerben. Der Gründer des TA Bildungszentrums, Werner Thiele, engagiert sich nach eigenen Angaben seit Jahren im Arbeitskreis Offene Hochschule für die Durchlässigkeit des Bildungssystems, um Personen mit Weiterbildungsabschlussden Zugang zu FHs und Unis zu erleichtern. „Wir arbeiten erfolgreich an einer Anerkennung von Weiterbildungsabschlüssen auf europäischer Ebene“, sagt Thiele. Creditpoints, also Vorleistungen beim Lernen, würden inzwischen gegenseitig angerechnet.

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Auch das Institut für Solarenergieforschung Hameln baut auf Zusammenarbeit mit europäischen Partnern. Foto: wal

Die Bemühungen bleiben aber nicht nur auf der politischen und formalen Ebene: Die EU fördert auch den Austausch von Studierenden und Schülern. Diese lernen dann nicht nur andere Sprachen und Kulturen kennen, sondern sollen auch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern.

Seit 2014 gibt es – als Nachfolger der Programme „Erasmus“ und „Leonardo da Vinci“ – das Programm „Erasmus+“, das Lernen in allen Bildungsbereichen sowie im Jugend- und Sportbereich unterstützen soll.

Mit dem Vorgänger „Erasmus“ konnten 2013/14 unter anderem rund 272 000 Studenden einige Zeit im Ausland studieren.

Als „Europaschule“ hat sich die Handelslehranstalt Hameln (HLA) diesen Austausch schon in der Bezeichnung auf die Fahnen geschrieben. Nach eigenen Angaben unterhält die Schule Kontakte zu Partnerschulen in Frankreich, Polen, der Slowakischen Republik, Liechtenstein, Spanien, Portugal und Italien, bietet festen Unterricht in drei Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Spanisch) und zusätzlich noch andere Sprachen wie Niederländisch in Arbeitsgemeinschaften an.

Jedes Jahr gibt es mindestens zwei Austauschprojekte und Studienfahrten ins europäische Ausland. So ein Austausch dauert in der Regel rund eine Woche, die Gastgeber kommen später auch zum Gegenbesuch. Die Schüler werden zusätzlich über Auslandspraktika, Freiwilligendienste oder Ausbildungsmöglichkeiten im Ausland beraten.

In der Zusatzausbildung zum Europakaufmann erwerben die Auszubildenden den Europäischen Computerführerschein, belegen spzielle Englischkurse und können zusätzlich Prüfungen für Sprachzertifikate in Spanisch und Französisch ablegen. Kernstück der Ausbildung ist ein mindestens dreiwöchiges Praktikum im Ausland, das durch das Erasmus+-Programm unterstützt wird.

Auch viele der anderen berufsbildenden Schulen im Weserbergland nehmen an Programmen teil, für die es von der EU finanzielle Förderung für Verpflegung und Unterkunft gibt. Durch Praktika im Ausland können sie sehen, wie in anderen Ländern gearbeitet wird.

Im Bereich der Forschung hat die EU ebenfalls das Ziel, Kräfte zu bündeln. Die Grundannahme: Wenn sich verschiedene Forschungseinrichtungen in Europa zusammentun, kommen meist bessere Ergebnisse heraus. Der Austausch und die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen, die über ganz Europa verteilt sind oder sich sogar zu großen Verbünden zusammentun, wird finanziell von der EU gefördert. Im weltweit finanzstärksten Förderprogramm – dem „Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020“ – stehen dafür zum Beispiel rund 77 Milliarden Euro zur Verfügung.

Damit das auch gut gelingt, wurde ein Binnenraum für Wissen geschaffen: der Europäische Forschungsraum. Damit soll Wissen zwischen den einzelnen Einrichtungen und Unternehmen besser fließen und Forschungsthemen besser abgestimmt werden können. Außerdem sollen so bestimmte Infrastrukturen wie zum Beispiel Hochleistungsteleskope gemeinsam aufgebaut werden. Für ein Land allein sind diese nämlich meist zu teuer – zusammen entwickelt und genutzt schaffen sie neue Möglichkeiten.

Das Institut für Solarenergieforschung in Emmerthal (ISFH) bestreitet seinen Forschungsetat zum großen Teil aus öffentlichen Mitteln, darunter auch EU-Gelder. Rund acht Millionen Euro gab es im vergangenen Jahr von Bund, Land und EU als Forschungsförderung. Als Spitzenforschungsinstitut in Deutschland ist die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg für das ISFH wichtig. Kooperationen gibt es unter anderem mit Instituten aus acht europäischen Ländern, den USA und Australien. Auch mit internationalen Unternehmen arbeitet das Institut in der Entwicklung von Innovationen zusammen: Gemeinsam mit dem niederländischen Unternehmen SoLayTec wurde zum Beispiel 2013 eine neue Produktionstechnik entwickelt. Die PERC-Solarzelle erreichte einen Wirkungsgrad von 20,1 Prozent. In dem neuen Verfahren wurde eine fünf Nanometer dünne flächendeckende Schicht aus Aluminiumoxid auf industrielle PERC-Solarzellen aufgebracht wurde.



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