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Warum sollte man in Zeiten der elektronischen Post noch Brieftauben züchten? Wenn man Züchter in Schaumburg fragt, ist die Antwort immer die gleiche: „Weil es faszinierende Tiere sind.“ Unabhängig davon, wie weit man eine Taube von ihrem Schla

Flotte Flieger

Wie machen die das nur? Für Wettkämpfe werden Tauben zu einem Hunderte Kilometer entfernten Abflugort transportiert. Von dort fliegen sie zielstrebig wieder zu ihrem Schlag zurück. Wie sie zurückfinden und woran sie sich orientieren, kann nicht genau erklärt werden. Auch die Wissenschaft steht dabei vor einem Rätsel.

veröffentlicht am 30.05.2014 um 00:00 Uhr

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Früher waren Tauben tatsächlich so etwas wie fliegende Postboten. Ihnen wurde eine Nachricht auf einem Zettel an den Fuß oder auf den Rücken gebunden, die sie dann zu ihrem Schlag flogen. Heute werden sie nur noch als Hobby und zu Wettbewerbszwecken gezüchtet.

Mehr als 100 Stundenkilometer können sie auf ihren Langstreckenflügen zurücklegen. Es zieht sie eben schnell nach Hause. „Im Schlag haben sie Futter und Wasser, dort fühlen sie sich wohl“, erklärt Walter Tillmann. Der 66-Jährige gehört dem Verein „Gut Flug“ in Stadthagen an. Sein Taubenschlag beherbergt allerdings nur noch etwa 20 weiße Brieftauben, die er nicht für Wettkämpfe, sondern nur noch als Hobby und für feierliche Anlässe züchtet. Bei Hochzeiten zum Beispiel lassen Brautpaare Tillmanns Tauben gerne fliegen.

Seine erste Taube hat Tillman von seinem Vater bekommen: „Eines Tages kam mein Vater vom Heringsfang zurück. In der einen Hand hatte er seinen Seesack, in der anderen einen provisorischen Käfig mit einer Taube, die auf See notgelandet war.“ Daraus wurden dann schnell mehr. „Ich fand das schon als Kind toll, wenn ich die Tauben im Dorf habe fliegen sehen“, erinnert sich Winfried Noetzel, der Vorsitzende von „Gut Flug“. Der 65-Jährige hat zwei Söhne, die seine Leidenschaft für die Taubenzucht nicht teilen. „Die Jugend hat andere Interessen“, weiß Noetzel. Er fiebert immer noch regelmäßig mit seinen Schützlingen, wenn sie mit anderen Tauben um die Wette fliegen.

Taubenzuchtvereine schließen sich für die Wettkämpfe zu Reisevereinigungen zusammen. Dadurch wird es für die Züchter günstiger. Sie lassen ihre Vögel in Transportboxen gemeinschaftlich zum Abflugort fahren. Dort startet der Wettkampf. Die weiteste Strecke, die die Tauben in der Reisevereinigung Schaumburg-Lindhorst zurücklegen, der auch „Gut Flug“ angehört, ist 611 Kilometer lang.

Wie schnell die Tiere dann wieder in ihrem Schlag ankommen, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Nebel, Wind und Regen machen den Vögeln zu schaffen. Im Durchschnitt fliegen sie 70 bis 80 Stundenkilometer, erklärt Ma-thias Körber, der Vorsitzende des Regionalverbands Minden-Schaumburg. Geschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometer sind, bei guten Bedingungen und Rückenwind, nicht ausgeschlossen, weiß Körber.

Die schnellsten Flieger schaffen es in die Preisliste. Auch beim Taubenwettflug hat mittlerweile die Technik Einzug gehalten.

In den ersten Lebenswochen bekommen die Tauben einen geschlossenen Nummernring um den Fuß. Darauf ist das Geburtsjahr des Vogels, die Vereinsnummer sowie eine laufende Identifikationsnummer vermerkt. Diesen Ring behalten sie ihr Leben lang. Bei Wettflügen bekommen die Tauben zusätzlich einen Wettkampfring mit einem eingebauten Chip für die elektronische Zeiterfassung. Damit wird am Abflugort sowie bei Ankunft der Vögel in ihrem Schlag die Uhrzeit festgehalten. Aus der Flugzeit lässt sich dann die Geschwindigkeit errechnen.

Die Jungtiere werden behutsam an den Langstreckenflug herangeführt. Angefangen von drei bis 30 Kilometer weiten Strecken, werden die Entfernungen langsam gesteigert. Trainingsflüge erstrecken sich Körber zufolge zwischen 30 und 100 Kilometer. Bei Wettkämpfen können die sportlichen Flieger dann problemlos 200 bis 600 Kilometer durchfliegen.

Das Warten auf die Ankunft der Tauben ist für die Züchter purer Nervenkitzel. „Man errechnet sich vorher, wann die Tauben ungefähr ankommen müssten, und schaut dann oft schon gebannt zum Himmel“, verrät Körber. Dabei kann es um Sekunden gehen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden“, sagt Körber. Nur die schnellsten 33 Prozent kommen in die sogenannte Preisliste.



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