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„Fliegende Händler laden geschmeidig auf“

Bislang hat die Abfallwirtschaftsgesellschaft Landkreis Schaumburg (AWS) in diesem Jahr 1426 Anmeldungen für Sperrmüll verzeichnet, knapp 3000 werden es jährlich, berichtet Susanne Rintelen, Leiterin der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der AWS. 2010 wurden insgesamt 3447 Einheiten (eine Einheit umfasst drei Kubikmeter Sperrmüll) angemeldet und in 2661 Touren eingesammelt. Ein Konvoi aus vier Fahrzeugen fährt dafür zwischen fünf und acht Touren monatlich. Die AWS ist dafür indirekt zuständig: „Wir haben keinen eigenen Fuhrpark“, erklärt Rintelen. „Die Abfuhr übernimmt die Firma Sauthoff, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen.“

veröffentlicht am 14.09.2011 um 00:00 Uhr

Max Koturbasz (l.) und Ralf Kording-Neu (r.) befördern das Fenster ins Innere des Pressfahrzeugs: Hier ist vorerst Endstation. F

Autor:

Nelli Oberlender

Bei der AWS selbst würden die Anmeldungen entgegen genommen, eine Abholung erfolgt im Landkreis Schaumburg nämlich ausschließlich auf Anfrage. Die Kunden müssen bei der Anmeldung genaue Angaben zu Material, zum Beispiel Metall, Holz oder andere brennbare Stoffe, und Menge des Sperrmülls machen. Pro Einheit fallen dann 30 Euro Kosten an. Laut Rintelen verhältnismäßig wenig: „Bei der Sperrmüll-Abholung handelt es sich um eine subventionierte Leistung. Es muss zwar gezahlt werden, diese Zahlungen der Kunden decken jedoch bei Weitem nicht die anfallenden Kosten“, die sich je Einheit auf zusätzliche 30 Euro beliefen. Die Subventionierung der Leistung sei auch ein Grund dafür, dass keine Abfälle aus Um- und Ausbaumaßnahmen als Sperrmüll entsorgt werden könnten, denn diese könne sich eben nicht jeder leisten. „Normalen Sperrmüll, wie zum Beispiel Matratzen oder mal ein Einzelfenster, hat jeder mal“, erklärt Rintelen. Abgesehen davon gehöre natürlich auch keine Kleidung oder Geschirr zum Sperrmüll. Wie der Name schon sagt, fallen darunter ausschließlich sperrige, nicht anderweitig entsorgbare Gegenstände. Generell gelte: „Was tonnengängig ist, gehört in die Restmülltonne“, stellt Rintelen fest.

Sobald die entsprechende Zahlung für die Sperrmüll-Abholung bei der AWS eingetroffen ist, wird der Auftrag an die Firma Sauthoff weitergeleitet. Hier werden die Fahrzeuge dann „ausgeplant“, erklärt Detlef Könemann, Diplom-Ökonom und Betriebsleiter der Sauthoff GmbH. Ein Konvoi bestehend aus zwei Press- und zwei Kofferfahrzeugen erledige die Abholung, erläutert der Betriebsleiter. In den Pressfahrzeugen, die jeweils 25 Kubikmeter Müll fassen, können die sperrigen Möbel oder Matratzen direkt eingedrückt und zerkleinert werden. Ein Kofferfahrzeug hingegen muss man sich wie einen Möbeltransporter vorstellen, beschreibt Könemann. Mit einer Hebebühne ausgestattet wird in diesen Fahrzeugen der metallische Müll gesammelt. Je nachdem, wie viele Kubikmeter die einzelnen Kunden angemeldet haben – „In der Regel sind es drei bis sechs Kubikmeter“ – könnten so an einem Tag zwischen 20 und 25 „Anfallstellen“ angefahren werden, verweist der Ökonom auf Erfahrungswerte. „Falls bei einem Kunden eine große Entrümpelung ansteht, sind es natürlich entsprechend weniger Anfallstellen“, so Könemann.

Gerade im Zusammenhang mit den Kubikmeterangaben der Kunden treten oftmals Probleme auf, räumt der Betriebsleiter ein. Wenn weniger Sperrmüll angegeben wird als am Ende vorhanden ist, und dieser dann womöglich auch noch aus nicht angemeldeten Materialien besteht, wird es schwierig für die Fahrer. „Wir planen zwar immer einen Puffer ein“, erklärt Könemann, doch im schlimmsten Fall könnten so nicht alle Kunden einer Tour angefahren werden. Vor allem in anonymeren Gegenden käme es außerdem immer wieder vor, dass Nachbarn oder Besucher einfach ihren Sperrmüll dazustellen würden, ohne für die Abholung zu bezahlen, und somit die Angaben verfälschten. „Die Haufen werden über Nacht größer. Wenn dann entscheidend mehr Müll vorhanden ist, vermerken unsere Fahrer das“, so Könemann. Derjenige, der seinen Sperrmüll regulär angemeldet hat, muss in so einem Fall für alle nachzahlen. Könemann rät zur Vermeidung solcher Unstimmigkeiten dazu, sich strikt an die Vorgaben der AWS zu halten, die darauf hinweist, den Müll wirklich erst am vereinbarten Abholungstag und nicht vorher rauszustellen.

Ein ordentlich zusammengestellter Sperrmüllhaufen erleichtert den Fahrern der Firma Sauthoff die Arbeit. Der Staubsauger wird aber trotz Ordnung zurückgelassen.

Doch nicht nur zusätzlicher Sperrmüll kann zum Ärgernis werden. Die Haufen, die oftmals mehrere Stunden an der Straße stehen, locken sogenannte „Sperrmülltouristen“ an, die diese nach interessanten Stücken durchsuchen und den ordentlichen Haufen nebenbei „zerfleddern“ würden, so der Betriebsleiter.

Das ist dann nicht mehr nur ein Problem für den betroffenen Bürger, der sich um die Beseitigung kümmern muss. Die Sperrmüll-Fahrer müssen die Konsequenzen mittragen. Ralf Kording-Neu, seit vier Jahren Fahrer der Firma Sauthoff, und sein Kollege Max Koturbasz, kennen dieses Problem gut. Wenn in den ordentlichen Haufen herumgewühlt wird, müssten sie oftmals weite Wege zum Fahrzeug zurücklegen, um den Sperrmüll einladen zu können, berichtet Kording-Neu. Und er kann auch von weiteren Umständen berichten: „Meistens stellen die Leute mehrere Säcke voller Restmüll dazu“, diese würden die beiden Fahrer ordnungsgemäß natürlich nicht mitnehmen, erklärt Kording-Neu.

Restmüll ist bei dieser Vormittags-Tour nicht dabei, dafür reichlich Metall und sogar ein Staubsauger. „Die Metalle werden später von einem extra Fahrzeug abgeholt.“ Den Staubsauger lassen die beiden Fahrer stehen. „Elektrogeräte kann man ja überall umsonst abgeben“, lächelt Kording-Neu, denn Versuche, die Elektrogeräte eben nebenbei loszuwerden, gebe es immer wieder.

„Im Metallbereich ist der Diebstahl an der Tagesordnung“, erzählt Könemann. Sobald die Stahlpreise ansteigen, kämen „die fliegenden Händler mit ihren Glocken und laden die Sachen geschmeidig auf“. Oftmals würden sie auch versuchen, sich vorab über die genaue Tagesroute zu informieren, um diese gezielt abfahren zu können. Im Metall stecke „bares Geld“, das die Händler unerlaubt vom Straßenrand einsammelten. Könemann: „Letztendlich will der Bürger den Müll einfach nur loswerden“, doch auch für ihn würde der Diebstahl zum Ärgernis, denn die Zahlung für die Abholung hat er zu diesem Zeitpunkt ja bereits getätigt. Auswirkungen hätten diese Diebstähle natürlich auch auf den Disponenten selbst, der Ausfälle in der Tourenplanung und der Auslastung der Fahrzeuge habe. „Das endet dann wieder in einer Erhöhung der Gebühren“, und darüber freue sich schließlich niemand, so der Betriebsleiter der Firma Sauthoff.

Der gesammelte Sperrmüll landet am Ende des Tages im Entsorgungszentrum Schaumburg (EZS) in Sachsenhagen, wird dort einem Sortiersystem zugeführt und geschreddert. Der Großteil der Holzabfälle würde, nach der Entfernung aller metallischen Rückstände, zur Herstellung von Ersatzbrennstoffen, unter anderem für Kohlekraftwerke, genutzt, erklärt Könemann.

Seit 2006 regelt das ElektroG (Elektro- und Elektronikgeräte Gesetz) die getrennte Erfassung von „normalem“ Sperrmüll und Elektrogeräten. Die Bürger können ihre Altgeräte in haushaltsüblichen Mengen seitdem kostenlos bei den Recyclinghöfen (Rinteln, Bückeburg, Bad Nenndorf, Sachsenhagen und Nienstädt) des Landkreises abgeben. Sammelbehälter vor Ort würden von der Stiftung „Elektro-Altgeräte Register“ (ear) gestellt und wieder abgeholt, erklärt Könemann.

Ihren Kunden bietet die AWS verschiedene Abholungsservices. Die klassische Abfuhr für 30 Euro je angefangene drei Kubikmeter erfolge, laut Rintelen, etwa drei Wochen nach Zahlungseingang. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit der „Blitzabfuhr“, bei der lange Wartezeiten entfallen. Gegen einen einmaligen Aufpreis von 50 Euro würde innerhalb von drei Werktagen ein Container zur Beladung bereitgestellt und wieder abgeholt.

Ob es Matratzen, einzelne Fenster, Plastikwannen oder Regale sind: Mit dem Sperrmüll kann das abgenutzte und überflüssige Mobiliar aus dem Haus geschafft werden. Die Möbel-Haufen am Straßenrand sind jedoch nicht nur Ziel der Sperrmüll-Fahrer auf ihrer Tour. Auch Metall-Händler und Sperrmülltouristen haben es auf sie abgesehen.



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