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Alles Wissenswerte rund um die Nachtwandler

Fledermäuse in unserer Region: Die Flugkünstler erwachen

LANDKREIS. Die ersten warmen Tage und Nächte haben sie aus dem Winterschlaf geweckt: die Fledermäuse. Die Flugkünstler der Nacht ziehen nun von ihren Winter- in die Sommerquartiere. Viele Arten sind in Deutschland jedoch gefährdet. Was jeder von uns für ihren Schutz tun kann:

veröffentlicht am 09.04.2018 um 16:59 Uhr
aktualisiert am 09.04.2018 um 18:00 Uhr

In Kellergewölben fühlen sich die Fledermäuse so richtig wohl: Sie mögen eine konstant kühle Temperatur und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Foto: dpa

Autor:

Felix David und Niklas Könner

LANDKREIS. Die ersten warmen Tage und Nächte haben sie aus dem Winterschlaf geweckt: die Fledermäuse. Die Flugkünstler der Nacht ziehen nun von ihren Winter- in die Sommerquartiere. Für ihren Winterschlaf suchen die Tiere vor allem Höhlen, Stollen, Bunker oder Keller auf. Orte also, die eine konstant kühle Temperatur und eine hohe Luftfeuchtigkeit aufweisen. Auf dem Zug zwischen Winterquartier und Sommerquartier können sehr weite Strecken zurückgelegt werden – so ist eine Rauhautfledermaus mit einer Zugstrecke von über 1900 Kilometern bekannt.

„Viele Menschen wissen inzwischen, dass bei uns einige Fledermausarten an Gebäuden leben. Weit verbreitet ist dabei der Irrglaube, dass es sich hierbei ausschließlich um alte Gebäude handelt. Tatsächlich machen vor allem spaltenbewohnende Fledermäuse wie die Zwergfledermaus keinen Unterschied zwischen alten und neuen Gebäuden. Wichtig ist nur, dass sie einen passenden Spalt finden, der ihnen genug Platz lässt und auch die passenden klimatischen Bedingungen für die Jungenaufzucht bietet“, berichtet Ralf Berkhan, Fledermausexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen. Im Sommer wollen es Fledermäuse warm und trocken. Solche Bedingungen können ebenso hinter einer Holzverschalung an einem alten Bauernhaus herrschen wie an einem Plattenbau in der Großstadt.

Anders ist dies bei solchen Arten, die sich lieber direkt im Dachboden aufhalten. Diese Arten brauchen große und nicht ausgebaute Dachböden, die zugleich möglichst zugluftfrei sind. Solche Dachböden sind an modernen Häusern kaum noch zu finden, weshalb das Große Mausohr oder auch das Braune oder das Graue Langohr häufig in Kirchen oder anderen historischen Gebäuden zu finden sind.

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Mit 15 angesiedelten Fledermausarten ist Rinteln beispielsweise für die kleinen Nachtwandler ein besonders beliebter Ort. „Die Landschaften und Gebäude hier sind wirklich äußerst fledermausfreundlich“, bestätigt Nick Büscher, Vorsitzender des Ortsvereins Rinteln. Exemplarisch sei die Steinberger Kirche, auf deren Dachboden weit über 100 Tiere wohnen würden. Aus diesem Grund trägt die Kirche den Titel als kleinstes FFH-Schutzgebiet in Deutschland.

Darüber hinaus lassen sich aber noch etliche weitere Quartiere in der Rintelner Altstadt lokalisieren. Stolz ist Büscher vor allem auf eine unterirdische Wohnstube der Unterwasserfledermaus. „Unterhalb der Hartler Straße haben wir vor acht Jahren ein Deckengewölbe vom Zufluss der alten Mühlenexter entdeckt, wo die Tiere ihr Zuhause haben.“ Der Fund sei außergewöhnlich, immerhin gebe es deutschlandweit sonst nur in Leipzig eine Stube dieser Art.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft ist die Vielfalt der bäuerlichen Kulturlandschaften verloren gegangen – das beeinflusst auch das Nahrungsangebot für die Fledermaus, wie der Nabu erklärt. „Die negativen Auswirkungen auf das Angebot an Beutetieren wie Nachtfaltern, Käfern oder anderen Fluginsekten sind erheblich. Auch der Einsatz von Pestiziden, sowohl in der Landwirtschaft, aber auch in der Forstwirtschaft und im Privathaushalt macht den Tieren zu schaffen“, sagt Berkhan.

Die Giftablagerungen erreichen im wenige Gramm schweren Tierkörper entweder tödliche Konzentrationen oder werden über die Muttermilch an die Jungen weitergereicht. Zudem werden viele Quartiere vom Menschen unbewusst zerstört. Besonders höhlenreiches Altholz wird noch immer aus dem Wald entfernt. Dachböden werden renoviert und mit Holzschutzmitteln behandelt, Hohlräume ausgeschäumt und Fugen versiegelt. „Wichtige Lebensräume unter Dächern oder hinter Fassadenverkleidungen gehen so verloren“, stellt Ralf Berkhan fest.

Es gibt also zahlreiche Ursachen für die Bedrohung der Fledermäuse. Von den 25 in Deutschland vorkommenden Arten sind vier Arten vom Aussterben bedroht. Drei Arten gelten als stark gefährdet und weitere fünf Arten sind als gefährdet eingestuft.

Jeder kann selbst mit geringem Einsatz zum Schutz der Fledermäuse beitragen. Die Bereitstellung eines Fledermauskastens als potenzielles Quartier ist hier eine bewährte Methode. Fledermauskästen gibt es für spalten- wie auch höhlenbewohnende Arten. Diese können selbst gebaut oder im Fachhandel gekauft werden.

Wer bei Dämmmaßnahmen am Haus Rücksicht auf Fledermäuse nehmen möchte, kann aber auch einen der vom Nabu Niedersachsen ausgebildeten „Fledermaus-Botschafter“ zurate ziehen.

Mit der Aktion „Fledermausfreundliches Haus“ trägt der Nabu Niedersachsen dazu bei, die Akzeptanz für Fledermäuse in der Nähe des Menschen zu erhöhen sowie bestehende Quartiere zu erhalten und neue zu schaffen. Menschen, die Fledermäuse in ihren Häusern dulden, werden vom Nabu deshalb mit der Plakette „Hier sind Fledermäuse willkommen“ ausgezeichnet.

In Schaumburg ist bereits zahlreichen Hausbesitzern diese Plakette überreicht worden. „Die Hausbesitzer stellen Fledermauskästen auf, achten bei Sanierungen auf ungefährliche Farbstoffe und bringen spezielle Dachpfannen an ihren Häusern an“, lobt Nick Büscher dieses Engagement.

Plakette: Bewerben können sich Hauseigentümer oder auch Verwalter von öffentlichen Gebäuden – ganz gleich, ob es sich um ein Wohnhaus, Hotel, Bauernhof, ein Fabrikgebäude, eine Schule oder eine Kirche handelt. Auch Winterquartiere werden ausgezeichnet.

Information

Alles über die Flugkünstler in unserer Region

Das Weserbergland bietet eine breite Palette an Lebensräumen für die Tiere, da es eine hohe landschaftliche Vielfalt aufweist. Artenhilfsmaßnahmen für das Vorkommen der heimischen Fledermausarten werden jedoch erforderlich.

Der Fledermaus-Artenschutz bildet eine Hauptaufgabe der Artenschutzarbeit der Naturschutzbehörde. Dieser wird in enger Zusammenarbeit mit den beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz beauftragten Regionalbetreuern für Fledermausschutz sowie den Naturschutzverbänden durchgeführt. Insbesondere werden durch diese umfangreiche Kartierungen, Betreuungen von einzelnen Quartieren sowie Kontroll- und Schutzmaßnahmen durchgeführt und umgesetzt.

In unserer Region sind folgende Fledermausarten nachgewiesen: Mopsfledermaus, Braunes Langohr, Mausohr, Bechsteinfledermaus, Fransenfledermaus, Große Bartfledermaus, Kleine Bartfledermaus, Wasserfledermaus, Teichfledermaus, Kleiner Abendsegler, Abendsegler, Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus, Zweifarbfledermaus und die Breitflügelfledermaus.

Fledermaus-Vorkommen sind aus allen Bereichen des Landkreises bekannt. Insbesondere werden dabei die waldbestandenen Hänge entlang der Weser und der größeren Nebengewässer sowie Ortschaften mit alter Bausubstanz und ausgeprägter alter Durchgrünung besiedelt. Gleichzeitig werden die angrenzenden Räume als Jagdrevier genutzt.

 

Kleinstes FFH-Schutzgebiet Deutschlands ist die St.-Agnes-Kirche in Rinteln-Steinbergen, weil hier über 100 Fledermäuse leben.

Von den genannten Fledermausarten sind die Zweifarbfledermaus, Bechsteinfledermaus und Mopsfledermaus nur sporadisch anzutreffen, Rauhautfledermaus, Kleiner Abendsegler sowie Große und Kleine Bartfledermaus sind eher selten anzutreffen. Aus tiergeographischer Sicht ist das Vorkommen der Fledermausart Mausohr erwähnenswert, da diese Art ihren Verbreitungsschwerpunkt als wärmeliebende Tierart weiter südlich in Niedersachsen hat.

Trotz einer erkennbaren Stabilisierung der Bestände von Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus, Wasserfledermaus und eventuell Mausohr sind alle im Landkreis vorkommenden Fledermausarten in ihrem Bestand unter anderem durch die Zerstörung ihrer Lebensräume sowie durch Nahrungsverknappung und -vergiftung infolge der Anwendung von Insektiziden in Gärten und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen gefährdet. Neben dem Schutz der Quartiere sind vordringlich die Sicherung und Entwicklung der Jagdreviere der Fledermäuse und ihrer Flugstraßen durch Schutz, Pflege und Entwicklung von naturnahen Fließ- und Stillgewässern in Ortsnähe, von Laub- und Mischwäldern mit Altholzbereichen sowie von linienförmigen Baumreihen und Feldhecken zu fördern. Des Weiteren sind für gebäudebewohnende Fledermausarten alle naturnahen Habitate in einem Radius von mindestens zehn Kilometer um alle dörflichen oder städtischen Strukturen von großer Bedeutung.

Fledermäuse live erleben kann man beispielsweise bei Führungen des Nabu im Rahmen der sogenannten „Batnight“. Der Nabu Rinteln bietet die Fledermaus-Exkursion beispielsweise entlang der Graft am Blumenwall an. „Das ist eine schöne Ecke, wo sich mit dem Bat-Detektor gleich mehrere Arten aufspüren lassen“, erzählt Vorsitzender Nick Büscher. In diesem Jahr findet sie am 25. August statt.



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