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Hamelns Kino-Geschichte begann 1897 im Hotel Monopol

Film ab!

Die Filmbranche zelebriert nach unzähligen Partys und Auftritten auf dem roten Teppich ihr Film-Finale: In Berlin werden die Goldenen und die Silbernen Bären bei den 66. Internationalen Filmfestspielen verliehen. Die Geschichte des Films spielte schon immer in Berlin. Städte wie Hameln haben nur eine Kino-Geschichte.

veröffentlicht am 19.02.2016 um 17:14 Uhr

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Seit fast 120 Jahren lassen sich Menschen im Kino von Filmen in fantasievolle, gefühlvolle, mystische oder actionreiche Welten entführen. In Hameln war es am 21. Februar 1897 soweit: Im Saal des Hotels Monopol in Hameln sahen die Zuschauer den ersten Film ihres Lebens. Sie wurden zugleich zu Zeugen eines neuen, revolutionären Mediums. Erst seit 1895 war es möglich, Bewegung auf Film festzuhalten und wiederzugeben. Die ersten „Kinematographen“ und ihre „lebenden Photographien“ erregten viel Aufsehen. Von Großstädten wie Berlin und Hannover brachten fahrende Schausteller sie in die Provinz.

In den Jahren um 1900 waren die Säle der Gaststätten in Hameln und im Weserbergland immer wieder Station für fahrende Wanderbühnen mit Kinematographen, die sich zunehmend technisch verbesserten. Ab Anfang 1907 wurden im Bürgerlichen Brauhaus an der Ritterstraße in Hameln regelmäßig „lebende Photographien“ vorgeführt.

In der Folge entstanden in ganz Deutschland immer mehr reine Lichtspielhäuser. 1907 eröffnete der Gastwirt Wilhelm Siever an der Bäckerstraße 38/39 Hamelns erstes richtiges Kino: das Central-Theater. Im Programm waren Kurzfilme, die von 16 bis 23 Uhr im Dauerbetrieb liefen. In den Pausen zwischen den Filmen wurde mit einem Konzert-Grammophon Musik eingespielt. Ein weiteres Haus dieser Anfangszeit in Hameln waren die Elite-Lichtspiele an der Osterstraße. Das Staatsbad Pyrmont bekam sein erstes Kino 1918 im Hotel Lippischer Hof, später bekannt als Pyrmonter Lichtspiele. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eröffneten in Hameln weitere Kinos: das Theater unter den Linden am Münsterkirchhof (1918 bis etwa 1925), die Schauburg an der Deisterallee (ab dem Jahr 1922) und schließlich das Capitol-Theater (ab 1930).

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Das Scala entstand im Jahr 1952.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in den 1950er Jahren in Hameln drei neue Häuser eröffnet: 1951 eröffnete der zur Kino-Kette Union-Theater gehörende „UT-Palast“ im ehemaligen Hotel Monopol an der Deisterallee (ab 1953 Deli, später City-Kino), zu gleicher Zeit die Fortuna-Lichtspiele (später Klüt-Lichtspiele) an der Pyrmonter Straße und 1952 die Scala, ein Neubau an der Deisterstraße. Als das City-Kino 2002 seine Pforten schloss, gingen dort über 100 Jahre Kinogeschichte zu Ende.

Ende der 1980er Jahre entstand eine neue Art Großkino, das die Schachtel-Säle aus den 1970er Jahren verdrängte: das Multiplexkino. Diese Häuser bespielten mehrere mit Großleinwänden ausgestattete Säle, darüber hinaus gab es Cafès, Restaurants, Geschäfte. Mit diesem Angebot sollte wieder Publikum angelockt werden – mit Erfolg, erstmals stieg die Zahl der Zuschauer wieder. Das Konzept war so erfolgreich, dass es von den Großstädten in kleinere Städte übertragen wurde. Hameln erhielt 1999 mit dem „Maxx“ am Bahnhof den ersten Kino-Neubau seit 1952.

Ausstellung: Das Museum Hameln zeigt bis zum 3. April eine Ausstellung zur Hamelner Kino-Historie.



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