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Zwei Brüder aus Haverbeck haben sich mit ihrem Segelboot aufgemacht – einfach, weil sie es wollen

Einmal um die ganze Welt

Sie wollen nichts Geringeres als die Welt umsegeln – Frederik Schulze und sein älterer Bruder Konstantin nehmen sich eine Auszeit de luxe. Ein bis drei Jahre wollen sie in ihrem eigenen Segelboot unterwegs sein – und halten überall dort, wo sie wollen. Denn wenn nicht jetzt, wann dann?!

veröffentlicht am 14.12.2015 um 10:52 Uhr
aktualisiert am 19.12.2015 um 14:34 Uhr

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Autor:

von maike lina schaper

An schönen Orten bleiben sie länger, wo es langweilig ist, da eben kürzer. Westeuropa, die Karibik, Südamerika, Indonesien und schließlich Afrika stehen auf der Liste der beiden Brüder aus Haverbeck. Eine Affinität für das Wasser, die läge schon immer in der Familie, erzählen die Schulzes. Schon als Frederik und Konstantin noch Kinder waren, fuhr die Familie gern an die Mecklenburgische Seenplatte. Mit Opas motorisiertem Schlauchboot ging es übers Wasser. Doch je älter die Brüder wurden, desto größer mussten auch die Boote werden.

Das Fünf-PS-Schlauchboot vom Großvater reichte schon bald nicht mehr aus. Doch mit den größeren Booten kamen auch die höheren Rechnungen für Sprit und Miete. Das Fazit der beiden: Ein eigenes Boot muss her. Und wenn dann schon das eigene Boot da ist, dann muss das natürlich auch genutzt werden. Was liegt also näher, als die Welt zu umsegeln? Schließlich, so die Logik der beiden gebürtigen Haverbecker, sind in anderen Ländern die Lebenshaltungskosten ja auch geringer, und gewohnt werden kann eben auch gut auf dem Boot.

Anderthalb Jahre lang haben sie überlegt – Mitte 2014 dann für 25 000 Euro ihr eigenes Segelboot gebraucht gekauft. „SY Balemena“ heißt der solide Segel-Zweimaster aus Stahl. Die „SY Balemena“ hat einen Tiefgang von 2,30 Metern, ist 12,20 Meter lang, 3,60 Meter breit – und bereits 30 Jahre alt. Schon ihr vorheriger Besitzer wollte mit der „SY Belemena“ eine Weltumsegelung machen, aber dann kam ihm das Leben dazwischen – Beruf, Kinder, und irgendwann konnte er einfach nicht mehr weg. Genau das soll Frederik und Konstantin nicht passieren. Sie sind 23 und 26 Jahre alt, haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, schon ein paar Jahre gearbeitet und etwas Geld gespart. Deshalb lautet ihre Devise: Wenn also nicht jetzt, wann dann?

2 Bilder
Vom Mast aus fotografiert: die SY Balemena, nachdem sie auf Vordermann gebracht wurde. pr (3)

Die „SY Belemena“ haben die Brüder zusammen flottgemacht. Die Kfz-Werkstatt Hoffmann und Reinsch aus Hessisch Oldendorf hat ihnen bei der Erfüllung ihres Traums unter die Arme gegriffen und ihnen die Werkstatt zur Verfügung gestellt. Das Schiff haben Frederik und Konstantin in liebevoller Kleinarbeit restauriert, die Sanitäranlagen aufgefrischt, dem Schiff einen neuen Anstrich und größere Wassertanks verpasst. Und ein weiterer Sponsor hat sich gefunden: die Ölmühle Ottensteiner Hochebene – etwas finanzielle Unterstützung gab es für die Brüder und einen ausreichenden Vorrat Ottensteiner Öl geht nun auch um die Welt.

Am 10. Oktober ging es schließlich los. Von Cuxhaven aus starteten Frederik und Konstantin ihre Reise. Wenn die Hurrikan-Saison Anfang März vorbei sein wird, wollen sie in der Karibik sein, auf Trinidad oder Tobago zum Beispiel, doch zunächst geht es rund um Westeuropa.

Am Anfang ihrer Weltumsegelung lief auch schon einiges schief. Die Windfahnensteuerung, die die Segel automatisch zum Wind ausrichtet, war irgendwann defekt. Der elektrische Autopilot unterstützte die Abenteurer zwar unterwegs, doch weil dieser auch eine Menge Strom aus den Batterien zieht, bleibt er besonderen Momenten vorbehalten. Auch für die Kupplung mussten die Brüder in den Niederlanden schon ein neues Teil besorgen. Wenige Tage später hat auch noch der Windmesser, der die Stärke des Windes angibt, seinen Dienst quittiert. Doch was kaputtgeht, das reparieren Frederik und Konstantin eben wieder. Auf der Passage nach England hielt die Windfahne schon wieder den Kurs. Die Entscheidung für ein Segelschiff aus Stahl statt aus Holz haben sie ganz bewusst getroffen, denn einen Schweißbrenner, den gäbe es schließlich auch auf den Philippinen und anderswo auf der Welt.

Entgegen allen Widrigkeiten geben sich die Brüder ohnehin optimistisch. Auch mit den Frachtschiffen haben sie sich bisher arrangiert. Nur selten kommt ihnen eines zu nah und mit der neugierigen Besatzung eines französischen Marinebootes gab es nach anfänglichen Nachfragen wie „Wer seid ihr?“, „Woher kommt ihr?“ und „Wohin wollt ihr?“ ein gegenseitiges Fotoshooting. Wirklichen Respekt haben die Brüder nur vor umherschwimmenden Frachtcontainern, die ein Schiff verloren haben könnten und die sie in der Dunkelheit nicht früh genug erkennen.

Die Route um die Welt selbst steht nur grob. Improvisation sowie Lust und Laune heißen die Zauberwörter. Von der Karibik aus wollen die Schulzes eigentlich im nächsten Jahr an der schwierig zu umsegelnden Spitze Südamerikas vorbei. Denn eine alternative Durchquerung des Panamakanals würde um die 1500 Dollar kosten und das Gesamtbudget soll schließlich eine Weltreise lang halten. Selbst der Luxus, in einem Hafen zu ankern und dort eine Dusche zu nehmen, ist nur selten drin. Angst vor einem „Schiffskoller“ haben die Brüder nicht. Schließlich haben sie sich schon in frühester Kindheit ein Hochbett geteilt. Das härte fürs Leben ab, finden sie.

Mit Detailplanungen wollten sich die beiden ohnehin nicht groß aufhalten – erstmal losfahren, der Rest ergibt sich. Vielleicht ja auch mal ein Job unterwegs. Kokosnüsse verkaufen, oder so. Doch ein Ziel ist auf jeden Fall gesetzt: die Juan-Fer-nández-Inseln. Das Archipel gehört zu Chile und liegt westlich von Südamerika im Pazifischen Ozean. 1704 ließ sich der schottische Seemann Alexander Selkirk allein auf der Isla Más a Tierra aussetzen, nachdem er sich mit seinem Kapitän zerstritten hatte. Der Schriftsteller Daniel Defoe benutzte Selkirks Geschichte als Basis für seinen Roman Robinson Crusoe. Diese Hauptinsel wurde hiernach 1970 in Isla Robinsón Crusoe umbenannt.

Wer von ihren Freunden mag, der hat übrigens das Angebot bekommen, Frederik und Konstantin – wo auch immer in der Welt sie gerade sind – zu besuchen und bei ihnen auf dem Schiff zu schlafen. Aktualisierungen gibt es, wann immer Zeit und Internet da sind, in ihrem Blog unter sybalemena.blogspot.de .



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