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Kabarettist Dieter Nuhr wird am 28. September in Buchhagen mit dem Münchhausenpreis ausgezeichnet

„Einfach nur reden“

Zum 20. Mal wird am Mittwoch, 28. September, in Buchhagen der Münchhausenpreis vergeben. Preisträger ist diesmal Dieter Nuhr. Die Laudatio hält Torsten Sträter. Als Veranstalter freuen sich die Münchhausenstadt Bodenwerder und die Stiftung Sparkasse Bodenwerder, zwei herausragende Künstler präsentieren zu können.

veröffentlicht am 10.05.2016 um 18:22 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:23 Uhr

Joachim Zieseniß

Autor

Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite

Dieter Nuhr, Jahrgang 1960, wollte eigentlich Lehrer für Kunst und Geschichte werden. Im Mai 2012 hatte er bei seinem Auftritt in der Rattenfängerhalle aber verraten, warum er trotz Examen dann doch kein Pädagoge geworden ist: „Vor nur 30 Leuten auftreten ist Scheiße und Eintritt frei ist nie gut“, meinte der Comedian am Schluss seines damaligen Programms „Nuhr unter uns“. Bei der Verleihung des Münchhausenpreises wird Nuhr auf jeden Fall mehr Publikum haben: Dann wird er in Buchhagen vor 1200 Gästen auftreten.

Mit Dieter Nuhr, dem gebürtigen Weseler, der heute mit Frau und Tochter in Ratingen lebt, wird ein Kabarettist geehrt, der sowohl für seinen feinsinnigen Humor als auch für seine kritischen, politischen Betrachtungen bekannt ist. Dieter Nuhr ist jedoch nicht allein als Kabarettist, Moderator und Comedian erfolgreich; auch seine Bücher avancieren regelmäßig zu Beststellern.

Nuhr hatte seine ersten Bühnenauftritte mit einer Schülertheatergruppe. Während eines Projekts der Theatergruppe am Düsseldorfer Schauspielhaus schrieb er erstmals auch eigene Texte. 1986 gründete er ein Kabarettduo. Ab 1994 war Nuhr mit seinem ersten Soloprogramm „Nuhr am Nörgeln“ unterwegs. Und er fand dabei seinen eigenen Stil, indem er entdeckte: „Ich muss mich auf das verlassen, was ich kann – einfach nur reden.“ Und das ohne jegliche Requisiten.

Dieter Nuhr wird am 28. September im Gasthaus Mittendorf den Münchhausenpreis 2016 entgegennehmen. Foto: www.kulturagenten.de

Für sein Programm „Nuhr weiter so“ bekam er im Jahr 1998 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett. 2003 erhielt er den Deutschen Comedypreis für den besten Liveauftritt. Nuhr ist bis heute (2014) der einzige Preisträger, der beide Preise verliehen bekam.

Wortgewandt mit treffsicheren Pointen Zahlreiche Fernsehauftritte machten ihn anschließend auch über die Kleinkunst-Szene hinaus bekannt, etwa in Scheibenwischer, Hüsch und Co., Harald Schmidt Show, Quatsch Comedy Club, Genial daneben, Schillerstraße oder 7 Tage, 7 Köpfe. Nuhr gehört mit jährlich mehr als 200 000 Zuschauern zu den erfolgreichsten Kabarettisten in Deutschland. Mit seinem Programm „Ich bin’s nuhr“ bespielte er etwa eine halbe Million Menschen.

Im Jahr 2004 präsentierte Nuhr erstmals bei Sat.1 einen humorvollen Jahresrückblick. Seit 2006 ist er am Ende jeden Jahres mit einem ähnlichen Programm im ZDF zu sehen. Am 24. Oktober 2008 moderierte Nuhr erstmals den Deutschen Comedypreis. Vom 3. November 2009 an war er mit der vierteiligen Comedy-Reihe „Nuhr so“ an vier Dienstagabenden live im ZDF zu sehen. Mit seinem breiten künstlerischen Spektrum und besonders natürlich mit seinen eigenen TV-Formaten wie „Satire-Gipfel“, „Nuhr ab 18“, „Nuhr ein Jahr“ oder „Nuhr im Ersten“ brilliert der designierte Preisträger mit kreativen Gedanken und hintergründigen Vorträgen. In der Fernsehshow „Mario Barth deckt auf!“ ist Dieter Nuhr seit dem 26. März 2014 regelmäßig als Gast zu sehen, wo er gemeinsam mit Mario Barth Fälle von Steuerverschwendung präsentiert.

Im Mai 2014 erhielt Dieter Nuhr den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache für das Jahr 2014. Die Jury begründete die Preisvergabe mit den Worten: „Dieter Nuhr macht intelligentes Kabarett. Seine Stücke sind wortgewandt, die Pointen treffsicher. Aber er achtet nicht nur sorgfältig auf die sprachliche Qualität dessen, was er sagt: Er bringt seinem Publikum auch Sprachkritik nahe und regt es an, über die Wirkung von Sprache nachzudenken.“ Wer Dieter Nuhr einmal live auf der Bühne erlebt hat, weiß, wie er das Publikum mit seinem geschliffenen Sprachwitz in seinen Bann zieht. Mit seinen gekonnt interpretierten Beobachtungen, treffsicheren Pointen und intelligenten Spitzen vermag er auch heikle Fragestellungen humorig, zum Teil auch sehr ironisch, an sein Publikum zu bringen.

In der Tradition geistreicher Zeitkritiker Ob live, in den Medien oder als Autor: Dieter Nuhr hat sich ein Niveau erarbeitet, mit dem er aus der Spitze der deutschen Kabarettisten und Comedians nicht mehr wegzudenken ist. Seine vielfältigen Auszeichnungen unterstreichen somit immer wieder aufs Neue, dass Komik, Querdenken und Qualität sich nicht widersprechen. Sein Mut, sich mit den Mächtigen der Welt intelligent auseinanderzusetzen und seine Zuhörer durch humorvolle Überhöhungen zu emotionalisieren, stellt ihn in die lange Tradition der fantastischen Abenteuererzähler und geistreichen Zeitkritiker.

Und so meint die Preis-Jury in Bodenwerder: „Dies macht ihn zu einem würdigen Nachfahren im Geiste des ungekrönten Meisters der Fabulierkunst, des Freiherrn von Münchhausen.“

„Ihm ist alles zu verdanken“

Kabarett, Komik, Klartext – was immer er tut, ist von einer gewissen Ruhe geprägt. Hysterie ist ihm fremd. So erzählt Torsten Sträter sicherheitshalber auch nur von Dingen, von denen er etwas versteht. Beim diesjährigen Festakt zur Verleihung des Münchhausenpreises 2016 wird Sträter so wohl recht fundiert von seinem Freund, künstlerischem Förderer und Ziehvater Dieter Nuhr in seiner Laudatio sprechen. Denn, so der 1966 in Dortmund geborene und in Waltrop lebende Comedian-Aufsteiger:

 

„Ihm habe ich quasi alles zu verdanken.“

Torsten Sträter ist eigentlich gelernter Herrenschneider, arbeitete auch zunächst in diesem Beruf, später dann noch zwölf Jahre lang für eine Spedition. Er schrieb in dieser Zeit unter anderem für das Satiremagazin Pardon, verfasste Kurzgeschichten und entwickelte sich zum Poetry Slammer der Spitzenklasse. Mittlerweile ist er auch mit eigenen, stark humoristischen Kolumnen im Kicker-Sportmagazin zu finden. Sträter schreibt zudem Bücher mit Kurzgeschichten. Zu seinen letzten Buch-Veröffentlichungen zählen die Werke „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ (2014) und „Als ich in meinem Alter war“ (2016). Quasi als Spätberufener groß geworden auf Poetry Slams, hat er inzwischen auch als Kabarettist einige Preise gewonnen: So das renom-mierte Scharfrichterbeil in Passau und den Publikumspreis des Prix Pantheon in Bonn. Und der WDR attestiert ihm, dass „Torsten Sträter so liest, wie Bruce Willis aussieht“.

Torsten Sträter ist fest verwurzelt im Ruhrgebiet. Das bewies er am vergangenen Samstag ab 21.45 Uhr auch beim WDR in „Sträters Männerhaushalt“. In der neuen Personality-Show präsentiert der Comedian ein „Pott-Pourri“ und lud die Zuschauer ein, die Welt, NRW und speziell das Ruhrgebiet mit seinen Augen zu sehen. In seiner „Bude“ führte Torsten Sträter „lässige Gespräche mit besonderen Kumpels“: Das waren prominente Studiogäste, die ihre Wurzeln im Revier haben. Zu Gast waren Johann König und Atze Schröder. Und Torsten Sträter hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Das verspricht der Comedian auch den Gästen der Münchhausen-Preisverleihung: Bei Sträter gibt es kein Geplänkel und hohles Zeug. Er lässt hinter die Fassade gucken …

Info: Die bisherigen Preisträger

Der Münchhausen-Preis der Münchhausenstadt Bodenwerder zeichnet Personen mit besonderer Begabung in Darstellungs- und Redekunst, Fantasie und Satire aus. Er wurde im Münchhausen-Jahr 1997 anlässlich des 200. Todestages des historischen Freiherrn Hieronymus von Münchhausen gestiftet und wird seitdem alljährlich in Bodenwerder verliehen. Der Preis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 2556 Euro verbunden. Ursprünglich mit 5000 Mark dotiert, ist der jetzige Betrag Ergebnis der Euro-Umrechnung.

  • 1997 Dieter Hildebrandt, deutscher Kabarettist
  • 1998 Wolfgang Völz, deutscher Schauspieler, Stimme des Käpt’n Blaubär
  • 1999 Werner Schneyder, österreichischer Kabarettist, Satiriker, Journalist, Moderator, Buchautor, Schauspieler und Theaterregisseur
  • 2000 Dr. Norbert Blüm, deutscher Politiker und Rentenexperte
  • 2001 Ephraim Kishon, israelischer Autor, Humorist, Satiriker und Journalist
  • 2002 Evelyn Hamann, deutsche Schauspielerin, Sketch-Partnerin von Loriot in Film und Fernsehen
  • 2003Bruno Jonas, deutscher Kabarettist
  • 2004 Wolfgang Stumph, deutscher Schauspieler, Fernsehkomiker und Kabarettist
  • 2005 Rudi Carrell, deutsch-niederländischer Entertainer
  • 2006 Dr. Günter Willumeit, deutscher Kabarettist, Humorist, Komiker und Entertainer
  • 2007 Tony Marshall, deutscher Sänger, Entertainer und Schauspieler
  • 2008 Jürgen von der Lippe, deutscher Sänger, Entertainer, Fernsehmoderator, Schauspieler und Komiker
  • 2009 Emil Steinberger, schweizerischer Schauspieler und Kabarettist
  • 2010 Dr. Götz Alsmann, deutscher Musiker, Entertainer und Moderator
  • 2011 Dr. Eckart von Hirschhausen, deutscher Kabarettist, Moderator, Schriftsteller und Arzt
  • 2012 Herman van Veen, niederländischer Liedermacher, Poet, Satiriker und Maler
  • 2013 Frank Elstner, Radiomacher, Showmaster, Moderator und Erfinder von Fernsehformaten
  • 2014 Dieter Hallervorden, deutscher Kabarettist, Schauspieler und Komiker
  • 2015 Annette Frier, Komödiantin, Moderatorin und facettenreiche Theaterschauspielerin


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