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Eine Explosion und das Desaster danach

Es ist der Abend des 9. September 2002. Der 1200 Tonnen schwere Güterzug mit der Nummer 51219 ist in Hannover gestartet. Was der Lokführer noch nicht weiß: Er kann nur die Lokomotive und die ersten vier Waggons bremsen, die folgenden 14 nicht. Später wird es heißen: Der Bremsschlauch zwischen dem vierten und fünften Wagen sei unterbrochen gewesen. Der Zug, an den auch der mit 49 400 Litern einer hochgiftigen und krebserregenden Chemikalie gefüllte Kesselwaggon angehängt ist, nimmt Fahrt auf. In Linden-Empelde steht ein Signal auf Rot. Der Lokführer bremst, doch sein Zug rutscht weiter, kommt erst 200 Meter hinter dem Haltsignal zum Stehen – durch eine Zwangsbremsung. Die Staatsanwaltschaft kommt zu dem Schluss, dem Eisenbahner sei der Mangel an der Bremsanlage bekannt gewesen. Durch sein weiteres Tun machte sich der damals 34-Jährige aus Sicht der Ermittler schuldig: Er fährt weiter. In Bad Münder ist die Strecke wegen Bauarbeiten eingleisig. Als der Bahn-Angestellte aus Bad Oeynhausen am Deisterbahnhof abermals vor einem roten Signal bremsen muss, reagiert sein Gefahrgut-Zug wieder nicht rechtzeitig – er prallt frontal mit einem entgegenkommenden Güterzug zusammen. Ein Kesselwaggon fängt Feuer – die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Dem Lokomotivführer wird fahrlässige Körperverletzung in 546 Fällen, fahrlässiger gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr, fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, fahrlässige Gewässerverunreinigung und fahrlässige schwere Gefährdung durch das leichtfertige Freisetzen von Giften vorgeworfen. Weil er Ersttäter ist, kommt der Mann Anfang 2005 mit einem Strafbefehl über eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung davon. Gegen die übrigen Beschuldigten (Lokomotiv-Führer des entgegenkommenden Zuges, Fahrdienstleiterin, Mitarbeiter der Bahn-Notfallzentrale) werden die Verfahren eingestellt.

veröffentlicht am 08.09.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 25.01.2019 um 09:03 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite


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