weather-image
14°
Hamelner Frank Tiessen hat seine jahrelange Ahnenforschung beendet

Eine beeindruckende Chronik

Bei den meisten Leuten hört das Wissen über die Familiengeschichte nach den Urgroßeltern auf. Doch Frank Tiessen präsentiert stolz seinen Familienstammbaum, der bis ins 16. Jahrhundert reicht. Schon vor 35 Jahren hat Tiessen begonnen, seine Ahnen zu erforschen. Jetzt erklärt er dieses Projekt als vollendet.

veröffentlicht am 10.09.2018 um 14:12 Uhr

Frank Tiessen mit einem Buch über die damalige schwedische Königin Christina. foto: eva

Autor:

Eva Henjes
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Das ist meine Bibliothek“, sagt der 86-jährige und zeigt mit seinem Gehstock in ein kleines Zimmer. Die zwei vollgepackten Bücherregale mit umfangreicher Fachliteratur zur Familienforschung fallen gleich ins Auge. Am beeindrucktesten sind aber zwei groß umrahmte Bilder, die den Stammbaum der Tiessen-Familie zeigen. Solche ausführlichen Stammbäume kennt man normalerweise nur von bekannten Adelsfamilien. Acht Jahre lang tägliche Arbeit hat es Tiessen gekostet, diesen Stammbaum zu vervollständigen. „Wenn ich um fünf nach Hause gekommen bin, habe ich mich hingesetzt und gemacht, getan.“

Der immense Zeitaufwand gehört zu den Schattenseiten dieses eindrucksvollen Hobbys. „Ich habe fünf Jahre lang meine Arbeit als Chef vernachlässigt.“ Auch für seine Familie habe der ehemalige Firmeninhaber für Autoteile und Kugellager während der Forschung wenig Zeit gehabt. „Manchmal bedaure ich das doch.“ Aber die Ahnenforschung sei eine zu große Herzensangelegenheit geworden. „Ich wollte das zu Ende bringen.“ Angefangen hat er mit 51 Jahren und ohne jegliche Vorkenntnisse.

Das sei am Anfang die große Schwierigkeit gewesen. Seine Anstrengungen sollten aber trotzdem zu Ergebnissen führen. Diese hat er vier Jahre später in dem Buch „Bartholomäus-Tiessen: 350 Jahre Familientradition“ zusammengefasst, das auch international verkauft wurde. Darin ist eine ausführliche Familienchronik der Tiessen-Familie zu lesen.

Ein altes Dokument, das Tiessen zur Forschung genutzt hat, foto: pr
  • Ein altes Dokument, das Tiessen zur Forschung genutzt hat, foto: pr
Originale Unterschrift von Maerten Thyssen. foto: PR
  • Originale Unterschrift von Maerten Thyssen. foto: PR
Vor 32 Jahren hat die Dewezet schon einmal über das Ahnenforschungsprojekt von Frank Tiessen berichtet. Foto: archiv
  • Vor 32 Jahren hat die Dewezet schon einmal über das Ahnenforschungsprojekt von Frank Tiessen berichtet. Foto: archiv
Diese Aufnahme zeigt Frank Tiessen im Jahr 1987. Ein Teil seines Stammbaumes war schon zu diesem Zeitpunkt fertig. Foto: pr
  • Diese Aufnahme zeigt Frank Tiessen im Jahr 1987. Ein Teil seines Stammbaumes war schon zu diesem Zeitpunkt fertig. Foto: pr
Ein altes Dokument, das Tiessen zur Forschung genutzt hat, foto: pr
Originale Unterschrift von Maerten Thyssen. foto: PR
Vor 32 Jahren hat die Dewezet schon einmal über das Ahnenforschungsprojekt von Frank Tiessen berichtet. Foto: archiv
Diese Aufnahme zeigt Frank Tiessen im Jahr 1987. Ein Teil seines Stammbaumes war schon zu diesem Zeitpunkt fertig. Foto: pr

Schon damals beeindruckte der Stammbaum durch dichte Verästelungen. Detaillierte Informationen über seine Ahnen in Schweden kamen ans Licht. Einen Punkt hinter das Projekt Ahnenforschung wollte Tiessen damals aber nicht setzen. Dies sollte erst geschehen, als er durch beständiges Nachfragen weitere Ahnen in Holland ausfindig machte. Die nötigen Informationen für die holländischen Ahnen hat ein Professor aus Danzig geliefert, mit dem Tiessen in Kontakt war. Die neu entdeckten Ahnen gehen bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück.

Ich habe wahnsinnig viel Geld ausgegeben.

Frank Tiessen, Ahnenforscher

Aus diesem Jahrhundert stammt ein gewisser Maerten Thejssen. Durch den Familienstammbaum seines Nachfahren Frank Tiessen soll er unvergessen bleiben. Thejssen war damals ein Admiral von Rang und Namen aus der holländischen Provinz Seeland. „Ja, man kann sagen, dass auch blaues Blut“ durch die Wurzeln der Tiessen-Familie fließe. Ein Schreiben aus dem Jahr 1644 beweist es. Maerten Thejssen wurde „in den erblichen Adelsstand erhoben“. Nach einigen Mühen hat Frank Tiessen dieses Schreiben ausfindig gemacht. Die damalige schwedische Königin Christina habe es in Auftrag gegeben, erklärt Tiessen stolz.

In Büchern hat er sich über die für ihn „sehr interessante Frau“ vielseitig informiert. „Sie konnte mit Anfang 20 schon sechs Sprachen sprechen.“ Besonders angetan habe es ihr Latein. Daher liegt es nahe, dass sie ihre „Schreiblinge“ damals beauftragte, Texte auf Latein zu verfassen. Davon war auch das Schreiben an Maerten Thejssen betroffen, was sich als Hindernis herausstellte. Zu Zeiten von Königin Christina seien lateinische Abkürzungen verwendet worden, die heute kaum noch jemand kenne. Frank Tiessen selbst konnte das Dokument nicht übersetzen. Er brauchte Hilfe, und die zu finden, war nicht einfach. Nach langer Suche fand er aber eine nebenberufliche Übersetzerin aus Hamburg, die das Schreiben für einen „guten Preis“ übersetzt hat.

1644: Bis in dieses Jahr reichen die originalen Dokumente, die Frank Tiessen während seiner Forschung ausfindig gemacht hat

Ahnenforschung ist nicht nur ein zeitaufwendiges Unterfangen, sondern auch ein sehr teures Hobby. „Ich habe wahnsinnig viel Geld ausgegeben“, erinnert sich Frank Tiessen. Bei dem genauen Betrag zögert er, den solle „man lieber nicht nennen“. Nur soviel: Wer auch überlegt, genealogische Forschungen anzustellen, müsse mit einem fünfstelligen Betrag rechnen. Gerade bei der Rückverfolgung älterer Ahnen kommen als Quelle meist nur Kirchenbücher in Frage. Diese Suche sei mühselig und vor allem teuer.

Wieso kommt man also auf die Idee, so viel Geld und Zeit in ein Projekt wie dieses zu stecken? Bei Frank Tiessen gibt es dafür einen ganz simplen Grund: Er hat in seinem Leben schon viele Krankheiten wegstecken müssen. Seine Mutter ist mit 65 Jahren an einer seltenen Krebserkrankung gestorben. Einen Tumor, den Frank Tiessen auch an sich entdecken musste, hat er besiegt. Danach wollte er unbedingt wissen, welche Krankheiten seine Vorfahren hatten.

„Das war meine erste Motivation.“ Auch wenn es letztlich nicht möglich gewesen sei, die Krankheitsgeschichte zurückzuverfolgen. Das Projekt hat er zu Ende geführt und es ist zu seinem Lebenswerk geworden. „Ich bin mittlerweile 86 Jahre alt“, sagt er und blickt stolz auf den Stammbaum. „Ich bin auch der älteste lebende Tiessen“, bemerkt er. Keiner seiner Vorfahren sei je so alt geworden. Nur 15 Mitglieder der Tiessen-Familie sind noch am Leben, aber alle sind sie in den dichten Ästen des Tiessen-Stammbaumes verzeichnet. Es war eine lange Reise zurück in die Vergangenheit, die die Mühe „wert gewesen„ sei.

Angehende Ahnenforscher warnt Tiessen übrigens neben der Kostenfrage, nicht in einem zu hohen Alter mit der Ahnenforschung anzufangen. Der Zeitaufwand dürfe nicht unterschätzt werden. Frank Tiessen macht seit Jahren die Zen-Meditation, um neben der ganzen Arbeit auch Entspannung zu finden. Für diejenigen, die sich diese Arbeit nicht selbst machen wollen, gibt es auch Familienforschungsunternehmen. Davon rät Tiessen allerdings entschieden ab: „Das muss man schon selbst machen.“ Bei solchen Unternehmen werde viel betrogen und am Ende habe es keinen Zweck.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare