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Ein Volk steht am Grill

Hessisch Oldendorf (cbo). Das kulinarische Sommervergnügen ist längst ganzjährig angesagt und auch immer mehr Frauen stehen mit der Zange am Rost. Inzwischen hat sich eine ganze Industrie entwickelt und macht gutes Geld. Die Grillarena aus Hessisch Oldendorf ist vorne mit dabei und will wachsen.

veröffentlicht am 23.07.2015 um 11:36 Uhr
aktualisiert am 30.07.2015 um 19:08 Uhr

Hessisch Oldendorf (cbo). Das kulinarische Sommervergnügen ist längst ganzjährig angesagt und auch immer mehr Frauen stehen mit der Zange am Rost. Inzwischen hat sich eine ganze Industrie entwickelt und macht gutes Geld. Die Grillarena aus Hessisch Oldendorf ist vorne mit dabei und will wachsen.
Wenn die ersten Sonnenstrahlen sich am Horizont zeigen, beginnt auf deutschen Terrassen und Balkonen wieder die Grillsaison. Dabei ist Grillen längst kein reines Sommervergnügen mehr. „Gegrillt wird immer, das ganze Jahr über“, sagt Martin Prigann, Assistenz der Geschäftsleitung bei der Grillarena in Hessisch Oldendorf. Das merke auch das Unternehmen, denn die saisonalen Schwankungen, denen die geschäftliche Entwicklung früher über das Jahr unterworfen war, gebe es fast nicht mehr. Grillen ist heutzutage auch mehr als Nahrungsmittelzubereitung, es ist vielmehr zu einem Lifestyle geworden. An den Kauf des Grillgeräts schließen sich vielfältige Aftersales an, sprich um den Grill herum ist eine ganze Zubehör-Industrie entstanden, die es für den Kunden ganzjährig möglich macht, Produkte rund um sein Hobby zu erwerben. In diesem Segment ist die Grillarena einer der Marktbereiter. „Der Name ist ein eingetragenes Markenzeichen und wir entwickeln, produzieren und verkaufen eine Vielzahl eigener Produkte aus der Gastechnik, zum Grill-„Tuning“, dem Premiumzubehör und natürlich Gewürze und Rubs, sagt Inhaberin und Geschäftsführerin Sabrina Gebbe.


Der Kunde wird anspruchsvoller. Prigann umschreibt es mit einem Wort: Cocooning, was so viel heißt, wie, dass man es sich zu Hause schön machen will. Der Trendbegriff kommt einem Unternehmen wie der Grillarena entgegen. Übersetzt und auf das Geschäft mit Grillgeräten bezogen, bedeutet es, dass die Leute die Sinnhaftigkeit von hochwertigen Premium-Grillstationen entdeckt haben. „Unsere Kunden wollen keine Baumarktgeräte mehr, sie möchten Grillgeräte, die mehr können, die regelrecht kleine Außenküchen sind und den Stress minimieren und die Lust auf das Grillen damit deutlich vereinfachen und steigern“, sagt Prigann. Auch Frauen nehmen das „Arbeiten“ an diesen Grillstationen vermehrt mit an, erklären Gebbe und Prigann unisono und meinen, dass grillen längst keine Männerbastion mehr sei. Begründen können sie das damit, dass zu ihren Grillseminaren auch immer mehr Frauen kommen und viele Grillenthusiasten aus ganz Deutschland. Letztes Jahr waren es über 1000 Teilnehmer in den Grillschulungen. Diese Kurse rund ums Grillen sind auch der Grund für die derzeitige Erweiterung der Firma im Hessisch Oldendorfer Industriegebiet am Steinbrinksweg.
Im April 2011 hat die Grillarena mit dem Laden und einer Lagerhalle eröffnet. Im Winter desselben Jahres kam ein Bau für die Verwaltung dazu. Zwei Jahre später entstanden die zweite Lagerhalle und aktuell eben die Räumlichkeiten für die Grillschule. „Eine dritte Logistikhalle kommt ebenfalls“, sagt Prigann und gibt einen Ausblick, dass es am Standort weiter vorangeht. Gebbe und Prigann kommen aus der Region und haben Hessisch Oldendorf als Standort gewählt, weil die Stadt eine entspannte Autobahnanbindung biete. Auch die Verwaltung sei immer auf ihrer Seite gewesen.
So entspannt man auch in dem Laden Grillgeräte und Zubehör shoppen kann, ohne Internethandel geht es bei der Grillarena nicht. Damit haben Gebbe und Prigann auch angefangen. Einfach nur „Dropshipping“ war aber nie eine Option für sie. Dropshipping ist für viele Internethändler die gewählte Option. Kennzeichnend ist dabei, dass ein Händler Ware von Lieferanten erwirbt und sie an Kunden weiterverkauft, ohne physischen Kontakt mit den Produkten zu haben. Neben der Einsparung von Lager- und Transportkosten ist meist der Wunsch des Kunden, für bestimmte Produktsparten nur einen Ansprechpartner zu haben, der Grund für ein Streckengeschäft. „Dabei wird jeder Arbeitsschritt aus dem Unternehmen ausgegliedert“, erklärt Prigann. Die Grillarena mache das bewusst anders. Für Gebbe und Prigann funktionieren Laden und Internethandel nur zusammen. Mit diesem Konzept sind sie derzeit der größte Anbieter von Grillgeräten in Deutschland. Auf dem europäischen Markt gehören Österreich, Schweiz und Spanien zu den Schwerpunkten. Zuletzt sei es „entspannt gelungen, die Umsatzkurve zu steigern“, sagt Prigann. Der Jahresumsatz liege „im hohen einstelligen Millionenbereich“.


In den Lagerhallen hat das Unternehmen mit seinen zwölf Mitarbeitern derzeit über 250 verschiedene Grillgeräte, vom Smoker über den Kamado-Grill aus Keramik bis zu eher traditionellen Holzkohle-, Elektro- und Gasgrills. Preislich gehen die Grillgeräte bei dreistelligen Euro-Beträgen los, es kann aber schnell vierstellig werden. Dabei komme es der Grillarena nicht darauf an, einfach einen hochpreisigen Grill zu verkaufen, sondern den Kunden zu beraten und das bestmögliche Gerät für die Bedürfnisse des Kunden auszuwählen – selbst, wenn das ein Downsizing bedeute und weniger Umsatz. Das Lagervolumen habe einen durchschnittlichen Wert von einer Million Euro, was der hohen Warenverfügbarkeit geschuldet sei, so Prigann, und zirka alle vier Wochen wird das Lager einmal komplett umgeschlagen. Und wenn im Herbst die neue Ware ins Lager kommt, sind das schon die Grillgeräte für die kommende Grillsaison. „Wir beobachten die globalen Märkte und die Währungsentwicklung und kaufen oft antizyklisch ein und haben dadurch einen immensen Vorteil vor der Konkurrenz, die oft erst im folgenden Frühjahr die neuesten Geräte hat“, sagt Prigann nicht ohne Stolz. Spezialisierung auf eine kleine und exklusive Produktgruppe bringe im Fall der Grillarena den gewünschten geschäftlichen Erfolg.

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Grillarena-Inhaberin Sabrina Gebbe und Martin Prigann, Assistent der Geschäftsführung und strategisches Management. Foto: Wal


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