weather-image
28°
Was soll das denn kosten?

Ein Tag auf dem Flohmarkt - ein Tag voller Geschichten

Omas altes Porzellan, die erste Gitarre, Spiele, Bücher, Schmuck, Klamotten – bei den Flohmärkten im Weserbergland wechseln viele kleine und größere „Schätzchen“ die Besitzer. Wir haben mal hingeschaut, wer so alles verkauft – und wer zum Stöbern kommt.

veröffentlicht am 25.04.2018 um 07:30 Uhr
aktualisiert am 25.04.2018 um 14:00 Uhr

Maya Köster und Saskia Stiller auf dem Flohmarkt: Der Teddybär fand einen neuen Besitzer – für nur fünf Euro. Foto: nb

Autor:

Natascha Bohl
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bei strahlendem Sonnenschein tummeln sich den ganzen Tag unzählige Besucher auf dem Hamelner Flohmarkt am Weserufer, zwischen „Hotel Stadt Hameln“ und Sumpfblume. Sie bummeln an den Ständen in der „Flohmarktgasse“ entlang, schauen hier, feilschen dort. Es wird geguckt, gestaunt, gefachsimpelt, gestöbert, gekauft – oder auch liegen gelassen.

Auf Ständen aus Tapeziertischen oder auf Decken bieten die Flohmarkt-Beschicker ihre Waren an. Gemächlich schlendern die Besucher von Stand zu Stand, und so manch einer verschafft sich erst mal einen Überblick, um dann bei der zweiten Runde das ins Auge gefasste Handelsgut einzutüten. Natürlich inklusive des Feilschens. Denn das macht den besonderen Charme eines Flohmarkts erst aus. Die meisten Stände sind voll mit Kleidung, aber auch Interessenten von Spielen, Büchern, Porzellan, Spielfiguren, CDs und DVDs werden hier fündig.

Maya Köster und Saskia Stiller sind pünktlich um 12 Uhr zur Stelle. An dem Verkaufsstand der beiden Mädels finden sich Shirts, Tops, Pullover und Kleider, Schmuck und ein großer Teddybär. Die 24-jährige Maya ist zum dritten Mal dabei und will ihre aussortierte Kleidung loswerden, damit wieder Platz für Neues ist. „Eigentlich verkaufe ich nichts über einen Euro“, sagt die Hamelnerin. Die Kasse klingelt – nach anderthalb Stunden hat sie 20 Euro verdient. Ein besonders schön gearbeitetes rotes Kleid geht nach kurzem Handeln für sieben Euro über den Tisch. Gekostet hat es einst 40 Euro, haben wollte sie dafür noch zehn Euro. Eigentlich.

Am Stand von Heike Weidemann und Petra Arlt fallen die bunten Häkeltaschen ins Auge. Viele Damen lassen sich die Taschen zeigen und sind sofort begeistert. Foto: nb
  • Am Stand von Heike Weidemann und Petra Arlt fallen die bunten Häkeltaschen ins Auge. Viele Damen lassen sich die Taschen zeigen und sind sofort begeistert. Foto: nb
Stefan Brendel und Antje Kühnast bummeln über den Flohmarkt und lassen sich einfach treiben. Foto: nb
  • Stefan Brendel und Antje Kühnast bummeln über den Flohmarkt und lassen sich einfach treiben. Foto: nb
Ronja und Grete Werbeck haben auf einer Decke ihre alten Puzzles, Bücher und auch Spielzeug ausgelegt. Sie bieten das erste Mal auf einem Flohmarkt etwas an. Foto: nb
  • Ronja und Grete Werbeck haben auf einer Decke ihre alten Puzzles, Bücher und auch Spielzeug ausgelegt. Sie bieten das erste Mal auf einem Flohmarkt etwas an. Foto: nb

Saskia verkauft zum ersten Mal ihre aussortierten Klamotten auf dem Flohmarkt. Alles, was sich im Keller angesammelt und im Kleiderschrank zu viel war, soll heute eine neue Besitzerin finden. Bei der 23-Jährigen aus Hessisch Oldendorf kosten Jeans zwischen zwei und drei Euro, Tops 50 Cent und Markensachen zwischen drei und vier Euro – pro Stück.

Am Kleiderständer hinter dem Stand von Heike Weidemann und Petra Arlt fallen die bunten Häkeltaschen ins Auge. Viele Damen lassen sich die Taschen zeigen und sind sofort begeistert. „Ich häkele die Taschen selbst“, sagt Heike Weidemann. Normalerweise verkauft sie die bunten Umhängetaschen für 18 Euro, doch auf Flohmärkten bietet sie sie für 15 Euro an. Schon seit 30 Jahren verkauft sie regelmäßig auf Flohmärkten und Basaren abgelegte Kleidung und selbst hergestellte kreative Accessoires. „An guten Tagen gehe ich mit einem Verdienst von 100 bis 150 Euro nach Hause“, erzählt die Emmerthalerin.

Viel los ist auch bei Dirk Golke. „Sonntag haben einfach die meisten Leute Zeit“, sagt der 53-Jährige. Seit 22 Jahren steht der stämmige Hamelner regelmäßig auf dem Flohmarkt. Heute hat er viele Gartengeräte und Werkzeuge, die er an den Mann bringen will. Dirk Golke ist in ständigem Dialog mit seiner Kundschaft – man kennt ihn hier. Über seine Käufer erzählt er launig, dass er seine Waren sogar an Engländer, Schotten und Chinesen verkauft habe. „So mancher hat mir sogar mehr gegeben, als ich dafür haben wollte“, erzählt er beispielsweise über eine Zigarettenschachtel aus Plastik, für die er eigentlich einen Euro haben wollte, aber satte 20 Euro dafür bekommen hat. „Die Leute haben hier einfach Spaß“, sagt Golke. „So mancher bessert sich so seine Rente auf, es entstehen Freundschaften, Flohmarkt ist einfach ein tolles Hobby. Und alle profitieren davon. Der Flohmarkt hier ist Kult.“

Mit langsamen Schritten und Hand in Hand gehen Antje Kühnast und Stefan Brendel die Stände an der Weser ab. Etwas Besonderes suchen die beiden nicht. Antje schaut nach Tüchern und Schmuck, Stefan hält Ausschau nach CDs. Die beiden Rintelner haben Lust, etwas zu unternehmen und mischen sich in der letzten Stunde des Flohmarktes unter die Besucher.

Wer zwischendurch Hunger und Durst bekommt, kann sich bei der Sumpfblume auf die Hand für schmales Geld eine Brat- oder Currywurst oder eine Brezel kaufen. Die Cafés der an der Weser gelegenen Restaurants Me Lounge und Sumpfblume sind bis auf den letzten Platz besetzt.

Die sechsjährige Ronja Werbeck hat mit ihrer Mama zusammen auf einer Decke ihre alten Puzzles, Bücher und auch Spielzeug ausgelegt. „Zum Teil ist Ronja schon zu alt für einige Puzzles und das Spielzeug, und einiges von den Sachen liegt schon ewig bei uns herum“, erzählt die 31-jährige Grete Werbeck aus Hameln. Die beiden nehmen heute zum ersten Mal an dem Flohmarkt an der Sumpfblume teil. Transportiert wurden die Schmuckstücke mit Fahrrad und Anhänger. Mit dabei ist auch Hündin Alice. Vom heutigen Verkauf sucht sich Ronja auch schon etwas Neues aus – eine kleine Puppe, natürlich in Rosa. „Vom restlichen Erlös wird neues Spielzeug gekauft und die Sparbüchse gefüttert“, verrät Grete Werbeck.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare