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Ein Korallenriff mitten in Schaumburg

Einblicke in die Unterwasserwelt eines Korallenriffs, die sonst nur Taucher und Schnorchler in den großen Meeren der Welt bekommen, bietet das Aquarium des 68-jährigen Dieter Rössig. 25 Steinkorallen, die in den unterschiedlichsten Farben schillern, 30 exotische Fische sowie Scheibenanemonen, Krabben, Garnelen, Seeigel, Einsiedlerkrebse und Röhrenwürmer haben in ihm – und damit fernab von den Weltmeeren – ein zuhause gefunden.

veröffentlicht am 10.03.2011 um 16:20 Uhr

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„So etwas findet man in ganz Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nicht. Nicht einmal in einer Zoohandlung“, sagt der Deckberger stolz. Und das ist nicht verwunderlich, denn Dieter Rössigs Aquarium ist das Ergebnis einer Leidenschaft, die schon vor über 40 Jahren begonnen hat, als er zum ersten Mal das Meerwasseraquarium seines Schwagers gesehen hat. „Da wusste ich, dass ich auch so ein Biotop besitzen möchte“, erinnert er sich.

Seither haben sich nicht nur die Kenntnisse des Rentners sondern auch die technischen Möglichkeiten stark weiterentwickelt. „Früher war es schon ein Erfolg, wenn man Steinkorallen in einem Aquarium am Leben halten konnte“, erzählt er. Heute gehe es hingegen vor allem darum, die Farben und das Wachstum zu optimieren. Beides hat Rössig durch viel Ausprobieren erreicht: Seine Korallenarten zeigen ein breites Spektrum intensiver Farben, von dem sich sogar Fachmagazine beeindruckt zeigen, und er hat ihr Wachstum nicht nur optimiert, es ist ihm sogar gelungen, einige Korallenarten zu vermehren. „Mittlerweile fragen mich Korallenfreunde aus ganz Deutschland und sogar Holland nach Ablegern“, berichtet er.

Für sein Hobby benötigt Dieter Rössig jedoch viel mehr Platz, als man beim Anblick des 1,60 Meter breiten Aquariums vermuten würde. Fast die gesamte Waschküche im Keller fiel in den vergangenen Jahren seiner Leidenschaft zum Opfer. „Meine Frau kann hier zwar noch Wäsche aufhängen, aber eigentlich habe ich alles in Beschlag genommen“, gibt er lachend zu.

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Ein Pfauenkaiser dreht, begleitet von verschiedenen Riffbarschen, gemütlich seine Runden in Dieter Rössigs Aquarium. Foto: jaj

In dem Kellerraum befindet sich zum Beispiel die Filteranlage, die stündlich 14 000 Liter Wasser umwälzt und reinigt. In diese Anlage integriert ist unter anderem ein Abschäumer. „Das ist das wichtigste Gerät für alle Meerwasseraquarianer“, erklärt Rössig. Denn der Abschäumer reinigt das Wasser, indem er es verwirbelt und die kleinsten darin befindlichen Teilchen abschäumt und aus dem Wasser entfernt.

Gleichzeitig verursacht die Anlage durch die hohe Pumpleistung eine Strömung im Aquarium und die ist, nach Aussage des Experten, neben Licht und Wasserbeschaffenheit eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Meerwasseraquaristik. „Durch die Strömung erreicht der im Wasser befindliche Sauerstoff auch das Innere der Korallen“, erklärt er. Zudem werde der Sauerstoff durch die Strömung auch bis an den Beckenboden transportiert.

Natürlich hat auch Rössig in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Rückschläge erlitten. „Besonders das Erreichen der optimalen Wasserqualität ist für Anfänger eine Herausforderung“, sagt er. Denn die Werte des Rintelner Leitungswassers stimmen, ganz abgesehen vom Salzgehalt, nicht mit denen überein, die die Bewohner des Deckberger Korallenriffs benötigen. „Unser Leitungswasser enthält zum Beispiel zehn bis 15 Milligramm Nitrat, benötigt werden aber nur 0,5 bis ein Milligramm“, erklärt er. Deshalb hat er eine eigene Osmoseanlage in der Waschküche, in der er das Wasser aufbereitet. Was er erhält, ist vergleichbar mit destilliertem Wasser, „nur besser“. Anschließend fügt Rössig dann genau die Nährstoffe hinzu, die seiner Erfahrung nach ideal sind.

„Salz- und Süßwasseraquarien sind zwei verschiedene Welten“, sagt Rössig abschließend. Deshalb empfiehlt er jedem, der sich dafür interessiert, erst einmal ein Fachbuch zu lesen. Denn es gebe noch viel mehr chemische Zusammenhänge, wie unter anderem das Wechselspiel zwischen Temperatur und Wasserdichte, die ein Meerwasseraquarianer kennen müsse.

Wer sich dazu entschließt, sich der Meerwasseraquaristik zu widmen, müsse allein für die Erstausrüstung ohne Tiere und Pflanzen um die 1000 Euro einkalkulieren. „Meine Empfehlung ist, ein Aquarium zu nutzen, das mindestens 200 Liter fasst“, sagt Rössig. Denn je weniger Wasser die Tiere und Pflanzen zur Verfügung haben, desto mehr wirken sich Schwankungen der Wasserqualität aus. „Und die entstehen alleine durch die Verdunstung des Wassers sehr schnell.“

Meerwasseraquaristik ist mit viel Aufwand verbunden und erfordert eine Menge Durchhaltevermögen. Doch wer einen Blick in Dieter Rössigs Aquarium wirft, wird zustimmen: Es lohnt sich.

Bunte Korallen, zutrauliche Mandarinfische, kleine „Nemos“ und rote Garnelen sind in den verschiedenen Korallenriffen der Welt zu finden – und im Esszimmer des Rintelners Dieter Rössig. Er hat sich in 40 Jahren ein Meerwasseraquarium aufgebaut, das nicht nur Fachleute in seinen Bann zieht.



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