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Wenn Gräber Geschichten erzählen

Ein historisches Kleinod: der Oesdorfer Friedhof

Die Geschichte des Kurortes Bad Pyrmont ist bedeutend und reich an überregionalen Ereignissen. Da kann leicht in Vergessenheit geraten, wie entscheidend doch diese Entwicklung von den Bürgern getragen wird. Dies ist besonders gut ablesbar am Oesdorfer Friedhof, auf dem es Grabstätten vieler namhafter bürgerlicher Familien gibt.

veröffentlicht am 24.11.2018 um 10:00 Uhr

Der Friedhof in Oesdorf ist die letzte Ruhestätte zahlreicher berühmter Pyrmonter und vermittelt den einzigartigen Eindruck einer schönen Parkanlage. Foto: Bernhard Bunzel

Autor:

Dr. Dieter Alfter
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Kein anderer Ort steht für die so ungemein vielgestaltige Historie Bad Pyrmonts. Der Oesdorfer Friedhof und seine gartenkünstlerische Schönheit verdient es, stärker gewürdigt zu werden. Die Grabsteine auf diesem Gelände östlich der St. Petri-Kirche erzählen viel von der Geschichte Oesdorfer und Pyrmonter Bürger.

Wie hat nun alles angefangen? Die Oesdorfer St. Petri Kirche wurde im 12. Jahrhundert, gleich zu Beginn der Gründung der Grafschaft Pyrmont im Jahr 1180, erbaut und ist der Mittelpunkt des selbstständigen Ortes Oesdorf. Es ist ein romanischer Bau ganz nach dem Vorbild der Kilianskirche in Lügde. Damals war es selbstverständlich, dass die Gräber im nördlichen Bereich der Kirche ihren Platz hatten. Mitunter finden sich in den Gärten dieses Geländes noch Zeugnisse von Grabstätten.

Unabhängig von der Vermutung, ob die Kirche im Jahr 1667 einem Brand zum Opfer gefallen ist, bleibt die Tatsache bestehen, dass das Kirchengebäude zusehends baufälliger wurde. Es ist ein Glücksfall, dass der hannoversche Baurat Conrad Wilhelm Hase einen Neubau in romanischer Bauart ab 1880 realisiert – die Kirche, wie wir sie heute noch besuchen.

Der Oesdorfer Friedhof wartet mit vielen schönen Impressionen auf und zieht so seine Besucher immer wieder in seinen Bann. Foto: Bernhard Bunzel
  • Der Oesdorfer Friedhof wartet mit vielen schönen Impressionen auf und zieht so seine Besucher immer wieder in seinen Bann. Foto: Bernhard Bunzel
Impressionen vom Oesdorfer Friedhof. Foto: Bernhard Bunzel
  • Impressionen vom Oesdorfer Friedhof. Foto: Bernhard Bunzel
Impressionen vom Oesdorfer Friedhof. Foto: Bernhard Bunzel
  • Impressionen vom Oesdorfer Friedhof. Foto: Bernhard Bunzel

Zu diesem Zeitpunkt, im späten 19. Jahrhundert, befindet sich der Oesdorfer Friedhof schon nicht mehr in unmittelbarer Nähe zur Kirche. Es ist davon auszugehen, dass um 1700 der Friedhof an seine jetzige Stelle verlegt worden war. Im Jahr 1736, erneut im Jahr 1762, wird das Gelände erheblich erweitert. Wohl auch, weil sich die Einwohnerzahl von Pyrmont durch den großen Zuspruch internationaler Kurgäste erheblich vergrößert hatte. Schließlich war es damals die einzige Begräbnisstätte für die gesamte Niedere Grafschaft Pyrmont. Erst allmählich erhalten die einzelnen Dörfer ihre eigenen Friedhöfe: Hagen 1841, Thal 1844, Holzhausen 1863 und Löwensen 1923.

Der Oesdorfer Friedhof vermittelt den einzigartigen Eindruck eines schönen Parkgeländes. Die hier wiedergegebenen Fotografien von Bernhard Bunzel halten dies eindringlich fest. Die Pflanzenvielfalt, ganz besonders das so unterschiedliche Alter der vielen Baumarten, fügt sich zusammen zu einer künstlerischen Komposition, die wie ein Gemälde die Gräberlandschaft umrahmt. Und die Gräber selbst sind in ihren so unterschiedlichen Ausführungen und Gestaltungen Botschafter für verschiedene Epochen, aber auch für bedeutende Pyrmonter Familien.

Eine der ältesten Grabplatten, links vom westlichen Tor, erinnert an Anna Christina Seip, geborene Nölting und an ihren Tod im Jahr 1746. Diese Grabplatte aus Sandstein, oben mit dem Familienwappen ausgestattet, hält die Erinnerung wach an die Tochter des Kaufmanns Nölting. Sie war aber auch die Gemahlin des berühmten Pyrmonter Brunnenarztes Johann Philipp Seip. Weitere Sandsteinplatten im Bereich der Kapelle dokumentieren die Bedeutung so wichtiger Pyrmonter Familien des 18. Jahrhunderts wie Anna Maria Reisener, Eleonore Henriette Seip oder Johann Christian Hemmerich und Hans Heinrich Niemeyer.

Allein aus diesem Grund ist der Oesdorfer Friedhof einen Besuch wert. Es ist eine Reise in die Vergangenheit Pyrmonts. Das ist nicht anders im 19. oder 20. Jahrhundert. Familiengräber und Grabstätten namhafter bürgerlicher Familien stehen auch für die Stabilität und den Aufschwung in ihrer Heimat.

Entscheidend ist aber die sinnliche Wahrnehmung des Oesdorfer Friedhofs. Die Fotografien von Bernhard Bunzel geben einen vorzüglichen Eindruck von der Vielgestaltigkeit und der Farbenvielfalt der Parklandschaft dieses nach Osten leicht ansteigenden Geländes. Die Gräber sind Teil einer Gesamtkomposition, die den Besucher zu jeder Jahreszeit verzaubert. Das Licht der Sonne setzt auf dem Gelände einzelne Akzente, hohe Bäume werfen große Schatten, die Bepflanzung am Boden sorgt dafür, dass jedes Grab würdig gerahmt wird. Zusammen wirken sie wie ein buntes Mosaik, das die Gräber auch gestalterisch zusammenfasst. Viele Familien und zahlreiche Gartenbaubetriebe Oesdorfs wirken daran mit. Nur so kann etwas Gemeinschaftliches entstehen, das wie im Leben so auch nach dem Tod ein Zusammengehörigkeits-, ja Heimat- und Familiengefühl vermittelt.



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