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Der Bibeldrucker Hans Lufft: Hamelner Druckerei-Museum zeigt eines seiner bedeutenden Werke

Ein Freund des Reformators

Viele Teile Europas standen im Jahr 2017 ganz im Zeichen des Jubiläums „500 Jahre Reformation in Deutschland“. Dass Luthers Ideen, festgehalten in diversen Schriften, recht schnell und für jedermann lesbar verbreitet werden konnten, ist Johannes Gensfleisch zum Gutenberg, so genannt nach seinem elterlichen Hof „Zum Gutenberg“ in Mainz am Rhein, zu verdanken.

veröffentlicht am 16.06.2018 um 13:35 Uhr

Die letzte von Martin Luther selbst korrigierte Fassung der Vollbibel entstand bei Hans Lufft im Jahre 1548. Foto: nls

Autor:

Jürgen Seeger
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Johannes Gutenberg, wie er sich selbst nannte, wurde um 1400 in Mainz geboren. Sein Vater Frile Gensfleisch zur Laden war Patrizier und Angehöriger der Münzerhausgenossenschaft zu Mainz. Das waren diejenigen, die über Gewicht und Feingehalt des Münzmetalls wachten. So kam Gutenberg schon früh mit dem Schmelzen von Metallen in Berührung. Er erfand die bewegliche Letter, den Einzelbuchstaben, dazu ein Gießinstrument, um die Lettern gießen zu können, und eine Druckpresse ganz aus Holz von gewaltigem Ausmaß. Mit geliehenem Geld baute Gutenberg seine Druckwerkstatt auf und begann zu drucken.

Während Gutenbergs erste Druckwerke nicht genau datierbar sind, gibt es für die sogenannte Gutenberg-Bibel genauere Informationen. Die Herstellungszeit dieser 42-zeiligen Bibel dauerte von 1452 bis 1455 und umfasste 1282 Seiten, gebunden in zwei Bänden. Die Auflage betrug geschätzt 180 Exemplare, davon 150 Stück auf Papier und 30 Stück auf Pergament.

Gutenberg stellte für dieses Werk 290 verschiedene Zeichen und Lettern her, davon 47 Groß- und 63 Kleinbuchstaben, 92 Abkürzungszeichen, die sogenannten Abbreviaturen, 83 Ligaturen und 5 Interpunktionszeichen. Er schnitt diese Buchstaben in Stahl, die als Matrizen dienten, um damit Einzelbuchstaben gießen zu können. Für die 42-zeilige Bibel waren es 46 000 Stück. Weltweit sind heute noch 49 vollständige Bibeln erhalten, 13 davon in Deutschland. Gutenbergs Leistung kennzeichnet in hohem Maße die Veränderungen vom Mittelalter zur frühen Neuzeit im 15. Jahrhundert. Ohne Gutenberg wäre unser heutiges Leben mit der Vielfalt seiner Druckerzeugnisse wie etwa Bücher und Tageszeitungen nicht denkbar.

Hans Lufft aus Wittenberg. F: nls
  • Hans Lufft aus Wittenberg. F: nls
Der Stolz des Druckereimuseums: die Bibel aus dem persönlichen Besitz der Familie Lufft. Das Werk aus dem Jahre 1548 wurde dem Museum zur Verfügung gestellt. Foto: nls
  • Der Stolz des Druckereimuseums: die Bibel aus dem persönlichen Besitz der Familie Lufft. Das Werk aus dem Jahre 1548 wurde dem Museum zur Verfügung gestellt. Foto: nls

Gutenbergs Leistung kennzeichnet die Veränderungen vom Mittelalter zur frühen Neuzeit im 15. Jahrhundert

In Deutschland besaßen um 1462 außer Mainz allein Straßburg und Bamberg Buchdruckereien. Jedoch schon bald breitete sich Gutenbergs Erfindung im ganzen deutschen Sprachraum weiter aus. Zuerst nach den Niederlanden und nach Norddeutschland, dann auch weiter nach Süddeutschland. 1468 druckte man in Augsburg, in Lübeck und in Pilsen (Böhmen), 1470 in Nürnberg durch Richard Sensenschmidt und von 1473 bis 1513 durch Anton Koberger, der aufgrund seiner vielen Arbeiten auch „Der König der Buchdrucker“ genannt wurde. Die Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg stand schon sehr früh im Dienste der Reformation. Durch diese Erfindung war es Luther möglich, den Menschen seine theologische Erkenntnis und seine Ideen nahezubringen. Die ungeheure Nachfrage nach den Schriften der Reformation wie auch ihrer Gegner ließ neue Druckereien entstehen.

In der Anfangsphase der Reformation war es der Leipziger Drucker Melchior Lotter, der sich zum wichtigsten Drucker von Martin Luther etablierte. Er brachte 1517 für Luther den Einblattdruck mit den 95 Thesen heraus. Luther drängte ihn immer wieder, mit seiner Druckerei nach Wittenberg umzuziehen. Lotter machte es jedoch nicht, er schickte seinen Sohn Melchior nach Wittenberg, um dort eine Zweigstelle aufzubauen. 1525 wurde Hans Lufft für rund ein halbes Jahrhundert Wittenbergs berühmtester Bibeldrucker. Mehrere Gründe sprachen dafür: Hans Lufft, inzwischen mit Luther befreundet, hatte eine gut eingerichtete Druckerei, er war der Reformation sehr zugetan und war außerdem an einer deutschsprachigen Bibel persönlich sehr interessiert. Sein Vermögen war zunächst gering. 1526 erwarb er das Bürgerrecht in Wittenberg, er kaufte sich zwei Häuser, baute an. Dies brachte ihm große Anerkennung in der Stadt.

Er druckte 1534 die erste Gesamtausgabe der Lutherbibel. Mit 100 000 gedruckten Bibeln und einer Menge verschiedener anderer Werke, die er auch verlegte, gelangte er zu Wohlstand.

In den ersten Jahren seiner Druckertätigkeit in Wittenberg hatte Hans Lufft bei seinen Arbeiten noch kein Druckerzeichen geführt. Wie zu damaliger Zeit bei den Druckern üblich, hatte sich auch Hans Lufft ein Druckerzeichen zugelegt. Es stellt ein Schwert dar, das von zwei Händen gehalten und von zwei Schlangen umringelt wurde, an der Spitze befand sich ein Herz. Zahlreiche Drucke Luffts tragen im Titelblatt oft hervorragend schöne Holzschnittbordüren, viele davon entstammen der künstlerischen Hand der Cranachs, nämlich Vater und Sohn Lucas Cranach der Ältere und Lucas Cranach der Jüngere.

Nach kleinen Anfängen stieg die Leistung der Druckwerkstatt außerordentlich rasch an

Druckerzeichen, häufig als bildliche Darstellungen und Symbole, sollten die Druckschriften als Produkt einer ganz bestimmten Druckwerkstatt ausweisen. Sie galten aber auch als Rechtssymbole, um die Erzeugnisse einer Offizin gegen den damals sehr verbreiteten unrechtmäßigen Nachdruck zu schützen.

Lufft war auch, wie es in der damaligen Entwicklung des Buchgewerbes üblich war, sein eigener Verleger. Seine bedeutenden Druckwerke hat er aber dann im Auftrage von separaten Verlegern hergestellt. Dies waren zuerst Lucas Cranach und Christian Döring. Mit ihnen arbeitete Lufft eng und freundschaftlich über viele Jahre zusammen.

Auf Betreiben und gut Zureden und mit finanzieller Unterstützung von Herzog Albrecht von Preußen gründete Lufft im Jahre 1549 eine Zweigdruckerei in Königsberg. Er erhielt am 29. Mai 1549 das erste für den Buchdruck erlassene Privileg im Herzogtum Preußen. Diese Druckerei betrieb Lufft bis 1553.

Im Jahre 1542 wurde Lufft die Position als Wittenberger Ratsmitglied angetragen. Lufft betätigte sich in den Folgejahren als Kämmerer, Stadtrichter und viele Jahre auch als Bürgermeister der Stadt Wittenberg. In der Druckwerkstatt entstanden neben den Schriften Luthers auch Werke von Melanchthon. Philipp Melanchthon war es, der in Luthers Bibelübersetzung Korrekturen vornahm. Beide schätzten sich sehr und wussten um die Vorzüge und Stärken des anderen. Nach kleinen Anfängen im Jahre 1523 stieg die Leistung der Druckwerkstatt von Lufft außerordentlich rasch an. Sie wuchs zu beachtlicher Größe. Zu diesem Wachstum trugen wesentlich die Einvernahme der Lotter’schen Werkstatt bei sowie die zahlreichen Druckaufträge von Luther.

Die Gesamtausgabe der Luther-Bibel erschien nach der Erstausgabe im Jahre 1534 fast jedes Jahr in korrigierter Fassung. Sogar manche Jahre in mehreren immer wieder korrigierten Fassungen. Die letzte, von Martin Luther selbst korrigierte Fassung der Vollbibel entstand bei Hans Lufft im Jahre 1548. Hans Lufft wirkte bis zu seinem Tode in Wittenberg. Er starb, fast neunzigjährig, am 1. September 1584.

Eine Bibel aus dem persönlichen Besitz der Familie Lufft wurde für das Jubiläum „Zehn Jahre Hamelner Druckerei-Museum“ und für die Museums-Sommernacht 2018 zur Verfügung gestellt. Die Verantwortlichen glauben, dass gerade ein Druckerei-Museum der richtige Ort sein kann, solch ein beeindruckendes Werk zeigen zu dürfen.

Museums-Sommernacht:
Das Druckerei-Museum im Hefehof ist am Samstag, 16. Juni, von 18 bis 23 Uhr geöffnet. Die Bibel, gedruckt von Hans Lufft im Jahre 1548, ist zu bestaunen. Um 20 Uhr wird ein Vortrag angeboten zum Thema „Der Bibeldrucker Hans Lufft aus Wittenberg“.



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