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Von der Herausforderung nach Mehrlingsgeburten – und gleich dreifachem Familienglück

Ein Drilling kommt selten allein

Noah findet es toll, ein Drilling zu sein: „Man hat immer jemanden zum Spielen, es ist nie langweilig und man ist nicht alleine.“ Sehr praktisch veranlagt, der Junge. Sind denn Drillinge auch immer gleich veranlagt? Und haben sie dieselben Interessen?

veröffentlicht am 02.06.2014 um 00:00 Uhr

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Noah und seine Schwestern Anna und Paula wurden sieben Wochen zu früh geboren, waren aber alle gesund. Nach viereinhalb Wochen konnten sie damals alle gemeinsam das Krankenhaus verlassen. Nicht selten kommen die Babys bei Mehrlingsgeburten nacheinander nach Hause, weil eines oder mehrere der Geschwister in der Klinik noch weiter beobachtet oder gar behandelt werden müssen. Schließlich gibt es bei Drillingen kaum Reifgeborene. Fast alle kommen als Frühchen per Kaiserschnitt auf die Welt. Und auch das gehört zur traurigen Wahrheit: Auch trotz medizinischer Versorgung und fürsorglicher Pflege schaffen es leider nicht immer alle.

Bei Mama Nicola ging damals alles gut, und sie hat sich damals sehr gefreut, dass alle drei Kinder auf einmal nach Hause kommen konnten: „Das wollten wir so, auch wenn es anfangs natürlich viel zu tun gab.“ Die Essenszeiten konnten in etwa aus der Klinik übernommen werden. „Einen ungefähren Plan hatten wir also, aber mit drei Neugeborenen auf einmal kann der Tag nicht so einfach durchgeplant werden“, erzählt die Drillingsmutter. Im ersten Lebensjahr konnte Papa Klaus bei seinem Arbeitgeber seine Stunden reduzieren und die Anstellung einer Haushaltshilfe wurde auch genehmigt. „Wir hatten Glück, dass wir so viel Unterstützung hatten. Das ist bei vielen Familien anders. Wir freuen uns, dass wir jetzt anderen Drillingsfamilien mit Rat und Tat zur Seite stehen können“, erzählt Drillingsvater Klaus.

Als Kleinkinder haben Anna, Paula und Noah gemeinsam eine Turngruppe besucht. Mittlerweile gehen die Interessen teilweise in verschiedene Richtungen. Zwar spielen alle drei Kinder ein Instrument, doch beim Sport sind die drei weniger Drillinge als Junge und Mädchen: Anna und Paula gehen zum Reiten und machen Leichtathletik. Noah spielt lieber Fußball und Handball.

Noah, Anna und Paula finden es toll, Drillinge zu sein. aho

In der Grundschule hat das Trio in einer Klasse gesessen. „Alle waren am Anfang erst einmal erstaunt. Unsere Lehrer sagten immer, dass sie Drillinge ja noch nie hatten“, berichtet Paula. „Aber wir sehen ja nicht gleich aus. Deswegen konnten uns alle in der Schule unterscheiden“, sagt Anna. Mittlerweile gehen die heute Zwölfjährigen auf verschiedene Schulen, sind somit auch nicht mehr zusammen in einer Klasse. „Für die Kinder war das ganz normal. Für mich war die Vorstellung, sie zu trennen, anfangs schwierig“, gesteht Mama Nicola. „Sie gehören zwar alle zusammen, aber man muss von dem Gedanken wegkommen, dass sie auch alles zusammen machen. Man muss alle drei einzeln als Individuum sehen.“

In Russland sagt man, Gott solle jeder Familie drei Kinder schenken. Aber was tun, wenn das Glück es nicht abwarten kann und alle drei Kinder auf einmal schickt? Drillingseltern empfinden anfangs neben Glück auch Sorge und Ratlosigkeit. Was hilft, ist der Kontakt zu anderen Familien mit Drillingen. Deshalb hat die Hamelnerin Jana Cuvrk – sie selbst hat sechs Kinder, davon einmal Drillinge – ein Drillingstreffen organisiert. Sie kennt selbst als Mama die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die das plötzliche dreifache Glück mit sich bringen. 25 Familien kamen zum Drillingstreffen nach Groß Berkel, und während die Kinder spielten, nutzten die Eltern die Gelegenheit, sich über das Leben mit Drillingen, über künftige Treffen, gemeinsame Freizeiten und Eltern-Kind-Kuren eifrig auszutauschen. Ein großes Drillingstreffen als buntes Happening. Die Familien kamen vor allem aus dem Großraum Hannover, einige reisten jedoch auch von weiter her an, aus Berlin oder von der Nordsee. Anna, Paula und Noah gehen gerne auf Drillingsveranstaltungen. Hier erleben sie ein Stück ihrer eigenen Normalität, die sie ansonsten im Alltag nicht immer so fühlen können. Denn Drillinge zu sein, ist und bleibt eben doch etwas Besonderes.

Außergewöhnlich ist auch die Rolle von Cyril. Der Zwölfjährige ist der große Bruder von den dreieiigen Drillingsmädchen Lucienne, Felice und Chantelle. Er gibt zu: „Manchmal ist es ein bisschen nervig mit drei kleinen Schwestern. Aber meistens ist es toll, weil wir immer so viel unterwegs sind und zu so schönen Veranstaltungen gehen.“ Cyril ist ein ruhiger Junge und hat sich nach der Geburt der Drillinge auch etwas zurückgezogen, wie Mama Melanie erzählt. Der große Bruder kam zwar nach der Geburt der Drillinge ein bisschen kürzer, hat sich dann aber doch an das neue Leben im Trubel gewöhnt. „Er war schon immer ein ganz stolzer großer Bruder. Er hat damals immer mal wieder die Fläschchen gehalten oder Schnuller eingesammelt. Oft lag er sogar mit den drei Mädchen zusammen im Laufgitter“, erinnert sich Mama Melanie.

Nach ihrer Geburt verbrachten die Drillingsmädchen noch zwölf Wochen im Krankenhaus. Danach konnten alle gemeinsam nach Hause. Lucienne war schon im Bauch die Größte und setzt sich auch heute noch durch. Chantelle musste als Baby öfters operiert werden, ist aber heute die quirligste von den Dreien. Während Felice damals die Kleinste im Bauch war und heute sehr harmoniebedürftig ist. „Wir kuscheln auch gerne zusammen“, flüstert sie schüchtern.

Wenn es einmal zu Streitigkeiten unter den Geschwistern kommt, halten nicht etwa nur die Mädchen zusammen. Meistens schlägt sich Lucienne auf die Seite ihres Bruders Cyril. Dafür halten auf der anderen Seite Felice und Chantelle immer zusammen.

Bei Veranstaltungen wie dem Drillingstreffen will vor der Abfahrt einiges vorbereitet sein, vor allem wenn die Kinder noch kleiner sind. Fläschchen werden vorher portioniert, Windeln verstaut, vor Ort Wickelräume eingenommen und geplante Fütterstrategien umgesetzt. „Aber meistens vergessen wir dann doch immer was“, lacht Chantelle. Papa Dirk lacht mit und erzählt: „Ja, das stimmt. Aber die Ausflüge machen immer Spaß. Auch wenn man im Zoo die Tiere in den Schatten stellt und selbst zur Attraktion wird.“

Drillinge sind für werdende Eltern erst einmal eine große Überraschung – und später eine noch größere Herausforderung. Der Kontakt zu anderen Drillingsfamilien hilft, diese Herausforderung zu meistern. Am Wochenende fand in der Maikuhle in Groß Berkel ein Drillingstreffen statt. Wir waren dabei.



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