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Altes Eisen

Ehemaliges Hamelner Personenschiff MS „Stör“ abgewrackt

HOLZMINDEN. Seit vergangenen Oktober gehört das schöne markante, bei vielen ehemaligen Fahrgästen beliebte Motor-Personenschiff „Stör“ der Vergangenheit an. Im Laufe der über 45 Jahre im Einsatz auf der Oberweser, hatte es viele 10 000 Gäste aus Nah und Fern befördert. Zahlreiche Anwohner der Oberweser erinnern sich sicherlich noch gerne daran.

veröffentlicht am 20.11.2016 um 11:00 Uhr

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Es war das Jahr 1937, als hier in Hameln auf der firmeneigenen Werft der „Oberweser-Personen-Dampfschifffahrt-Gesellschaft“ am Hamelner Hafen der „Stör“ vom Stapel lief. Es war das letzte und größte von 3 Motor-Personen-Schiffen (MS-Hecht 1934, MS Stint 1935), das jemals in Hameln, unter Planung und Leitung des Werftleiters Dr. Ing. Hans Meyer-Hermann gebaut wurde. Danach fertigte man hier nur noch Frachtschiffe bis 1000 BRT, in der Hauptsache für den Rhein.

Der „Stör“ hatte eine Länge von 39,05 Metern, war 5,25 Meter breit und hatte einen Tiefgang im beladenen Zustand von 0,80 Meter. Angetrieben mit zwei Dieselmotoren der Firma Henschel (Gesamtleistung von 240 PS), einzigartig für ein Personenschiff auf der Weser. Zugelassen war das Schiff für 500 Personen.

Die Flotte der OWPD war nun im Jahr 1937 mit dem „Stör“ auf der Oberweser mit zehn Personenschiffen, fünf Dampf- und fünf Motorschiffen, vertreten. Unterwegs waren sie hauptsächlich zwischen Hameln und Hann. Münden.

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Auf dieser Treppe gelangte man in den unteren Teil des Schiffes. Foto: pr

Während des Zweiten Weltkrieges wurden zwei Dampfschiffe (der „Graf Moltke“ auf die Weichsel, der „Kaiser-Friedrich“ zum Dnjepr) abkommandiert, um dort Transportaufgaben zu übernehmen. Sie haben ihren Heimathafen Hameln und die Weser nie wiedergesehen.

Nach 1945 war der „Stör“ eines der ersten Personenschiffe, welches die Genehmigung der „Alliierten Kontrollbehörde“, den „Provisorischen Fahrerlaubnisschein“ Nr. 9248 , für den Interzonenverkehr bekam und somit die Weser wieder befahren durfte. Zu diesem Zeitpunkt war das Schiff oftmals mit Fahrgästen überladen, aber durch die hohe Personenkapazität für viele Menschen eine willkommene Transportmöglichkeit.

Als sich in den 50er-Jahren die Lage etwas beruhigt hatte und der Tourismus von Jahr zu Jahr zunahm, war der „Stör“ ein beliebtes Bewegungsmittel für Ausflügler und Urlaubsgäste, die die Sehenswürdigkeiten der Oberweser bereisen wollten.

Für die Kapitäne des Störs (zuerst Julius Siegmann, später für viele Jahre Otto Grohne), war es immer eine große Genugtuung, wenn das Schiff voll besetzt war, die Gäste sich wohlfühlten, dazu gehörte auch eine gute Restauration an Bord.

1983 wurde der „Stör“ ausgemustert und sollte verschrottet werden. Da kam aus Holzminden der Plan, das Schiff zu erhalten, auf Land zu legen und ein Tourismus-Museum einzurichten. Mit viel Aufwand und Einsatz hatte man 1985 die Idee verwirklicht und ihn in Holzminden an Land gehievt. Leider flaute in den folgenden Jahren das Interesse eines Museumsbesuches ab und so wurde das eigentlich gute Vorhaben eingestellt. Danach versuchte ein Künstler dort Ausstellungen einzurichten, was aber auch nicht mit Erfolg gekrönt wurde.

Es vergingen einige Jahre und der „Stör“ rostete und gammelte vor sich hin. Ideen, es wieder zu Wasser zu lassen oder nach Magdeburg zu verkaufen (eine Anfrage lag vor), scheiterten. So kam man in Holzminden letztendlich zu dem Entschluss, das Schiff auseinander zu schweißen und verschrotten zu lassen. Das ist nun im Oktober dieses Jahres ohne große Beachtung der Öffentlichkeit geschehen.

So endete ein Stück Schifffahrtsgeschichte an der Weser. Für etliche Weserfreunde bleibt nur die Erinnerung schöner Stunden mit Freude, guter Laune und reizvoller Natur an Bord des Hamelner MS „Stör“ erlebt zu haben.


Weitere Informationen findet man im Internet unter www.MSStör-Holzminden.de

Viele historische Bilder zur Dampfschifffahrt auf der Weser gibt es online in der Dewezet-Zeitreise.



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