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Zu Herzen gehende Geschichte zwischen Orient und Okzident kommt im Dezember auch nach Hameln

Dieser „Medicus“ lässt niemanden kalt

Harald Wanger, Chef des HMT, ist zufrieden. „Mit bereits 8500 verkauften Karten plus Reservierungen sind wir zuversichtlich, dass die 80- bis 90-prozentige Auslastung der insgesamt 30 Aufführungen im Hamelner Theater erreicht wird.“ Nach dem großen Erfolg mit „Die Päpstin“ dürfen sich die Hamelner ab dem 14.12. auf „Der Medicus“ nach dem Weltbestseller des US-Autors Noah Gordon freuen. Ein Besuch der Aufführung im Schlosstheater Fulda hat gezeigt, dass ausgiebige Vorfreude absolut berechtigt ist.

veröffentlicht am 11.08.2018 um 13:30 Uhr

„Der Medicus“ ist eine gelungene Mischung aus schwungvoll mitreißender Farbigkeit, in der vor allem die atemberaubende Dance-Companie ihren Anteil ebenso hat wie ein fantastisches Bühnenbild und eine höchst originelle, dramaturgisch aber nicht überst
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Ernst August Wolf Reporter
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Das wunderschön plüschige Theater am Schlosspark mit seinen über 600 Plätzen ist bei der Mittwochnachmittag-Aufführung restlos ausverkauft. Und was die teils von weit her aus dem Hessenland angereisten, überwiegend weiblichen Besucher in den Bann schlägt, ist eine an Farbenpracht, schauspielerischer Intensität und Emotionalität kaum zu überbietende Inszenierung. Kein Zweifel, „Der Medicus“ ist ein Musical, das in seiner überarbeiteten Form Kassenschlagerqualitäten hat. Nach „Die Päpstin“ ist dem Team um Produzenten Peter Scholz und dem Komponisten Dennis Martin mit „Der Medicus“ erneut eine spektakuläre Musical-Inszenierung gelungen.

Die Geschichte: Der junge Engländer Rob Cole, der im London des frühen Mittelalters aufwächst, will die Geheimnisse der Medizin erlernen. In der abendländischen Welt ist dieses Wissen aber nicht verfügbar und so begibt sich Rob auf die gefährliche Reise ins persische Isfahan, um dort bei Ibn Sina, dem größten Mediziner seiner Zeit zu studieren. Da ihm das als Christ aber versagt ist, gibt er sich als Jude aus und riskiert sein Leben. Hochdramatisch auch die Begegnung mit der Liebe seines Lebens, mit der er am Ende freilich zu sich selbst finden kann.

Ein Märchen zwischen Orient und Okzident? „Der Medicus“ mag märchenhafte Elemente haben, ist aber auch ein aufrüttelnder Bericht einer äußeren und inneren Reise im Spannungsfeld verschiedener Kulturen. „Das zeigt, wie Koexistenz funktionieren kann“, sagt Produzent Peter Scholz.

Foto: eaw
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Reinhard Brussmann verkörpert die Figur Ibn Sina. Foto: eaw
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Reinhard Brussmann verkörpert die Figur Ibn Sina. Foto: eaw
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Der von Reinhard Brussmann exzellent verkörperte Ibn Sina ist eine historisch verbürgte Figur, sein Medizin-Lehrwerk heute in der arabischen Welt jedem bekannt. „Bei uns im Westen aber“, bedauert Scholz, „kennt das keiner. Wir haben das schlicht ignoriert.“ Der weltbekannte Mediziner und Neurochirurg Prof. Madjid Samii aus Hannover hat dann auch die Schirmherrschaft über den „Medicus“ übernommen.

„Es ist das Gesamtpaket, das überzeugt. Wir sind heute schon das zweite Mal in der Aufführung“, erzählt ein Theaterbesucher in breitestem Hessisch zur Pause. Und auch ein Ehepaar, das extra aus Darmstadt angereist ist, ist begeistert. Nicht zuletzt von den Hauptdarstellern wie Friedrich Rau, der die Hauptfigur des Rob Cole spielt, und dem Tenor Reinhard Brussmann in der Rolle des Ibn Sina. „Ich freue mich sehr auf Hameln“, sagt der mit einer sonoren Stimme, die etwas an Elmar Gunsch erinnert. „Das Wichtigste für mich ist es, die intensiven Emotionen des Stückes rüberzubringen.“ Und das gelingt ihm und dem gesamten Ensemble glänzend.

„Die Story hat alles, was ein gutes, dramatisches Musical braucht und der Stoff bietet mir viele neue Möglichkeiten zur musikalischen Umsetzung“, sagt der Komponist Dennis Martin. Schon der Auftaktsong „Die Zeiten sind hart“ geht in seiner herausragenden Abstimmung von Gesang und Choreographie unter die Haut, die musikalische Umsetzung der Pestkatastrophe gelingt mit schicksalhafter Düsternis ebenso eindrucksvoll. Mal heiter wie im Duett „Ein Arzt in der Familie“, mal hochdramatisch wie in „Nimm die Last von meinen Schultern“. Zu Tränen rührend auch das Finale „Es fühlt sich nach Heimat an“. Zurück in Schottland hat Rob seine Liebe und endlich ein Zuhause gefunden.

„Das ist wichtig für die Menschen heute“, stellt Peter Scholz fest. „Heimat ist ja wieder ein diskutierter Begriff geworden. Der Mensch will und braucht ein Zuhause. Innere und äußere Suche nach Erdung, nach Heimat und Frieden, und das alles in einer großen farbigen Geschichte.“

Das Musical zeigt, dass Menschen Regeln brauchen. „Sonst ist Integration und ein Zusammenleben nicht möglich“, erklärt der Produzent. „Die eigene Freiheit endet da, wo die des anderen eingeschränkt wird“, zitiert Scholz den ehemaligen Oberbürgermeister von Fulda.

Der „Medicus“ bietet keine einfachen, appellartigen oder gar moralisierenden Antworten, sondern lässt erfreulicherweise vieles offen. Er ist keine modernisierte Ringparabel, sondern eine gelungene Mischung aus schwungvoll mitreißender Farbigkeit, in der vor allem die atemberaubende Dance-Companie ihren Anteil ebenso hat wie ein fantastisches Bühnenbild und eine höchst originelle, dramaturgisch aber nicht überstrapazierte Bühnentechnik.

So gelingen Szenen von höchster emotionaler Intensität, die anrühren und zu Herzen gehen. Kurz: ein starkes Musical-Erlebnis, das keinen kalt lässt.

Die Vorfreude der Akteure auf das Hamelner Theater ist deutlich zu spüren. „Dort ist man offen und pragmatisch“, lobt Scholz. „In mittleren Städten funktioniert das besser als in Großstädten, wo die Regeln andere sind“, weiß der 42-Jährige.

In Hameln wird auch die neunjährige Uljana Yasenovskaya von der Rosa-Parks-Schule aus Hannover-Vahrenwald mit dabei sein. Sie ist für die Rolle der Schwester gecastet worden. „Theatererfahrung habe ich aus der Schule und im Aegi habe ich schon mal bei Cinderalla mitgespielt“, sagt sie.

Harald Wanger freut sich derweil, dass es gelungen ist, das Erfolgsmuscial nach Hameln zu holen. „Das ist wieder eine große Chance für die Wirtschaftskraft der Stadt. Wir hoffen auf viele Touristen, die das Gesamtpaket buchen, hier einkaufen, übernachten und unseren Weihnachtsmarkt besuchen.“

Das vor allem Friedrich Rau als Rob Cole und Reinhard Brussmann die Herzen der Damenwelt im Sturm erobern werden, daran darf nach einem Besuch der Aufführung in Fulda nicht gezweifelt werden.



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