weather-image
Im weißenTrikot

Diese Hamelner haben in der Fußballnationalmannschaft gespielt

WM-Fieber: Ungezählte Augenpaare richten sich in dieser Woche auf die Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Am Mittwoch geht es bei der Weltmeisterschaft in Russland um den Einzug ins Achtelfinale. Wir nehmen das zum Anlass, einen Blick in die wechselhafte Geschichte der deutschen Auswahl zu werfen. Und siehe da: Auch wenn Hameln nie zu den Fußballmetropolen zählte, Spuren in der Länderspielhistorie, hat die Stadt doch hinterlassen.

veröffentlicht am 26.06.2018 um 12:03 Uhr

270_0008_8153971_hin112_Trikot
von Klaus Frye und Frank Henke



Der Fast-Weltmeister
Bernhard Termath wurde 1928 in Essen geboren. Im Zuge der „Schulverschickung“ im Zweiten Weltkrieg kam „Berni“ jedoch nach Hameln und lernte das Kicken bei den Preußen und absolvierte eine kaufmännische Lehre. 1949 wechselte er zurück nach Essen – zu Rot-Weiss in die Oberliga West. Mit RWE gewann er an der Seite des legendären WM-Torschützen von 1954, Helmut Rahn, 1952 die Westdeutsche Meisterschaft, drei Jahre später sogar die Deutsche Meisterschaft. Termath brachte es zu sieben Länderspielen mit fünf Toren. Bei der WM 1954 gab Trainer Sepp Herberger jedoch Hans Schäfer als Linksaußen den Vorzug. Sein Debüt gab Berni Termath bei einem 2:0-Sieg gegen die Türkei 1951 in Istanbul. Sein letztes Spiel 1954 – nach der WM – in Hannover. Bei dieser 1:3-Pleite gegen Frankreich verletzte sich Termath. Als Ersatz kam ein gewisser Uwe Seeler zu seinem ersten Länderspieleinsatz. Termath wechselte 1955 zum Karlsruher SC, wo er noch fünf Jahre lang kickte. Die Karlsruher hatten ihn mit der Übernahme einer Tankstelle gelockt … Der einstige Publikumsliebling behielt gute Verbindungen nach Hameln. Er starb 2004.


Berni Termath im Trikot von Rot-Weiss Essen.  Foto: Archiv




Der Bank-Europameister
Jens Todt: Am 5. Januar 1970 wurde er in Hameln geboren. Dies blieb jedoch der einzige Bezug zur Rattenfängerstadt in der Vita des defensiven Mittelfeldspielers und späteren Fußballfunktionärs. Todt wuchs in Nienburg auf, wo er beim ASC das Kicken begann. Nächste Station war – nicht fern vom Weserbergland – der TSV Havelse. Später – nun wieder an der Weser – schaffte es Todt als Spieler von Werder Bremen in die Nationalmannschaft. 1994 und 1995 kam er zu drei Einsätzen. Als 1996 zum Finale der Europameisterschaft der deutsche Kader durch Verletzungen und Sperren erheblich ausgedünnt war, wurde Todt von Bundestrainer Berti Vogts nachnominiert und für das Endspiel eingeflogen. Zum Einsatz kam er beim Titelgewinn nicht, gleichwohl erhielt auch er als Belohnung das Silberne Lorbeerblatt vom Bundespräsidenten.



Jens Todt kam zu drei Einsätzen als Nationalspieler. Foto: dpa


Der Wunderstürmer

Ernst Willimowski: „Ezi“, wie er in Fußballerkreisen genannt wurde, gab in der Saison 1946/47 ein kurzes Gastspiel bei Hameln 07, blickte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits auf eine einzigartige Laufbahn zurück: Der „Wunderstürmer“ spielte und traf für die polnische wie für die deutsche Nationalmannschaft. Geboren 1916 in Kattowitz, wurde er 1922 polnischer Staatsangehöriger. Er startete seine Karriere mit 17 Jahren bei Ruch Wielkie Hajduki (Bismarckhütte) als Ernest Wilimowski. 22-mal lief er für Polen auf, 21-mal traf er. Der Höhepunkt seiner internationalen Karriere: Bei der Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich unterliegt Polen Brasilien erst in der Verlängerung mit 5:6 – Wilimowski glänzt als vierfacher Torschütze. Nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf das Nachbarland wurde der Oberschlesier 1940 wieder Deutscher und nannte sich fortan Ernst Willimowski. Er wurde mit 1860 München Deutscher Pokalsieger und hatte unter dem damaligen Reichstrainer Sepp Herberger noch acht Einsätze mit dem Hakenkreuz auf der Brust – er erzielte sagenhafte 13 Tore für das deutsche Team. Der Mann mit den elf Zehen – sechs am linken Fuß – galt als Schlitzohr erster Güte, ein Spezialist darin, aus keiner Chance ein Tor zu machen, aber auch als Filou und Wandervogel. Seine Vereine: Bismarckhütte, 1. FC Kattowitz, Polizei Chemnitz, 1860 München, Karlsruher FV, SG Chemnitz-West, Hameln 07, TSV Detmold, BC Augsburg, FV Offenburg, Singen 04. Zum Ende seiner Karriere wurde er sesshaft und spielte noch vier Jahre beim VfR Kaiserslautern in der damaligen Oberliga Südwest. Er starb 1997 in Karlsruhe.




Achtelfinale der WM 1938: Polen verliert erst in der Verlängerung mit 5:6 gegen Brasilien. Ernest Wilimowski (Mitte) erzielt vier Tore. Foto: Archiv



1942: Ernst Willimowski – jetzt in dieser Schreibweise – im deutschen Nationaltrikot auf einem Titelbild.

Foto: Archiv



Der Hamelner Junge
Ludwig „Eugen“ Pöhler: Ein echter Hamelner Junge. Geboren 1916 in der Weserstadt, begann „Eugen“ bei Saxonia das Fußballspielen. 1936 wechselte er zu Hannover 96 und wurde mit den „Roten“ 1938 sogar Deutscher Meister. Sein einziges Länderspiel bestritt Pöhler im selben Jahr, am 26. März 1938, gegen Luxemburg: eine 1:2-Blamage in Differdingen, die einzige Niederlage, die Deutschlands Nationalmannschaft je gegen Luxemburg kassierte. 1947 wechselte der stets braun gebrannte Pöhler wegen Querelen bei 96 zurück nach Hameln – nur um zwei Jahre später nach Hannover zurückzukehren. Dort war er übrigens in der Saison 1949/50 mit 320

D-Mark Grundgehalt und 135 D-Mark Zulagen der bestbezahlte Spieler. Pöhler ließ seine Karriere ab der Spielzeit 1952/53 bei Preußen Hameln ausklingen. Er starb 1975.





Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1938 in Berlin: Pöhler (vorne li.) setzte sich mit 96 gegen Schalke durch. Fotos: Archiv

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Kommentare

Kontakt

Redaktion
E-Mail: redaktion@dewezet.de
Telefon: 05151 - 200 420/432
Anzeigen
Anzeigen (Online): Online-Service-Center
Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
Abo-Service
Abo-Service (Online): Online-Service-Center
Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
X
Kontakt