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In der Tierwelt gibt es zahlreiche Kuriositäten rund um Größe und Anzahl

Die Sache mit dem Ei

Hühnerküken haben schon im Ei ein Problem: Zum Atmen brauchen sie Sauerstoff, aber den gibt es im Ei nur in sehr begrenztem Maße. Ganze sechs Liter atmet so ein Hühnerküken noch im Ei durchschnittlich weg, bevor es schlüpft, die Eischale durchbricht und frische Luft schnuppert. Auf der anderen Seite aber fallen auch Abfallstoffe an, ganze 4,5 Liter Kohlendioxid etwa, die beim besten Willen im Ei beim Küken nichts zu suchen haben. Aber wohin damit? Die Lösung dieser Probleme hat die Eierschale parat: Unzählige winzig kleiner Poren ermöglichen einen reibungslosen Austausch. Sauerstoff kann durch diese Poren in der Schale nach innen ins Ei hinein gelangen und das Kohlendioxid hinaus.

veröffentlicht am 30.03.2013 um 00:00 Uhr

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Autor:

Christian Satorius

Nach etwa drei Wochen geht’s dann endlich raus zu Mama und Papa – zumindest dann, wenn diese zu den ordinären Haushühnern zählen, die Verwandtschaft brütet teilweise um einiges länger. Beim Albatross zum Beispiel kann die Brüterei durchaus 70 Tage und mehr in Anspruch nehmen, noch besser kann es der kleine Kiwi, der manchmal auch nach 90 Tagen noch auf seinen Eiern sitzt. Überhaupt hat es der kleine neuseeländische Vogel ganz schön in sich und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Er legt im Verhältnis zu seiner Körpergröße das größte Ei in der Vogelwelt. Ein nur 1,6 Kilogramm leichter Streifenkiwi bringt es auf Eier mit 500 Gramm Gewicht. Das ist immerhin ein Drittel des gesamten Körpergewichts des Vögelchens – sicherlich eine beachtliche Leistung. Der Vogel Strauß, der die größten Eier aller Vögel legt, schafft allerdings nur ein bis maximal zwei Prozent seines Gewichts pro Ei. Dennoch ist das Ergebnis mit durchschnittlich rund 15 Zentimetern Durchmesser und bis zu 1,9 Kilogramm natürlich beeindruckend. Noch größere Eier, fast in Basketballgröße, sind nur noch von Dinosauriern bekannt.

Geradezu mickrig nehmen sich dazu im Vergleich die nicht einmal einen einzigen Zentimeter kleinen Eier des Zwergkolibris aus, die kleinsten der Vogelwelt. Das können sogar einige Insekten besser, wenn auch nicht alle so gut wie die Riesengespenstschrecke Heteropteryx dilatata mit den bis zu 1,3 Zentimetern größten Eiern aller Insekten. Viele Tiere verfahren beim Eierlegen nach dem Motto: Viel hilft viel. So kann ein Einsiedlerkrebs durchaus 30 000 Eier legen, Miesmuscheln kommen gar auf über zehn Millionen.

Dass die nicht mal so eben schnell im Vorbeigehen produziert und gelegt sind, dürfte klar sein, für die Tiere sind derartige Mengen mit hohem Energieaufwand verbunden. Eine Termitenkönigin legt Zehntausende Eier – am Tag. Dafür wird sie aber auch schnell mal 14 Zentimeter groß, riesig, im Vergleich zur nur 5 Millimeter kleinen Arbeiterin. So könnte man nun meinen, dass die meisten Eier im Tierreich sicherlich auch ein Insekt legt, aber weit gefehlt: Ein Fisch kann es laut Guinessbuch der Rekorde noch viel besser. In einem 1,37 Meter langen Mondfisch sind 300 Millionen Eier gefunden worden, eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass diese Tiere bis zu drei Meter lang werden können. Möglichst viele Eier zu legen, hat natürlich ganz klar den Vorteil, dass so die Chancen steigen, dass wenigstens ein paar Nachkommen überleben. So wünschenswert es auf den ersten Blick zumindest für die Elterntiere erscheinen mag, dass die gesamte Brut durchkommt, so schädlich wäre das aber auch für die Umwelt. So haben Wissenschaftler errechnet, dass ein einziges Weibchen der Mehligen Kohlblattlaus in nur einem Jahr für 822 Millionen Tonnen Nachkommenschaft sorgen könnte, wenn die gesamte Brut überlebte – das ist immerhin das dreifache Gewicht der gesamten menschlichen Weltbevölkerung.

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  • Kleiner Vogel, große Eier: Der neuseeländische Kiwi.
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  • Legt die größten Eier aller Vögel: der Vogel Strauß.

Bei der Viel-hilft-viel-Methode sind die Verluste also erheblich. Eine andere evolutionäre Strategie geht deshalb den entgegengesetzten Weg, frei nach dem Motto: Weniger ist mehr. Diese Tiere legen lieber einige wenige Eier, bewachen diese dann gut und umsorgen sie. So werden viele Vogeleier hervorragend durch Tarnfarben geschützt, während Reptilien ihr Gelege auch gerne mal vergraben. Den Brutplätzen kommt dabei eine große Bedeutung zu. Während einige wie die Feenseeschwalben gar keine Nester bauen und die Eier einfach auf Astgabeln oder Felsvorsprüngen ablegen, übertreiben andere es vielleicht ein ganz klein wenig, wie der nur 10 Gramm leichte Zaunkönig, der es auf immerhin durchschnittlich 25 Nester gleichzeitig bringt. Mit 25 Weibchen wäre der Gute aber dann wohl doch etwas überfordert und so bietet er seiner Herzensdame lediglich eine große Auswahl von Alternativen an, damit sie sich das schönste Nest aussuchen kann.

Die größten Nester, oder besser gesagt: Bruthügel, legt übrigens das australische Großfußhuhn an, beachtliche 10 Meter lang und 4,5 Meter hoch. Das vielleicht merkwürdigste Baumaterial hingegen haben wohl Störche zusammengetragen, deren Nest 1909 vom Colmarer Dom entfernt wurde, da sich unter seinem Gewicht der Kirchturm zu neigen begann. Das immerhin 600 Kilogramm schwere Nest bestand unter anderem aus 17 Damenstrümpfen, fünf Fellmützen, drei alten Schuhen, dem Ärmel einer weißen Seidenbluse und vier Uniformknöpfen.

Ostern dreht sich vieles um Eier: Aber welches Tier legt denn nun eigentlich die meisten Eier und wer baut das merkwürdigste Nest? Die Tierwelt liefert allerlei Beeindruckendes – und das nicht nur zu Ostern.

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