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Es gibt inzwischen in fast allen Städten Automaten, aus denen man kostenfrei Entsorgungstütchen ziehen kann

Die Notdurft unterbinden

Wer einmal einen Blick dafür bekommen hat, sieht die Spuren überall – an Laternenpfählen und Straßenbänken, an den Papierkörben, Mülltonnen und Blumenrabatten, an Häuserecken, den Bäumchen in der Stadt, an den Bushaltestellenhäuschen, parkenden Autos und den Blumen, die vor Haustüren wachsen: Die noch feuchten oder bereits angetrockneten Pfützen von Hunde-Urin. Das ist schon ein bisschen ekelig. Aber was sollen Hundebesitzer tun? Die Tiere müssen nun mal pinkeln, und daran kann man sie nicht hindern. Oder?
Tatsache ist: Während Menschen eine Ordnungswidrigkeit begehen, wenn sie in der Öffentlichkeit urinieren, besteht in Bezug auf Hunde keine direkte Regelung. Solange sie sich nicht auf Kinderspielplätzen bewegen oder an anderen Orten, wo ihnen der Zutritt untersagt ist, dürfen sie prinzipiell urinieren, wie sie wollen und müssen.

veröffentlicht am 17.01.2017 um 10:37 Uhr

Wer möchte schon in Hundehäufchen treten? Innerhalb von Wohngebieten dürfen sie nirgends liegengelassen werden – die Entsorgung per Tüte gilt als praktische Lösung. Foto: DPA
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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Andererseits ist es auch den meisten Hundebesitzern nicht gerade angenehm, wenn ihr Hund im Straßengebiet pinkelt. Schon gar nicht, wenn sie dabei gesehen werden. Fast überall in den Innenstädten herrscht ja Leinenzwang, und es gibt kein schönes Bild ab, wenn man so neben seinem Hund herumstehen und abwarten muss, bis mitten auf der Straße eine dicke Pfütze entstanden ist oder die Autoreifen in der Nachbarschaft angepinkelt wurden.

Was die Hundehäufchen betrifft, so ist da die Sache einigermaßen klar geregelt. Innerhalb von Wohngebieten dürfen Häufchen nirgends hinterlassen werden, auch nicht in öffentlichen Parks, nicht auf Grünstreifen, ja nicht mal am Rand eines Weges, der von Dorf zu Dorf führt. „Viele wissen es nicht, aber Hundekot muss auch dann sofort entfernt werden, wenn er nicht direkt auf der Straße liegt“, so Michael Meineker von der Stadt Hameln. Das verlangt die niedersächsische Verordnung zur allgemeinen Gefahrenabwehr. Jeder, der einen Hund ausführt, muss Plastikbeutel dabei haben, mit denen er den Kot aufsammeln und im nächsten Mülleimer entsorgen kann.

Die einen tun es, und die anderen tun es nicht. Ein kleiner Erkundungs-Spaziergang durch den Rintelner „Blumenwall“ ergab eine Anzahl von sechzehn Hundehäufchen direkt neben den kleinen Wegen des Parks. Die Fußgängerzone selbst ist zwar kaum von solchen Hinterlassenschaften betroffen, doch kein Nebengässchen, in dem nicht immer wieder Hundehaufen liegen. Dabei gibt es inzwischen in fast allen Städten Automaten (in Hameln und seinen Ortsteilen insgesamt 27 Stück), aus denen man kostenfrei Entsorgungstütchen ziehen kann, auch die Bürgerbüros geben solche Tüten aus, und natürlich bekommt man sie überall dort, wo man auch Hundefutter kaufen kann. Trotzdem sperren sich manche Hundebesitzer gegen die Verantwortung, die Verdauungsgänge ihres Hundes so zu handhaben, dass andere nicht belästigt werden. Als könnten sie ja nichts dafür, dass der Hund nun mal seine Bedürfnisse hat.

Können sie denn was dafür? Wer selbst keinen Hund besitzt, kann sich schon fragen, wie man die Tiere in dieser Beziehung eigentlich diszipliniert? Irgendwo müssen sie ja hinmachen. Und dass man sich davor drücken will, so ein matschiges, stinkendes Häufchen immer und überall selbst aufzusammeln, es ist nicht ganz unnachvollziehbar.

Viele wissen es nicht, aber Hundekot muss auch dann sofort entfernt werden, wenn er nicht direkt auf der Straße liegt.

Michael Meineker, Stadt Hameln

„Doch, das ist es“, meint dazu Rintelns Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp. „Man muss nur mal die Mitarbeiter des Bauhofs fragen, wie es ihnen ergeht, wenn sie Straßenränder und Grünflächen zu mähen haben. Ein Hundehaufen, der unter die Motorsense kommt, spritzt in alle Richtungen auf. Höchst unangenehm.“ Außerdem sei es nun wirklich nicht weiter wild, den Haufen mit der Plastiktüte aufzunehmen, so eine seiner Mitarbeiterinnen. „Hunde haben etwas von kleinen Kindern. Und bei denen wechselt man ja schließlich auch die Windel und stellt sich nicht so an dabei.“

Zudem könne man Hunde sehr wohl so erziehen, dass ihre Verdauungsausscheidungen nicht zur allgemeinen Belästigung würden. Das erklärt Michael Mogalle, der Vorsitzende des Hamelner Polizeihund-Vereins (PHV). „Man kann die Notdurft unterbinden und dafür sorgen, dass der Hund seine Geschäfte auf Befehl verrichtet.“ Das gelte nicht nur für die große Verdauung, sondern auch für das Pinkeln. Beides zu kontrollieren spielt in der Hundeerziehung von Anfang an eine entscheidende Rolle“, sagt er. „Schließlich will niemand, dass sein Hund ins Haus pinkelt oder direkt im Vorgarten sein Häufchen hinterlässt.“

Damit das gut klappt, muss allerdings einige Mühe und Aufmerksamkeit in die Welpenerziehung investiert werden. Die Besitzer müssen das Hundekind gut beobachten und das Tier immer, wenn erkennbar ist, dass es „mal muss“, packen und draußen hinsetzen, und zwar immer gleich aufs Grün. Dabei ist zu bedenken, dass die ganz jungen Hunde zuerst tatsächlich nur im Haus ihre Notdurft verrichten. Das liegt in ihrem Instinkt, erklärt Michael Mogalle. Hundebabys wollen niemandem in der großen, gefährlichen Außenwelt verraten, dass sie überhaupt existieren. „Welpenschutz, den gibt es so nicht“, sagt er. „Das ist ein Irrglaube.“ Deshalb machen die Kleinen ihr Geschäft erstmal immer in schützender Nähe, und normalerweise würde die Hundemutter es schlicht einfach auffressen. Die Besitzer müssen in den ersten Wochen eben saubermachen.

Später ist die Sache einfacher. Wer seinen Hund regelmäßig füttert, weiß, welches die Zeiten sind, dass man mit ihm rausgehen sollte, und zeigt ihm, wo man hinmachen darf und wo nicht. „Man sollte mit dem Tier möglichst in die freie Natur fahren“, so Mogalle. „Und wenn es doch mal an unpassender Stelle passiert, kommt der Abfallbeutel zum Einsatz.“ Auch das eigentliche Pinkeln könne man durchaus in den Griff bekommen, nicht anders als den Stuhlgang. Die Urinspuren, die man in der Stadt sähe, sie stammten fast nur von den Rüden. Es sind ihre Markierungsspuren, mit denen sie ihre Dominanz ausdrücken wollen. „Und genau da kommt wieder die Erziehung ins Spiel“, sagt er.

Markieren, also ihre Urinspritzer an markanten Stellen hinterlassen, das tun nur solche Rüden, die sich als „Boss“ fühlen. „Man darf nicht vergessen, dass auch Hunde noch Wildtiere sind“, sagt Mogalle. „Mit dem Markieren erhebt ein Rüde den Anspruch, der Rudelführer zu sein und sich fortpflanzen zu dürfen.“ In der Beziehung zwischen Zwei- und Vierbeiner müsse aber klar sein, dass der Zweibeiner das Sagen und der Rüde nicht das Recht hat, zu markieren, wo er gerade will. „Damit richtig umzugehen, lernt man schon in den Welpengruppen“, sagt er. „Und da lernt man übrigens auch, wie man das Pinkelverhalten eines Hundes so beeinflusst, dass er dabei nicht etwa traumatisiert wird.“ Das nämlich kann passieren, wenn man ihn uneinfühlsam mitten beim Pinkeln unterbricht oder gar bestraft.

Alles in allem könnten Innenstädte, Wohngebiete und Grünstreifen also ohne weiteres frei sein von Hundehinterlassenschaften. Seit dem Jahr 2010 habe die Verkotung tatsächlich insgesamt abgenommen, heißt es aus Hameln. Die Automaten für die Hundekotbeutel würden fleißig frequentiert und von „Paten“ regelmäßig wieder aufgefüllt. Auch gäbe es viele Mülleimer in der Nähe beliebter Hundespazierwege. „Und sollten Anwohner sich zu sehr belästigt fühlen von Hundehaltern, die sich nicht an die Regelungen halten, kann man sich an das Ordnungsamt wenden“, sagt Michael Meineker. Die Hundehalter bekämen dann ein freundliches Infoschreiben, und gegebenenfalls auch Ärger, falls sich danach nichts an ihrem Verhalten ändere.

In Rinteln entstand in den letzten Wochen eine durchaus heftige Facebook-Diskussion darüber, ob Hunde da, wo sie im Prinzip frei laufen dürfen, ihre Geschäfte auf Feldern, Wiesen und Kuhweiden hinterlassen dürfen. Manche Teilnehmer der Diskussionsgruppe verwiesen auf den Erreger „Neospora caninum“, der sich im Hundekot befinden und Rinder, Schafe, Ziegen und Wildtiere infizieren kann, was bei den angesteckten Tieren zu Aborten führt. Da aber Stadthunde in aller Regel nicht mit rohem Fleisch, sondern mit Dosenfutter ernährt werden, kommen sie als Überträger des Erregers kaum in Frage. Trotzdem sollten Hunde möglichst nicht auf landwirtschaftlich bewirtschaftete Flächen machen. Kühe zum Beispiel können Futter verweigern, wenn sie darin Hundekot wahrnehmen.



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