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Mit dem Hintern voraus: Wie der perfekte Sprung gelingt

Die Anmut der Arschbombe

Anlauf, Absprung, Platsch! Mit einer Arschbombe ins Wasser springen, kann eigentlich jeder. Natürlich gilt immer: Je doller es spritzt und je höher die Fontäne, desto besser. Aber wie gelingt ein guter Sprung? Wir haben zwei heimische Experten gefragt, was man für eine perfekte Arschbombe beachten muss.

veröffentlicht am 21.08.2015 um 11:42 Uhr
aktualisiert am 07.09.2015 um 10:41 Uhr

Wer im Schwimmbad jene Gestalten beobachtet, die sich vom Sprungturm aus drei, fünf oder gar zehn Metern Höhe in die Tiefe stürzen, kann viel über Menschen lernen. Dort oben entscheidet sich, welcher Typ man ist. Wenn der Kopfsprung als elegante Königin der Sprünge gilt, dann ist die Arschbombe ihr wilder Bruder. Es knallt, klatscht, spritzt, Wasserfontänen schießen in die Luft und über den Beckenrand, vor allem Mädchen kreischen – die Arschbombe ist ein lauter Schrei nach Aufmerksamkeit.
 Dabei kann auch eine Arschbombe mit viel Grazie gesprungen werden. Das kunstvolle Ins-Wasser-Platschen hat inzwischen sogar einen neumodischen Namen erhalten und gilt als Trendsportart mit deutschen und internationalen Meisterschaften: Splashdiving, die Rebellen-Variante des Kunstspringens.

Diese beiden kennen sich aus

 Zwei Experten, die sich mit dem Thema bestens auskennen, sind der Hamelner Timo Strohmeyer (24) und Jan Heinzel (24) aus Springe. Strohmeyer gründete 2010 die Gruppe der „Mighty Frogs“, die sich bis 2014 regelmäßig zum Brachialspaß traf. Auch heute noch übt der 24-Jährige, der beim TC Hameln als Trampolinspringer in der Leistungsgruppe trainiert, in der Freizeit seine Tricks – meist im Hallenbad Einsiedlerbach. „Das Faszinierende am Splashdiving sind die Höhe und die Phase nach dem Absprung. Es ist erstaunlich, was man nach dem Sprung vom Zehn-Meter-Turm in vier Sekunden alles machen kann. Das gibt einen unglaublichen Adrenalinkick“, sagt er.
 Für Heinzel, der Meteorologie in Hannover studiert und sich vergangenes Wochenende in Kaserlautern bei der Deutschen Splashdiving-Meisterschaft den Vize-Titel sicherte, macht besonders das Gefühl vor dem Absprung den Reiz aus: „Man hat immer im Hinterkopf, dass es gleich richtig wehtun könnte.“ Ihm gefällt, dass er seinen „eigenen Style“ in die Sprünge einbauen kann. Sein Lieblings-Splashdown – so wird die Aufprallphase auf dem Wasser bezeichnet – ist die Kartoffel. „Die spritzt bei korrekter Ausführung richtig hoch“, sagt er. Strohmeyer mag den Anker am liebsten. „Wenn man Spannung reinkriegt, entwickelt sich ordentlich Druck unter dem Bein.“ Bei einem Wettbewerb habe er so einmal vom Fünfer eine 7,5 Meter hohe Wasserfontäne erzeugt.

So läuft der Sprung

 Ein Sprung ist in drei Phasen aufgeteilt: das Abspringen, der freie Fall mit Ausrichtung des Körpers und das Aufkommen auf der Wasseroberfläche. Bei der Art der Arschbomben unterscheiden die Athleten zwei Kategorien. Es gibt Bomben, die viel Wasser verdrängen und sehr laut sind. „Beim Brett knallt es zum Beispiel richtig. Da denkt man dann: ‚Holla, das war gut‘“, sagt Heinzel. Andere Splashdown-Figuren sorgen hingegen für hohe Wasserfontänen.
 Wie viel man wiegt, ist übrigens nicht entscheidend, wenn man eine gute Arschbombe springen will. „Man muss die korrekte Technik beherrschen“, sagt Strohmeyer. Zudem sei es wichtig, speziell in der Eintauchphase den Körper auf Spannung zu halten. Dadurch werde der Aufprall abgefedert und man bekommt weniger blaue Flecken. Denn die sind beim Splashdiving normal. Wenn die Ausführung eines Sprungs misslingt, kann es richtig wehtun. „Ich habe mir mal das Steißbein gebrochen, weil ich falsch auf dem Wasser aufgekommen bin“, berichtet der Hamelner. Aber grundsätzlich sei die Verletzungsgefahr nicht höher als bei anderen Sportarten. „Beim Fußball braucht es auch nur eine falsche Bewegung und schon ist das Kreuzband durch“, sagt er.
 Und wie gelingt jetzt die perfekte Arschbombe? „Man sollte vor dem Absprung keine Angst haben. Im Flug ist es wichtig, dass die Figuren vor allem ganz selbstbewusst ausgeführt werden. Und dann muss man noch gut landen. Nicht zu weit vorne, hinten oder zur Seite gekippt“, sagt Heinzel. Klingt eigentlich gar nicht so schwer. Also: Platsch da, Arschbombe!

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