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Unser Zentralgestirn erfordert immer unsere Aufmerksamkeit

Der Sternenhimmel im Oktober

Die Sonne, so banal es auch klingt, ist ein Stern wie die mehr als 3000 Sterne, die wir in klaren Nächten am Firmament in unterschiedlichen Farben und Helligkeiten mit bloßem Auge beobachten können. Aber sie ist der einzige, den wir aus nächster Nähe, also astronomisch gesehen, genauestens untersuchen und beobachten können. Alle anderen bleiben Punkte, auch in den größten Teleskopen.

veröffentlicht am 28.09.2021 um 09:00 Uhr

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Um so erstaunlicher ist es, was wir alles von fernen Sternen mittlerweile wissen. Hier soll es aber mal nur um „unseren Stern“ gehen, der erst das Leben auf der Erde ermöglicht hat, der aber auch zur tödlichen Gefahr werden kann. Ich möchte nicht auf die Entwicklung über die 11 Milliarden Jahre ihres gesamten „Lebens“ referieren, denn da ist klar, dass in 500 Millionen Jahren kein Leben mehr auf der Erde möglich sein wird, weil es hier zu heiß wird, sondern einmal vor Augen führen, welche Gefahr uns in absehbarer Zeit von der Sonne drohen kann.

Kennen Sie das Carrington-Ereignis? 1859 wurde die Erde direkt von einem gewaltigen Strom elektrisch geladener Teilchen, die die Sonne ausgestoßen hatte, getroffen, und ein verheerender magnetischer Sturm war die Folge. Diese Teilchenauswürfe geschehen zwar gar nicht selten, aber erstens war die Energie enorm höher als durchschnittlich und zweitens ist es extrem selten, dass es gerade uns auf der Erde trifft, denn die Ausbrüche breiten sich ja von der Sonne mit ihrer Kugelgestalt in alle Richtungen aus.

Die Namensgebung geschah zu Ehren des damaligen Sonnenforschers, der das Ereignis besonders gut beobachtete, beschrieb und für die Nachwelt dokumentierte. Damals waren Polarlichter bis in südlichen Breiten zu sehen, Telegrafenleitungen glühten oder brannten durch, und es gab Stromausfälle. In unserer heutigen Zeit allerdings wären die Auswirkungen eines solchen massiven Sonnensturmes ungleich schlimmer.

Die Stromausfälle würden sich über viele Monate hinziehen, da durch die heutige Technik überall Bauteile vorhanden sind, die in ihrer Empfindlichkeit solchen Ereignissen nicht standhalten könnten. Kein modernes Auto liefe mehr, die meisten Satelliten in der Umlaufbahn fielen aus, keine Tankstelle könnte Kraftstoff pumpen, GPS und Internet wären gestört und vieles mehr. Nach heutigem Stand ereilt die Erde ein solches Fiasko statistisch gesehen alle 500 Jahre, aber was besagt bekanntlich die Wahrscheinlichkeitslehre? Am unwahrscheinlichsten ist die Regelmäßigkeit.

Die Sonnenwindteilchen kommen zu allem Unglück auch mit 1000 bis 2000 km/sec heran, was bei aktueller Beobachtung eine Vorwarnzeit von 17 bis 20 Stunden bedeutete. Trotz einiger Sonden, die die Sonne beobachten, muss meiner Meinung nach noch intensiv an verbesserten Vorhersagen und Maßnahmen gearbeitet werden.

Merkur kann von Frühaufstehern nun wieder beobachtet werden. Um den 22. Oktober ist er tief im Osten gut zu sehen, bevor es durch die aufgehende Sonne zu hell wird.

Venus wandert in den Skorpion und wird als Abendstern geringfügig heller. Zur Monatsmitte steht sie drei Monddurchmesser nördlich von Antares, dem Roten Riesen und Hauptstern dieses eindrucksvollen Sternbildes im Süden.

Mars ist in Konjunktion, also hinter der Sonne stehend und war Mitte September 395 Millionen Kilometer von uns entfernt. Es dauert noch, bis er wieder sichtbar wird.

Jupiter beherrscht noch die erste Nachthälfte, aber man merkt an der leicht abnehmenden Helligkeit, dass die besten Beobachtungswochen zur Neige gehen.

15° weiter westlich steht Saturn in fahlem, für ihn typischen leicht gelblichen Licht. Beide Großplaneten bewegen sich im Tierkreis kaum von der Stelle. So sind sie über Monate auch für den Laien gut auffindbar. Am 14. Oktober ergibt sich ein eindrucksvolles Bild: Der zunehmende Mond bildet abends ein schönes Dreieck mit Jupiter und Saturn im Süden.

Uranus steht vor seiner Opposition. Wer sich um eine Aufsuchkarte bemüht, wird in der zweiten Nachthälfte fündig. Neptun hat seine kürzeste Entfernung zu uns gerade hinter sich. Bekanntlich lohnt sich die Suche im Feldstecher nicht. Im Gegensatz zu seinem grünlichen „Kollegen“ ist dieser bläulich scheinende Planet aufgrund seiner enormen Entfernung so kaum auffindbar.

Eigentlich müsste die Sonne eine ganz erhebliche Unwucht bei ihren Umdrehungen haben, sollte man meinen, wenn man bedenkt, dass zur Zeit alle massereichen Planeten auf der selben Seite an ihr zerren. Das wirkt sich dennoch praktisch kaum messbar aus, weil ihre Masse die aller Planeten zusammen in für den Laien unvorstellbarem Maße übertrifft.

Die Sonne verspätet ihren Aufgang von 6.20 auf 7.08 Uhr MEZ.

Am Monatsende werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt. Die Sommerzeit ist damit beendet. Es gilt wieder die Mitteleuropäische Zeit (MEZ).


Mondphasen: 6. Oktober Neumond, 13. Oktober erstes Viertel, 20. Oktober Vollmond, 28. Oktober letztes Viertel.



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