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30 Jahre nach Erfindung

Der Raritäten-Oldtimer: Sportwagen Treser bei Classic Days

Als moderne Exoten unter lauter, zum Teil sehr alten, Autos präsentierte der Wahl-Hamelner Walter Treser bei den Classic Days auf Schloss Dyck in diesem Jahr zum Eintritt in das Oldtimer-Alter zwei Prototypen seines Treser Sportwagen T1, die vor 30 Jahren auf der Automobilausstellung IAA in Frankfurt gezeigt wurden. Vorgestellt wurden die Fahrzeuge, ein roter Roadster und ein schwarzes Coupé im Originalzustand im Concours d´Elegance der FIVA (Federation Internationale Vehicules Anciens) und dort von internationalen Wertungsrichtern juriert. Ein dritter Platz in der Klasse „The Moderns“ hinter zwei Ferrari war das Ergebnis für die Nachwuchs-Oldtimer.

veröffentlicht am 21.08.2017 um 08:04 Uhr

Rotes Wunder: Der Treser macht eine gute Figur. Foto: ag
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Andrea Gerstenberger Reporterin
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„Was 1987 für großes Aufsehen sorgte, bei der Präsentation der zwei Vorserienfahrzeuge, ist auch heute noch eine kleine Sensation für Autobegeisterte“, erklärt Marcus Herfort von den Classic Days die Einladung ins Rheinland. „Das liegt auch am damals richtungweisenden Design.“ Und er hatte sich nicht geirrt. Das Interesse der Besucher auf Schloss Dyck war groß. Auf der Schlossinsel als „Jewels in the Park“ posierten die Sportwagen als viel fotografierte Exponate der Oldtimerveranstaltung direkt vor dem Schloss. „Für uns ist es spannend, im Concours d´Elegance mal ein Auto direkt vom Kon-strukteur vorgestellt zu bekommen. Authentischer geht es gar nicht“, freute sich Jurymitglied Dr. Vincent van der Vinne.

Der Autoexperte und Buchautor aus den Niederlanden hat eine Vorliebe für Sportwagen und für ihn sei dieses Auto irgendwie so gar nicht typisch deutsch, wie er bei der Begutachtung anmerkte. „Auf jeden Fall etwas ganz Besonderes, was Herr Treser da geschaffen hat. Das Hardtop ist ein Meilenstein in der Automobilentwicklung.“

Kernpunkte des T1-Konzeptes sind die tragende Struktur aus Kunststoff und Aluminium – die AVUS (Aluminium-Verbund-Struktur) –, die Treser in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Konzern Hydro Aluminium realisierte, und das elektrische versenkbare Hardtop-Dach. Walter Treser erhielt für beide Entwicklungen ein Patent. Aus dem Regal von VW und Audi stammten zahlreiche Fahrwerks- und Ausstattungskomponenten. Beim Mittelmotor griff Treser auf den 130 PS starken 1,8-Liter-Vierzylinder mit 16 Ventilen und zwei geregelten Kats aus dem damaligen Golf GTI zurück. Der Gang an die Weltöffentlichkeit 1987 auf der IAA stellte den Schlusspunkt einer jahrelangen Entwicklungsarbeit dar. Einen Namen hatte sich der frühere Rennfahrer und Automobilingenieur Walter Treser da bereits in der Autoszene als Konstrukteur und Namensgeber des legendären Audi quattro gemacht.

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Auf dem Salzburg-Ring 1988: Die Werbemaßnahme funktionierte nicht – es floß kein Geld, das Auto ging nicht in Serie. Foto: Archiv

Freiheit, Individualität, Abenteuer, Lebensfreude und Stil, verwirklicht durch freches Design und interessante, nicht zu teure Technik, waren seine Ziele für ein eigenes Auto. Und das ist es auch heute noch, was Walter Treser und der Treser Club Hameln unter Autovergnügen verstehen und leben. Die Fachzeitschrift „auto, motor und sport“ platzierte den Treser-Sportwagen in den 80ern auf ihrer Titelseite, wie viele andere Zeitungen auch. Die Entwicklung des T1, unterstützt von der Technischen Universität Berlin, der Hochschule der Künste (für die Gestaltung des Interieurs) und dem TÜV Berlin, berücksichtigte alle Sicherheits- und Abgas-Aspekte. Nach der ausgiebigen Fahr-Erprobung des Roadsters im Frühjahr 1987 und der IAA-Premiere, bei der sich der Treser-Roadster gemeinsam mit BMW Z1 und Ferrari F40 als Messestar erwies, ging Walter Treser auf die Suche nach Geldgebern für die zum Produktionsanlauf notwendige Summe von damals 4,5 Millionen Deutsche Mark. Die ersten 20 Treser TR1 in der Cup-Version, ohne versenkbares Dach, mit Überrollkäfig und mit auf 170 PS gesteigerter Leistung, traten in der Rennsaison 1988 auf der AVUS, am Nürburgring und bei der Alpen-Trophäe am Salzburgring an – sie sollten den Sportwagen bekannt machen. Aber: Eine Serienfertigung der Straßenversion kam aus finanziellen Gründen nie zustande.

So sind die knapp 20 Treser Sportwagen, die sich im Besitz von Mitgliedern des Treser Clubs und Walter Treser selbst befinden, Raritäten, die immer wieder für großes Aufsehen sorgen, wenn sie auf der Straße zu sehen sind. Im Design mit der Keilform und der einmaligen Gestaltung der Scheinwerfer ihrer Zeit weit voraus, sieht man ihnen das Oldtimeralter von 30 Jahren und damit die Berechtigung, ein H-Kennzeichen zu tragen, nicht an.

Dass sie immer noch spaßmachende Autos mit Alltagstauglichkeit sind, bewies das schwarze T1 Coupé bei der Prolog Rallye der Classic Days durchs Rheinland nach Schloss Haag und zurück, an der beide Prototypen des T1 teilnahmen. Hans-Joachim Walitschek und Andrea Ger-stenberger holten in einem außergewöhnlichen Starterfeld, in dem Flügeltürer Mercedes SL 300, Porsche 911 und anderen vertreten waren, den Gesamtsieg.



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