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Am Samstag ist Premiere des neuen Harry Potter-Theaterstückes

Der Junge, der immer noch überlebt

Seit Jahren warten Harry Potter-Fans auf diesen Tag: Samstagabend wird in London das Theaterstück „Harry Potter and the Cursed Child“ offiziell zum ersten Mal aufgeführt. Am Sonntag erscheint dann weltweit das englische Skript des Stückes. Für die deutsche Ausgabe müssen sich die Fans noch bis September gedulden.

veröffentlicht am 29.07.2016 um 17:18 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

Johanna Lindermann

Autor

Volontärin

Hunderte Kinder und Erwachsene in Umhängen, mit Besen und Spitzhüten, die an vier Wochenenden in den Jahren zwischen 2000 und 2007 in der Stadt umherliefen und vor Buchhandlungen zelteten. Was nach mehr oder minder verrückten Karnevalswochenenden klingt, sind in Wahrheit die größten weltweiten Massenveranstaltungen, die je für Erscheinungstage von Büchern stattfanden – und sie sind nur ein Teil des globalen Phänomens „Harry Potter“.

Nach sieben Büchern, acht Kinofilmen, mehr als 450 Millionen verkauften Exemplaren weltweit, einem eigenen Themenpark und einer bevorstehenden neuen Kino-Trilogie kommt auf die Fangemeinde an diesem Wochenende der nächste Meilenstein zu: Heute Abend feiert das Theaterstück „Harry Potter and the Cursed Child“ (zu deutsch: „Harry Potter und das verwunschene Kind“) im Londoner Palace Theatre seine offizielle Premiere. Gebannt erwartet war es von Fans weltweit, seit 2013 bekannt wurde, dass es eine Fortsetzung der magischen Reihe um den jungen Zauberlehrling geben wird. Anders als die 2001 und 2008 erschienenen Bücher „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, „Quidditch im Wandel der Zeiten“ sowie „Die Märchen von Beedle dem Barden“, die Rowling als Ergänzung zu ihrer Buchreihe verfasste, geht „The Cursed Child“ erstmals wieder direkt auf das Leben des Titelhelden ein. Es ist eindeutig: Harry Potter, „der Junge, der überlebt“, wie er in den Büchern häufig genannt wird, ist auch nach über 20 Jahren noch immer in aller Munde. „Die Reihe hat sich längst als Klassiker etabliert“, bestätigt auch Claudia Möhlmann, Buchhändlerin bei Matthias in der Bäckerstraße. „Im Gegensatz zu anderen Buchreihen verkaufen wir noch immer jede Woche mindestens einen Harry Potter-Roman.“

Für alle Fans, die nicht die Gelegenheit haben, sich das Theaterstück in London anzuschauen, erscheint in der Nacht zu Sonntag das Skript zum Theaterstück – allerdings zunächst nur auf Englisch. Für die deutsche Ausgabe müssen sich die Fans noch bis zum 24. September gedulden. Verfasst hat das Theaterstück der britische Drehbuchautor Jack Thorne, basierend auf einer Geschichte von Rowling, dem englischen Theaterregisseur John Tiffany sowie ihm selbst

Von der Presse in Großbritannien erhielt das Stück bisher durchweg positive Kritiken – der „Guardian“ nannte es „ein großartiges Duell zwischen Licht und Dunkelheit“. Der britische Buchhandel verzeichnet hohe Vorbestellungszahlen, das englische Branchenmagazin „The Bookseller“ bezeichnet den Sonntag gar als „den wichtigsten Verkaufsstart in fast zehn Jahren“.

Doch was bedeutet das für Deutschland? Geht der „Hype“ jetzt auch hier wieder los? Wiederholen sich die Szenen aus dem vergangenen Jahrzehnt? Müssen die Hamelner an diesem Wochenende oder im September abermals mit bunt verkleideten Hexen und Zauberern rechnen, die die Innenstadt besetzen?

Derzeit sieht es wohl eher nicht danach aus. „Der Ansturm ist jetzt längst nicht so groß, wie er es beim Erscheinen des vierten bis siebten Buches war“, sagt Möhlmann. Zwar laufe die Vorbestellung der englischen Ausgabe gut, doch die Kunden wären hier vornehmlich Erwachsene oder Jugendliche. „Der Leser muss der englischen Sprache mächtig sein und damit natürlich schon ein gewisses Alter haben.“

Michaela Jeretzky, Auszubildene in der Buchhandlung von Blum, stimmt dem zu. „Die Hauptkunden sind vermutlich eher die jetzt erwachsenen Leser, die die Bücher als Kinder verschlungen haben.“ Aus Gründen der Nostalgie würden zudem Sammler großen Wert darauf legen, eine Ausgabe des Werkes zu ergattern.

Auch Peter Peschke, Inhaber der Buchhandlung Seifert, erwartet keinen allzu großen Ansturm auf das englische Skript. „Früher waren die Abstände zwischen den Veröffentlichungen der englischen und der deutschen Ausgaben größer“, erzählt er. Deshalb hätten sich die Leser eher auf die englischen Bücher gestürzt. Diesmal, vermutet er, würden die Fans eher auf die deutsche Fassung warten, die nur wenige Wochen später erscheint. Momentan sei es um die Neuerscheinung jedenfalls noch relativ ruhig.

Doch auch für September rechnen die Buchhändler nicht mit vergleichbaren Szenen wie zum Erscheinen der früheren Bände, auch wenn sie sich einig darüber sind, dass die Nachfrage nur sehr schwer einzuschätzen sei. Er sei selbst gespannt, was passiere, sagt Peschke. „Aber selbst, wenn die deutsche Ausgabe nur einen Bruchteil des Erfolges von damals hat, wäre das mehr als bei den meisten anderen Büchern“, sagt Jeretzky.

Um die Handlung des Theaterstückes wird ein großes Geheimnis gemacht. Anhand der Besetzungsliste, die bereits veröffentlicht wurde, ist ersichtlich, dass neben Harry (gespielt von Jamie Parker), seinen besten Freunden Ron (Paul Thornley) und Hermine (Noma Dumezweni) sowie Rons Schwester Ginny (Poppy Miller) und dem Erzfeind Draco Malfoy (Alex Price) auch deren Kinder Albus Severus Potter (Sam Clemmett), Scorpius Malfoy (Anthony Boyle) und Rose Granger-Weasley (Cherrelle Skeete) mitspielen. Für das Theaterstück wurden damit die aus den Filmen bekannten Schauspieler durch neue ersetzt – unter anderem, da die Darsteller zu jung sind, um ihre inzwischen fast 40-jährigen Charaktere auf der Bühne zu verkörpern.

Während sich die Fans der Reihe mit den Besetzungen im Großen und Ganzen einverstanden zeigten, erregte eine Rolle jedoch Aufregung: Mit Noma Dumezweni wird Hermine – anders als in den Filmen – von einer dunkelhäutigen Schauspielerin dargestellt. „Das geht doch nicht!“, war ein häufig zu hörender Aufschrei im Internet. Die alten Bücher wurden wieder hervorgekramt, penibel die beschreibenden Textstellen verglichen – und siehe da: An keiner Stelle geht die Autorin explizit auf die Hautfarbe des wichtigen Charakters ein. Es werden lediglich ihre Haare beschrieben, die braun und sehr buschig seien.

Ihre Meinung zu der hitzigen Debatte in der Fangemeinde machte Rowling in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Observer“ deutlich: „Durch meine Erfahrung mit sozialen Netzwerken wusste ich, dass Deppen dazu deppern würden.“

Die Autorin, die eigentlich keinen Zweitnamen besitzt, sondern den Namen ihrer Großmutter – Kathleen – nur wählte, da ihr Verleger ihr riet, die Bücher unter Initialen zu veröffentlichen, die das Geschlecht des Autors verschleiern, stellt sich somit fest hinter die getroffene Casting-Wahl.

Mit der Harry-Potter-Saga gelang Rowling der märchenhafte Aufstieg von einer mittellosen Sozialhilfeempfängerin zur Milliardärin. Doch auch außerhalb des Potter-Universums ist die Schriftstellerin erfolgreich. Seit 2013 veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith drei Kriminalromane um den Privatdetektiv Cormoran Strike.

Um den Fans, die das Stück nicht während der ersten Tage nach der Premiere sehen oder lesen können, die Vorfreude nicht zu verderben, bat sie in einer Videobotschaft darum, nichts über den Inhalt preiszugeben. Durch Vorpremieren, die seit Anfang Juni gezeigt werden, gelangten aber dennoch einige Details der Handlung ans Licht – wer sich vom Inhalt jedoch komplett überraschen lassen möchte, sollte den folgenden Absatz überspringen.

„Das verwunschene Kind“ setzt dort an, wo Band sieben schließt. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ endet mit dem Kapitel „19 Jahre später“. Beinahe zwei Jahrzehnte nach der finalen Schlacht von Hogwarts finden sich die Freunde Harry, Ron und Hermine als Erwachsene auf dem Gleis 9 3/4 im Londoner Bahnhof King’s Cross wieder. Harry ist mit Ginny verheiratet und inzwischen ein überarbeiteter Beamter im Zaubereiministerium, den seine Vergangenheit nicht loslässt. Auch Ron und Hermine, die zur Zaubereiministerin ernannt wurde, sind mittlerweile verheiratet. Gemeinsam verabschieden die vier ihre Kinder nach Hogwarts. Besonders hervorgehoben wird im Buch dabei der jüngste Sohn von Harry und Ginny, Albus Severus. Der Elfjährige reist zum ersten Mal nach Hogwarts und hat – genau wie sein Vater damals – Angst, in das Haus Slytherin zu kommen. Daraufhin erzählt ihm Harry, Albus Severus sei nach zwei Schulleitern von Hogwarts benannt worden, darunter ein Slytherin – Severus Snape –, welcher vermutlich der mutigste Mann sei, den Harry jemals kennengelernt habe (eine Aussage, die die Fangemeinde seit Erscheinen des Buchs spaltet). Sobald Albus Severus, der als Außenseiter gilt und sich mit dem Ruhm seines Vaters überfordert fühlt, in Hogwarts ankommt, freundet er sich mit Scorpius Malfoy an, dem Sohn von Draco Malfoy. Gemeinsam sorgen die Jungen mit einer Zeitmaschine für Trubel an der Zauberschule – und sollen, Gerüchten zufolge – im Spiel mit der Zeit auch auf den von Harry getöteten dunklen Lord Voldemort treffen …

Die deutsche Ausgabe des Theaterstücks – „Harry Potter und das verwunschene Kind“ – wird am 24.09.2016 im Carlsen-Verlag erscheinen. Das Buch soll etwa 300 Seiten umfassen und in der gebundenen Ausgabe 19,99 Euro kosten.



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