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… aber irgendwie will kein Autofahrer so wirklich gratulieren

Der Blitzer ist 60

Diesem Geburtstagskind wird sicherlich nicht jeder von ganzem Herzen gratulieren wollen. Es ist bei vielen verhasst, gilt oft als Sinnbild von Abzocke und Wegelagerei. In eine der Fallen mit dem typisch aufblitzenden Rotlicht sind sicherlich beinahe alle Autofahrer schon einmal getappt. Das Radargerät wird 60 Jahre alt. Seit ebenso vielen Jahren stellt die Polizei mit den Geräten nach.

veröffentlicht am 23.01.2017 um 12:31 Uhr
aktualisiert am 23.01.2017 um 14:10 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Als Stichtag der ersten Radarkontrolle gilt der 21. Januar 1957 mit einem Test in Düsseldorf, auch wenn sich Historiker und Archivare sich schwertun, dieses Datum auf den Tag genau zu bestätigen. Nach ersten Feldversuchen mit einem Prototypen trat 1957 der „Telefunken VRG 2“ seinen bundesweiten Siegeszug an.

Wann die Polizei im Weserbergland mit dem ersten Blitzer ausgestattet wurde, ist Beamten auf der Dienststelle in Hameln nicht bekannt. Messbeamte des Landkreises Hameln Pyrmont sind seit 1997 mit einem Fahrzeug mobil im Einsatz. 2006 kam ein zweites Messfahrzeug hinzu. Im Landkreis Schaumburg setzt man dagegen auf fest installierte Blitzer – auf sogenannte Starenkästen. Die Mischung aus beiden macht’s im Landkreis Holzminden.

Die Einnahmequelle ist lukrativ. Durchschnittlich 650 000 Euro pro Jahr spülen Raser allein in die Kasse des Landkreises Hameln-Pyrmont. Brutto allerdings – Aufwendungen für Personal- und Sachkosten sind abzuziehen. „Von 2005 bis 2016 waren das 7 840 000 Euro“, so die Verwaltung für Hameln-Pyrmont.

Nicht immer werden nur rasende Autos abgelichtet. Kuriose Blitzer-Fotos grassieren im Internet: Enten im Tiefflug, Hubschrauber, Lamas, der Weihnachtsmann, auch eine Oma mit Rollator – alle hatten es eilig oder gerieten aus Versehen ins Visier von Radar und Laser.

Nicht so der Fahrer eines Motorrades, der bei Rumbeck mit 203 Sachen geblitzt wurde – momentaner Spitzenreiter der erwischten Raser im Landkreis. Ebenso schnell unterwegs war ein Fahrzeug auf der B 83 bei Hessisch Oldendorf. Der Rekordwert innerhalb geschlossener Ortschaften wurde in Hameln gemessen: 122 Stundenkilometer, 72 Sachen zu schnell.

Allzu sportlich waren offensichtlich Polizeibeamte ihrer Jagd auf Temposünder in Amelgatzen nachgegangen. Sie schossen jede Menge Fotos von Rennteams der längsten Automobil-Rallye Europas – der Tour-d’Europe –, die 1978 auf dem Weg zum Etappenziel in Bad Pyrmont waren. Unter anderem auch vom Wagen des Pressesprechers, der mit 81 Sachen durch den Ort an der Emmer bretterte. Der Fall landete später vor Gericht. Dort kam der Sprecher aber um die Zahlung eines Bußgeldes herum.

Blieb es 1957 bei der Einführung der Radarfallen meist noch bei Verwarnungen für erwischte Raser, werden heute hohe Bußgelder verhängt. Und der allgemeine Ton wird rauer. Immer wieder sind stationäre Blitzer der blanken Wut von Temposündern ausgesetzt: Radarfallen wurden schon beschossen, angezündet, abgesägt, mit Farbe besprüht und mit Klebeband umwickelt.

„Du *Piep* kannst mich mal am *piep* *piep*.“ Die Messbeamten müssen sich auch noch einiges anhören. Sie werden beleidigt, teilweise sogar bedroht. So seien eine drohende Faust oder ein gezeigter Mittelfinger für sie nichts Ungewöhnliches, sagt Sprecherin Sandra Lummitsch. Der Landkreis habe in solchen Fällen schon mehrfach Strafanzeige erstattet. Welchen abgrundtiefen Hass eine Radarkontrolle auslösen kann, musste die Polizei im Jahr 2000 in Hessen erfahren. Als ein Fernfahrer „geblitzt“ wurde und fürchten musste, seinen Führerschein zu verlieren, kehrte er um, erschoss einen der Polizisten und verletzte einen zweiten Beamten schwer.

Wird man ertappt, müssen händeringend Ausreden her. Oft sind sie ausgefallen, manche klingen drollig und andere wiederum haarsträubend. Dem Einfallsreichtum der Raser scheinen dabei keinen Grenzen gesetzt zu sein. „Bei der Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass dem Verantwortlichen für das Königsschießen das Bier ausgegangen war“, mussten sich Beamte einmal anhören.

Öfters wird eine medizinische Notwendigkeit als Rechtfertigung für zu schnelles Fahren vorgeschoben: „Die Mutter braucht Asthmaspray, der Nachbar Insulin oder der Opa seine Herztabletten“, kennt nicht nur Lummitsch häufig genannte Notlügen von zu schnellen Rasern.

Information

Die Messmethoden

Mit folgenden Geräten wird die Geschwindigkeit im Straßenverkehr gemessen:

Mobile Radarmessungen: Wie bei den stationären Radaranlagen werden elektromagnetische Wellen ausgesendet. Ist ein Fahrer zu schnell unterwegs, löst die integrierte Kamera aus und schießt ein „Blitzerfoto“. Mobile Radargeräte können entweder flexibel an einer Stelle am Straßenrand aufgestellt oder in Zivil- beziehungsweise Polizeiwagen platziert werden.

Lasermessgeräte: Bei Messgeräten, die mit Laser arbeiten, handelt es sich sozusagen um Blitzer ohne richtigen Blitz. Sie senden spezielle Lichtsignale aus, die vom zu messenden Fahrzeug reflektiert werden. Vom menschlichen Auge können diese Strahlen nicht wahrgenommen werden. Werden die Signale zum Messgerät zurückgeworfen, kann anhand der Zeit, die dieser Vorgang in Anspruch nimmt, die Entfernung zum Auto ermittelt werden. Da sich diese während der Fahrt stetig verringert, verändern sich auch die Laserstrahlen, wodurch wiederum die Geschwindigkeit berechnet werden kann. Beim Auslösen der Kamera kommt es zu keinem Blitz.

Lichtschranken:Um Geschwindigkeitsmessungen mittels Lichtschranke durchführen zu können, bedarf es eines Senders und eines Empfängers. Horizontal auf der Fahrbahn platziert, gehen vom Sender drei Lichtstrahlen aus. Wenn ein Fahrzeug den ersten Strahl passiert, startet die Messung. Anhand des Abstandes zwischen den ersten beiden Lichtstrahlen sowie der Zeit, die ein Auto braucht, um den jeweils nächsten zu erreichen, kann die Geschwindigkeit ermittelt werden. Manchmal führen diese Blitzer eine zweite Messung vom zweiten zum dritten Lichtstrahl durch, um ein noch genaueres Ergebnis zu erzielen.

Police-Pilot: Bei diesem Verfahren wird die Geschwindigkeit aus einem fahrenden Auto heraus festgestellt. Durch eine Heck- sowie eine Frontkamera wird die Aufzeichnung eines möglichen Geschwindigkeitsverstoßes gewährleistet. Besonders auf der Autobahn ist dieser Blitzer sehr beliebt, da ein gleichbleibender Abstand zwischen dem kontrollierenden und dem zu messenden Fahrzeug auf eine bestimmte Distanz gewahrt werden muss. Die Kamera wird per Knopfdruck ausgelöst.



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