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Der Abend, nach dem jeder seiner Wege geht

In diesem Jahr wird Abiball XXL gefeiert: Durch den Doppeljahrgang feiern bis zu 200 junge Erwachsene pro Schule gleichzeitig das Ende ihrer Zeit als Schüler. Doch bleibt der Abschlussball trotz aller organisatorischer Herausforderungen ein großes Fest. Schließlich markiert er nicht nur den Beginn eines neuen Lebensabschnitts, oft ist es auch der letzte Abend mit allen Freunden, bevor jeder seiner Wege geht.

veröffentlicht am 02.07.2011 um 00:00 Uhr

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Hysterie wegen des Abi-balls? Euphorie, ja, die ist schon da. Aber Hysterie? Für die drei Freundinnen Oona Nülle, Mareike Weibezahl und Marianne von Blomberg ein Fremdwort. „Wieso sollten wir hysterisch sein?“, fragen sie. Nun, vielleicht, weil es der letzte gemeinsame Abend mit den Schulfreunden ist und lange nach dem richtigen Kleid gesucht wurde, das jetzt seinen großen Auftritt haben wird. Doch bei den dreien scheint einiges anders zu laufen.

Seit Kindertagen sind sie befreundet; sind teilweise gemeinsam auf dieselbe Grundschule und Orientierungsstufe gegangen. Danach kam das Gymnasium. In diesen Tagen schließen sie gemeinsam ihre Schulkarriere am Rintelner Gymnasium Ernestinum ab und gehen dann getrennte Wege. Doch schauen sie optimistisch in die Zukunft.

„Wir kennen uns nun schon so lange und unsere Freundschaft ist so eng, dass ich nicht glaube, dass wir uns so schnell aus den Augen verlieren werden“, sagt Nülle, die sich für den Bundesfreiwilligendienst und ein Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Abitur beworben hat. Ihre Vorbereitungen für den Abiball haben schon im letzten Jahr begonnen, wie Nülle lächelnd erklärt: „Seitdem lasse ich nämlich meine Haare wachsen, damit ich meine Wunschfrisur an dem Abend machen kann.“

Sie kennen sich bereits seit Kindertagen: Oona Nülle (v.l.), Mareike Weibezahl und Marianne von Blomberg haben zusammen das Abitur bestanden und freuen sich nun schon auf den letzten gemeinsamen Abend beim Abschlussball. Spaß beim Stylen für diese besondere Veranstaltung werden die Drei mit Sicherheit haben, wie sie für uns demonstrieren. Fotos: lsb

Die Suche nach dem passenden Kleid habe allerdings recht kurzfristig angefangen. Während ihres Abiurlaubs mit Freunden in Holland habe sie einige Läden durchstöbert, doch kein Kleid gefunden.

„Jetzt näht meine Mutter mir das Kleid“, so Nülle, die damit sehr glücklich ist: „So habe ich ein Kleid exakt nach meinen Vorstellungen und musste nicht nach einer Alternativlösung suchen.“

Auf den Abiball freue sich die 19-Jährige bereits, auch wenn sie es schade findet, dass nach diesem Abend ein Lebensabschnitt endet. Doch für sie zähle, dass es „eine schöne Feier“ mit ihren Freunden und ihrer Familie wird: „Meine Gastfamilie aus den USA, bei der ich vor drei Jahren als Austauschschülerin wohnte, reist sogar extra für den Abi-ball an“, erzählt sie aufgeregt.

Im Gegensatz zu Nülle scheint von Blomberg jedoch recht gelassen an das Thema Abschlussball heranzugehen. „Klar, es ist das letzte Mal, dass wir alle an einem Ort zusammentreffen und gemeinsam feiern. So etwas kommt nicht so schnell wieder“, sagt sie. Doch ihre festen Freundschaften, die sie während der Schulzeit geschlossen hat, werden auch weiterhin bestehen, da sei sie sich sicher.

Die Suche nach „dem“ Kleid hat sich die ebenfalls 19-jährige Schulabsolventin gespart. Nicht etwa, weil sie keines anziehen wird, sondern weil sie es bereits im Kleiderschrank hatte: „Wir haben mehrere Kleider für solche Anlässe. Und im Grunde genommen kommt es doch nur darauf an, dass man sich auf seinem eigenen Ball wohlfühlt – egal, was man trägt“, erklärt sie.

Der Abiball des Ernestinums wird in der Rattenfängerhalle in Hameln stattfinden, wie von Blomberg erzählt: „Anfangs gab es viele Diskussionen, wo wir feiern sollen, denn das Hauptproblem ist, dass wir aufgrund des Doppeljahrgangs viel mehr Leute sind.“ Nachdem überlegt wurde, die Feierlichkeiten in Hannover zu organisieren, habe das Abiball-Komitee dann die Rattenfängerhalle festgelegt, in die laut von Blomberg „gerade so alle Gäste hineinpassen“.

Für ihre Zukunft plant die 19-Jährige ein englischsprachiges Studium. „Doch was genau, weiß ich noch nicht. Ich würde gerne etwas Allgemeinwissenschaftliches, wie zum Beispiel ‚Cultural Management‘ oder Informatik, studieren. Ich hoffe, dass ich dann später mehr Auswahl an Berufsmöglichkeiten habe“, so von Blomberg.

Dasselbe erhofft sich Mareike Weibezahl: Die 18-Jährige hat sich vorgenommen, nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr im medizinischen Bereich am Tübinger Klinikum zu machen, da sie später gerne Medizin studieren möchte. „Dadurch kann ich schon mal ein paar Einblicke gewinnen und feststellen, ob es mir gefällt“, so Weibe-zahl.

Auch sie freue sich auf den Abiball: „Es wird sicher ein schöner Abend mit allen. Es ist toll, dass trotz der Schwierigkeiten ein Ball zustande gekommen ist“, sagt Weibezahl. Traurig sei sie schon ein wenig, da ein gewisser Lebensabschnitt mit dem Abschluss zu Ende ginge. Stress wegen des Kleides habe sich die Abiturientin keinen gemacht: „Ich habe es durch einen glücklichen Zufall gefunden“, erklärt sie lächelnd.

Das komplette Gegenteil zu den drei Freundinnen bildet Petra Schindler. Sie habe im Grunde genommen Dauerstress gehabt – angefangen beim schulischen Teil. Denn sie hat das Abitur nach zwölf Jahren absolviert, wie sie erzählt.

„Mein Kleid habe ich bereits seit Januar im Kleiderschrank hängen“, erzählt sie. Es hätte sie andernfalls auch nervös gemacht, wenn sie erst in den letzten Wochen mit der Suche angefangen hätte, sagt sie. „Mein Freund zum Beispiel hat sich seinen Anzug für den Ball erst vergangene Woche gekauft“, berichtet Schindler kopfschüttelnd.

Ein passendes Kleid zu finden, stellte sich für sie auch als gewisse Herausforderung heraus. „Ich bin nicht so groß und in den Geschäften bieten sie meistens nur lange Kleider an, was bei mir nicht so gut aussieht“, klagt sie. Im Internet habe sie dann schließlich ein passendes Kleid gefunden. „Allerdings bleibt es bis zum Abiball geheim“, sagt sie augenzwinkernd.

Den Organisatoren des Balls kann Schindler nur ihr Lob aussprechen: „Die Organisatoren des Komitees haben alles gut auf die Beine gestellt.“ Der genaue Ablauf des Abends stehe zwar noch nicht fest, aber auch das, so ist sich Schindler sicher, werde „schon klappen“.

Für die kommende Zeit habe die 18-jährige Abiturientin bereits konkrete Pläne: „Ich werde in diesem Jahr einen Bundesfreiwilligendienst in Bad Eilsen in der Rehaklinik beginnen“, erzählt sie. Und wenn alles klappt, dann würde sie im nächsten Jahr gerne ein Studium anfangen. „Nur was ich studieren möchte, das weiß ich noch nicht“, so Schindler. Es hänge von den Unis und den Bundesländern ab. „Vermutlich werde ich mich für ein duales Studium entscheiden. Dann habe ich nicht nur Theorie, sondern auch Praxis“, erklärt sie. Ihr sei es lieber, sich später für eine Richtung zu entscheiden, als hinterher etwas abzubrechen, weil es ihr nicht gefalle, fügt sie hinzu.

Larissa Sprick hat ihren Abschlussball bereits hinter sich; auf der Suche nach einem passenden Ballkleid hatte sie ebenfalls so ihre Schwierigkeiten. Die 19-jährige Abiturientin des Bückeburger Gymnasiums Adolfinum hatte die Suche nach einem Kleid nach den Abschlussklausuren geplant. „Doch hatte ich vergessen, dass ich in der Zeit für einen Monat nach Luxemburg fahre, um in einer Familie als Au-pair zu arbeiten“, erzählt sie. Also habe sie sich dort auf die Suche gemacht – leider erfolglos. „In einem einzigen Geschäft gab es drei Kleider in meiner Größe. Aber keines von ihnen hat mir richtig gefallen.“

Nachdem sie zurück in Deutschland war, waren es noch gute zwei Wochen bis zum Abiball. „Ich bin jeden Tag losgegangen und habe dann endlich das perfekte Kleid gefunden.“ Strahlend zeigt sie ihr kurzes mitternachtsblaues Kleid mit einem Ballonrock.

Wehmütig sei sie mit Blick auf den Abiball nicht gewesen. „Als ich jedoch vor Kurzem durch die Abi-Zeitung geblättert habe, wurde ich ein wenig sentimental“, sagt sie. Der Ball jedoch war „eine festliche Angelegenheit, die der Jahrgang gemeinsam mit dem Ball-Komitee gut organisiert auf die Beine gestellt hat“.

Stattgefunden hat der Abi-ball der Bückeburger Abiturienten am 25. Juni in der Mindener Kampa-Halle. „Es gab Schwierigkeiten, passende Räumlichkeiten zu finden, da unser Jahrgang fast 200 Absolventen hatte. Und diese bringen zum Ball ja auch noch ihre Familien mit“, erklärt Sprick. Trotzdem sei dieses letzte Zusammentreffen sehr schön gewesen. Vor allem, weil sie im September für elf Monate nach Indien gehen wird, um sich in einem Projekt des Vereins „Weltwärts“ sozial zu engagieren, und somit lange Zeit niemanden ihrer Freunde sehen wird. „So konnte ich noch einmal gemeinsam mit ihnen feiern und Abschied nehmen“, sagt Sprick. So wie ihr wird es heute Abend 199 Rintelner Abiturienten gehen. Denn dann heißt es, endgültig Abschied zu nehmen von der „guten alten Schulzeit“.



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