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„Eiersmieten“ und Osterräder

Das sind Norddeutschlands Osterbräuche

Größer, schöner, schriller – das Osterfest bringt jedes Jahr kuriose Bräuche und Sitten mit sich. Eier, die den Deich hinunterrollen, eine Kükenschau im Museum oder der Osterräderlauf in Lügde. Der Norden ist bunt.

veröffentlicht am 31.03.2018 um 10:00 Uhr

Kinder trullern Eier von einer Düne am Strand von Norderney hinunter. Foto: dpa

Autor:

Leander Löwe

Ostern ist das Fest der Freude. Jahr für Jahr zeugen davon auch alte Bräuche und Traditionen rund um das Osterfest. An einigen Orten in Norddeutschland geht es dabei durchaus spaßig zu.

Die ostfriesischen Osterbräuche sind in ganz Norddeutschland bekannt. So sind kleinere Traditionen und Wettkämpfe rund ums Ei wie das „Eiertrüllen“, das „Eiersmieten“, das „Nötenscheten“ und das „Eierbicken“ bis heute sehr verbreitet. Ein Beispiel: die Stadt Leer. Am „eiertrulleden Maandag“, also Ostermontag, spazieren dort schon seit Jahrhunderten 200 bis 300 Besucher singend zum Plytenberg, dem höchsten Hügel Ostfrieslands. „Dort werden die Eier einen Hang hinuntergerollt und unten von Kindern aufgefangen“, sagt Burghardt Sonneburg vom Heimatmuseum Leer.

Das „Eiersmieten“ ist eine Art „Ostereiweitwurfdisziplin“, bei der Eier mit einem Strumpf geworfen werden. Das Ei muss nicht nur weit fliegen, sondern auch möglichst unbeschadet landen. Je heiler es ist, desto besser schneidet ein Teilnehmer ab. Auch beim „Eierbicken“ soll das Ei nicht kaputt gehen. Hier werden zwei Eier mit der spitzen Seite gegeneinander geschlagen. Das „Eierlaufen“ gehöre ebenfalls zu den Leerer Traditionen. In anderen ostfriesischen Gemeinden wird zudem noch das „Nötenscheten“ gespielt. Ein Spiel, bei dem mit einer Metallkugel nach Nüssen in einem Sandkreis geworfen wird. Doch auch in Ostfriesland müssten die Bräuche sorgfältig am Leben erhalten werden. „So wurde auch bei uns der Brauch des „Eiertrüllens“, der ursprünglich vermutlich aus dem Frühmittelalter stammt, 2011 wiederbelebt“, sagt Sonneburg.

Aus Ostereiern, 7500 Pflanzen, Erde und Strohballen besteht ein 256 Quadratmeter großes Osternest mit einem Durchmesser von 18 Metern. Foto: dpa
  • Aus Ostereiern, 7500 Pflanzen, Erde und Strohballen besteht ein 256 Quadratmeter großes Osternest mit einem Durchmesser von 18 Metern. Foto: dpa
In Lügde wird eine Tradition von 1743 lebendig gehalten: Der Osterräderlauf zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an. Foto: Archiv/YT
  • In Lügde wird eine Tradition von 1743 lebendig gehalten: Der Osterräderlauf zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an. Foto: Archiv/YT

Das historische Spektakel um die rasenden Osterräder von Lügde wird am Ostersonntag wieder zahlreiche Besucher anziehe. In jahrhundertealter Tradition werden dabei sechs jeweils 400 Kilogramm schwere und mit Stroh gestopfte Holzräder angezündet und einen Abhang hinuntergeschickt. Die rollenden Feuerräder erreichen auf ihrem Weg ins etwa 500 Meter entfernte Tal Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern. Der Osterräderlauf wurde nach Angaben des Dechenvereins, der sich als Brauchtumswächter versteht, erstmals 1743 urkundlich erwähnt, dürfte aber deutlich älter sein. Auch die Gebrüder Grimm schrieben vor rund 200 Jahren über das Osterritual und dokumentierten etwa 15 weitere Orte in Mitteleuropa, in denen brennende Räder von Hängen rollten. Nur die traditionsreichen Lügder haben den uralten Brauch von damals bis heute aufrechterhalten. Das Brauchtum wurde 2014 als „bemerkenswerte Besonderheit unter den Osterfeuerritualen“ auf die Liste des nordrhein-westfälischen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Das größte Osternest der Welt steht vermutlich im Emsland. Mit 254,919 Quadratmetern und über 7000 Pflanzen thront es auf dem kreisrunden Vorplatz des Rathauses der Samtgemeinde Lathen. Begrenzt wird das Beet mit einem Durchmesser von 18 Metern durch goldene Strohballen; in der Mitte stehen drei große Eier. Sie wurden von den ortsansässigen Schulen bemalt. Die Idee zum Nest kam den Lathenern, als sie eine Attraktion für ihren Ostermarkt schaffen wollten. „Bis jetzt war das ein großer Spaß für uns“, sagt Matthias Gehrs, der Geschäftsführer der Marketing- und Tourismusgenossenschaft Lathen. Der derzeitige Rekord liegt noch in Lauingen an der Donau, aber die Überprüfung des Nests im Emsland auf einen Weltrekord sei schon beantragt. Ob das Nest die nächsten Jahre ebenfalls die Stadt verschönern soll, ist aber noch nicht geklärt.

Lebendige und frisch geschlüpfte Osterküken sind seit 22 Jahren jedes Jahr Braunschweigs Osterattraktion. Bei der Osterküken-Ausstellung werden jedes Jahr im Staatlichen Naturhistorischen Museum die Eier unterschiedlicher Hühnerarten ausgebrütet und die Tiere beim Schlüpfen und Wachsen beobachtet. Seit drei Jahren ist das Spektakel für Besucher hinter Glasscheiben in sogenannten Schaubrütern mit anzusehen. In diesem Jahr schlüpfen die kleinen Hühnerküken wahrscheinlich am Montag und bleiben für zwei Wochen im Braunschweiger Landesmuseum. Dort können Kinder die Küken in einem Glasgehege betrachten und streicheln. Begleitet wird die Küken-Schau von einer Hühnerzuchtausstellung.

Wer denkt, Christen hätten an Ostern nichts zu Lachen, wird am Ostersonntag in einer kleinen evangelischen Kirche in Bremen eines Besseren belehrt. Beim Osterlachen erzählt Pastor Jörg Mosig Witze in der Predigt. Dabei stützt er sich auf einen alten Kirchenbrauch, den er selbst an den Unis in Oxford und Durham kennenlernte und mit nach Bremen brachte. Im Ostersonntags-Gottesdienst legt er natürlich auch das Evangelium aus und bezieht sich dabei auf eine Stelle aus dem Lukas-Evangelium: „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.“



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