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„Jamsessions“ bieten eine Bühne für heimische Musiktalente / Manchmal kommen auch die „Großen“ zum Gastspiel

Das rockt

Wenn sich Musiker treffen, um einfach drauf los zu spielen, dann ist es Zeit für „Jam“. Ungewöhnlich ist, dass „Jamsessions“ dieser Art von vielen Gästen besucht werden. In der Bückeburger Schankwirtschaft „Känguruh“ ist das regelmäßig der Fall. Hier gaben sich schon bekannte Größen die Klinke in die Hand. Auch Alexander zu Schaumburg-Lippe haut im „Känguruh“ in die Tasten.

veröffentlicht am 24.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 24.09.2013 um 10:38 Uhr

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Autor:

Michael Werk

Am Anfang war es nur eine Idee der Kategorie „Man könnte ja mal“, die zwei Musikerfreunde des Kneipenwirts Thomas Brauner laut angedacht hatten, mittlerweile ist sie eine feste Institution – die „Jamsession“ in der Bückeburger Schank- und Speisewirtschaft „Känguruh“. Seit nunmehr 18 Jahren geben sich hier immer am ersten Montag des Monats exzellente Musiker der Region und darüber hinaus die Verstärkerkabel und Mikrofone in die Hand, um vor meist vollem Haus einen gepflegten Blues zu kredenzen, ordentlich abzurocken oder sonstwie mit handgemachter Musik gute Laune zu verbreiten. Ohne Notenblätter, nur aus dem Bauch heraus.

Der Besucherandrang ist dabei nicht selten sogar so groß, dass etliche Gäste das konzertante Treiben in dem mit vergilbten Titelseiten alter Musikmagazine tapezierten Gastraum vom Trottoir aus verfolgen, wenn das Wetter es zulässt. Andernfalls wird es halt noch enger in der urigen Kneipe.

Vor den ersten Jamsessions im Jahr 1995 habe er sich noch mit anderen Musikern abgesprochen, um sicherzustellen, dass an den jeweiligen Abenden auch tatsächlich eine „Band“ zusammenkommt, erinnert sich Brauner, der damals auch noch selbst auf der Bühne mitgemischt hatte. Sehr schnell habe sich dann aber die Qualität der Veranstaltungen herumgesprochen, sodass die ganze Aktion schließlich zum Selbstläufer wurde – und zwar sowohl was die Anzahl der hier auftretenden Musiker als auch die Besucherzahlen betrifft. Wobei übrigens auch in der heimischen Musikszene (noch) unbekannte Talente die Chance bekommen, ihr Jamsession-Debüt zu feiern: „Man muss keine Koryphäe sein, um hier mitzumachen“, bestätigt Brauner. Allerdings sollte man schon wissen, dass man etwas kann, um das Publikum nicht zu enttäuschen.

Livemusik der meist kernigeren Gangart ist das, was die Musiker bei den Jamsessions zum Besten geben.

Der Begriff „Band“ ist in diesem Zusammenhang allerdings nur insoweit korrekt gewählt, als dass es natürlich auch bei einer Jamsession sinnvoll ist, wenn man zumindest einen Gitarristen, einen Bassmann und einen Schlagzeuger hat, um all’ die gängigen Klassiker der Genres Rock, Pop und Blues allein schon von der Instrumentierung her authentisch herüberbringen zu können.

Das Besondere indes ist, dass sich diese „Bands“ an den jeweiligen Abenden immer wieder in anderen Besetzungen präsentieren, was nicht nur für Abwechslung, sondern auch für manche Überraschung sorgt. So etwa bei der diesjährigen September-Ausgabe: Zu fortgeschrittener Stunde betritt da ein Mann mit zotteliger Langhaarfrisur und einer ziemlich abgegriffenen Westerngitarre die Bühne, die – bezogen auf das Instrument, wohlgemerkt – einen krassen Gegensatz zur instrumentalen Ausstattung der anderen anwesenden Gitarristen. Und dies erst recht, als er ein Board mit Effektgeräten an einen der mächtigen Verstärker anschloss, an das er dann noch seine „Lagerfeuerklampfe“ anstöpselte.

„Was soll das bloß werden? Hannes Wader auf Wah-Wah, oder was?“ – so hörte man es raunen. Aber schon nach den ersten Takten des Mannes mit der Westerngitarre dürfte allen klar gewesen sein, dass dieser sein Instrument meisterhaft beherrscht: Fingerstyle (also ohne Plektrum) riss er die Leadgitarrenparts an sich, ließ seine Hände in rasantem Tempo über die Saiten fliegen, improvisierte zwischendurch über diverse Akkorde und krönte seinen Auftritt noch mit brillantem Fingertapping. Dies alles auf einer Akustikgitarre!

Mithin war dies aber eben nicht das einzige besondere Ereignis in der nun schon fast zwei Jahrzehnte währenden Jamsession-Historie. Beeindruckend war im Jahr 2012 beispielsweise ein Gastspiel der damals gerade zwölf Jahre alten Carlotta Truman aus Garbsen, die es 2009 bis ins Finale der RTL-Castingshow „Das Supertalent“ geschafft und im Jahr 2011 den von der Deutschen Popstiftung ausgelobten „Deutschen Rock & Pop Preis“ als beste Sängerin gewonnen hat. Im „Känguruh“ war sie zu den Musikern auf die Bühne gestiegen und schmetterte Songs von Weltklassesängerinnen wie Adele, Amy Winehouse und Duffy ins Mikro.

Und auch der durch viele Höhen und Tiefen des Lebens gegangene, deutsche „Countryrocker“ Gunter Gabriel sowie der aus den USA stammende, legendäre Bluesmusiker Lousiana Red, der von 1981 bis zu seinem Tod im Jahr 2012 in Hannover lebte, mischten bereits bei Jamsessions in Bückeburg mit.

Ungeachtet solch spezieller Gastmusiker: Die Jamsessions im „Känguruh“ würden nicht funktionieren ohne die Stammmusiker des Hauses, die bereits seit Jahren und zum Teil sogar schon von Anfang an mit von der Partie sind und die Veranstaltungsreihe durch ihre regelmäßige Präsenz am Leben halten.

„Alle Namen zu nennen, würde den Rahmen sprengen“, sagt Brauner. Exemplarisch verweist er jedoch auf die Gitarristen „Olli“ Schröder („wenn der nicht Geburtstag oder 40 Grad Fieber hat, ist der eigentlich immer da“), Jens Petersen und Peter Wilcek (spielt unter anderem auch noch Saxofon), die Bassmänner Peter Burrack und Martin „Wunz“ Homeier sowie der Schlagzeuger Alexander Wenn.

Oft dabei ist zudem Alexander zu Schaumburg-Lippe, der als begnadeter Keyboarder in der Szene bekannt ist – und den der Kneipenwirt so charakterisiert: „Wenn der als Mucker hier rein kommt, dann ist er Alex und nicht der Fürst.“



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