weather-image
14°

Der „Wiehenvenator albati“ ist der größte Raubsaurier, der je in Deutschland gefunden wurde

Das Monster von Minden

veröffentlicht am 07.09.2016 um 18:04 Uhr

270_0900_12697_hin101_0809.jpg

Autor:

Felix David

Die Überreste sollen vom ersten und größten Raubsaurier stammen, der bisher in Deutschland gefunden wurde. Er gilt als das „Monster von Minden“ und wurde im Oktober 1998 ausgegraben: der größte Raubsaurier, der bisher in Deutschland gefunden wurde. Jetzt haben ihn Paläontologen eindeutig als erste Spezies einer bislang unbekannten Gattung klassifiziert. Oliver Rauhut von der Universität München sowie Tom Hübner und Klaus-Peter Lanser, ehemalige Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), haben den Saurier untersucht. Die Fachleute haben ihm den wissenschaftlichen Namen Wiehenvenator albati (Wiehengebirgsjäger) gegeben, benannt nach seinem Finder Friedrich Albat.

Der Saurier lebte im mittleren Jura vor etwa 163 Millionen Jahren. Er ist der erste in Deutschland entdeckte Raubsaurier aus dieser Zeit und besitzt die größten Ausmaße: Das Tier war vermutlich acht bis zehn Meter lang, im Vergleich mit anderen Raubsauriern sehr kräftig gebaut und wog mehr als zwei Tonnen. Wahrscheinlich war er noch nicht vollständig ausgewachsen, vermuten die Wissenschaftler.

Die bisher gefundenen Überreste des Wiehenvenator albati bilden zwar kein vollständiges Skelett, sind aber sehr gut erhalten und zeigen anatomische Details, die eindeutig beweisen, dass es sich um eine neue Gattung und eine neue Art handelt. Einige der gefundenen Zähne sind so groß wie Bananen und zum Rachen hin gekrümmt. Ähnlich wie Allosaurus oder der viel spätere Tyrannosaurus Rex lief Wiehenvenator albati auf den Hinterbeinen und besaß nur kurze Vorderläufe.

Noch sind nicht alle Knochen des Raubsaurier-Schädels gefunden worden. Abbildung: LWL

Die versteinerten Knochen und Zähne hatte der im Auftrag des LWL-Museums für Naturkunde untersuchende Geologe Friedrich Albat bei einer Routinebegehung in einem stillgelegten Steinbruch im Wiehengebirge in der Nähe von Minden entdeckt. Albat hatte im gesamten Weser- und Wiehengebirge Geländeuntersuchungen vorgenommen. Fachleute haben daraufhin mehrere Jahre lang an dieser Stelle gegraben.

Die Funde wurden in einer Werkstatt in Münster präpariert. Die Fossilien waren in Meeressedimenten eingeschlossen, was die Forscher überraschte, weil es sich um die Überreste eines Landraubtiers handelte. Im mittleren Jura waren große Teile Mitteleuropas von Meer bedeckt. Die Funde sind noch bis zum Jahr 2022 in der Ausstellung „Dinosaurier – die Urzeit lebt!“ im Museum für Naturkunde in Münster zu sehen. Dino-Experte Klaus-Peter Lanser: „Es war sofort klar, das ist ein sehr besonderer Fund. Daher haben wir diese Meldung damals nicht sofort an die Öffentlichkeit gegeben. Umso erfreulicher, dass wir nach fast genau einem Jahr in 30 Meter Entfernung Reste eines weiteren Raubsauriers fanden, der sich von dem ersten deutlich unterscheidet. Den weiteren Fund stellen wir demnächst der Öffentlichkeit vor.“

Die Forscher gehen davon aus, dass Wiehenvenator albati auf Inseln im Meer lebte. „Offenbar gab es auf diesen Inseln eine große Bandbreite zum Teil sehr großer Raubsaurier“, sagt Rauhut, „und zwar überwiegend aus der Gruppe der Megalosaurier, wie Funde aus Frankreich und England sowie der neue Raubsaurier aus Deutschland zeigen, der ebenfalls zu dieser Gruppe gehört.“ Die Megalosaurier waren die ersten Riesen-Raubdinosaurier der Erdgeschichte.

Eine stammesgeschichtliche Analyse der evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse von Wiehenvenator albati ergab, dass der Raubsaurier zu einer Großgruppe gehört, deren Artenreichtum im mittleren Jura geradezu explosionsartig zunahm. „Zu dieser Zeit entstanden praktisch alle wichtigen Raubsaurier-Gruppen, darunter auch die Tyrannosaurier, die erst 80 Millionen Jahre später wirklich gigantische Formen hervorbrachten, und auch die ersten direkten Vogelvorfahren“, sagt Rauhut. Für dieses rasche Entstehen neuer Arten hatte vermutlich das Aussterben eines Großteils der Raubsaurier am Ende des unteren Jura den Weg freigemacht, möglicherweise aufgrund eines durch Vulkanausbrüche ausgelösten Klimawandels.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?