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Museen in Deutschland inszenieren zunehmend auf spannende Weise die Geschichte des Fahrens / Sieben Beispiele

Das Leben mit dem Auto

veröffentlicht am 28.08.2016 um 18:06 Uhr

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Das Automobil wurde in Deutschland erfunden. Seit vielen Jahren bildet seine Produktion den Wirtschaftsmotor dieses Staates. Und schon sehr lange ist es nicht nur Fortbewegungsmaschine, sondern auch Familienmitglied, Sportgerät und Kultobjekt. Viel gibt es über das Leben mit dem Auto und die Historie der unzähligen Modelle zu erzählen. Das geschieht in großen und kleinen Ausstellungshäusern, mitunter weit weg von Großstädten. Die Besucher haben ja fast alle ein Auto und sind gerne damit unterwegs. Hessisch Oldendorf hätte das Potenzial, mit zwei dort vorhandenen großen privaten VW-Sammlungen, mit „Bullis“ und „Käfern“, Interessierte von weit her anzulocken. Anderswo hat es funktioniert – mit ganz verschiedenen Konzepten.

Automuseum Melle: Laut Initiator Heiner Rössler ist es „eines der ältesten und größten Automuseen in Deutschland“. Es wartet mit einer Besonderheit auf: „Wir sind weltweit das einzige Museum, in dem ausschließlich fahrbereite Fahrzeuge stehen.“ „Technik muss bewegt werden, sonst geht sie kaputt“, ist sein Credo. Das gelingt mit einem Trick: Die regelmäßig präsenten 300 bis 400 Fahrzeuge stammen meist von Leihgebern, die sich verpflichten, ihre Oldies spätestens nach einem halben Jahr wieder in Bewegung zu setzen. So gibt es eine Fluktuation unter den Exponaten des Museums, das in einer denkmalgeschützten Möbelfabrik untergebracht ist. Derzeit läuft die Sonderschau „NSU – Glückliche Zeiten – Traurige Zeiten“. www.automuseum- melle.de

PS-Speicher: „Wir speichern Pferdestärken statt Korn“, sagt der Museumsführer im Aufzug ins Obergeschoss, wo die automobile Zeitreise im ehemaligen Kornspeicher der Stadt Einbeck losgeht. Sie startet zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als der Erfinder Karl Drais seine ersten Laufräder konstruierte. Sie endet mit einem Ausblick in die Zukunft der Automobilität, etwa dem automatisierten Fahren. Anhand von 350 Exponaten, verteilt auf sechs Etagen, wird die Geschichte der motorisierten Mobilität aus mehr als zwei Jahrhunderten erzählt – szenisch eingebettet in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext. Die Fahrzeuge, darunter viele Motorräder, stammen größtenteils aus der Privatsammlung des Einbecker Unternehmers Karl-Heinz Rehkopf, der sein Geld über 40 Jahre mit Teppichen verdiente. www.ps-speicher.de

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Im EFA Automobilmuseum dürfen sich Besucher auch selbst hinter das Lenkrad einiger Klassiker setzen – und die Wagen sogar fahren. Foto: EFA Auto- mobilmuseum

EFA Museum für deutsche Automobilgeschichte: Noch einen Schritt weiter geht man im oberbayerischen Amerang: Manche Exponate darf der Besucher sogar selber fahren. Zur Auswahl stehen etwa ein Porsche 356 (Baujahr 1961), ein BMW 503 Cabrio (1958) oder ein Mercedes 280 SE Cabrio (1970). Die Ausfahrten in Begleitung eines Museumsmechanikers dauern drei bis vier Stunden. Über 120 Kilometer führt die Route durch den Chiemgau und die Alpenlandschaft. Das kostet 400 bis 800 Euro plus Mehrwertsteuer. Im Museum werden 220 deutsche Automodelle aller Marken auf über 6000 Quadratmeter gezeigt. www.efaautomuseum.de August Horch Museum Zwickau: „Automobile Geschichte erleben“, lautet das Motto hier. Die Macher pflegen die geschichtlichen Wurzeln der Marken Horch, DKW, Wanderer und Auto Union und damit die Historie des regionalen Fahrzeugbaus in Zwickau. Geboten werden 110 Jahre Automobilbaugeschichte in über zehn Gefühlswelten. So nennt eine Sprecherin den Ansatz des szenischen Ausstellungsaufbaus, an dem sich auch der Einbecker PS-Speicher orientiert. Eine Tankstellen-Szene der späten 1920er Jahre ist ebenso zu sehen wie eine nachgestellte frühere IAA-Messefläche oder das originale Arbeitszimmer von August Horch. Das bis dato älteste Modell ist ein grüner Horch 12/28 PS Typ K Phaeton von 1911. 2017 wird das Museum erweitert – danach können die Gäste von Zuschauerrängen aus das berühmte Silberpfeil-Rennen verfolgen, einen Trabi tunen und das Flair einer originalgetreuen Datsche in sich aufnehmen. www.horch-museum.de

Mobile Welt des Ostens: Das Museum öffnete 2006 im südbrandenburgischen Calau. Dort erläutert ein in der DDR studierter Kraftfahrzeugtechniker die automobilen Errungenschaften des Ostens. Derzeit sind etwa 80 Pkw und 120 Zweiräder zu sehen, darunter Fahrzeuge aus russischer Produktion wie ein SIS 110 Cabrio oder ein seltener Tschaika-Krankenwagen, aber auch ein 4,5 Tonnen schwerer gepanzerter Skoda VOS sowie tschechische Tatras. Kern der Schau: DDR-Mobile wie ein Framo Fensterbus oder ein EMW 327. Der stammt aus der Zeit, als in Eisenach Vorkriegs-BMW-Modelle mit Beginn der 1950er Jahre zwar weitergebaut, aus namensrechtlichen Gründen aber nicht als BMW gelabelt werden durften. Auch Trabis und Wartburgs fehlen nicht. www.mobileweltdesostens. de

Automuseum Prototyp: Rennsportgeschichte aus der Warte der Protagonisten im Cockpit ist das Leitmotiv des 2008 eröffneten Museums in der Hamburger Hafencity. Es werden nicht nur PS-Raritäten präsentiert, auch das Leben der Menschen, die sie fuhren, wird inszeniert. Für Action sorgt ein Porsche 356-Fahrsimulator, für das Entdecken der Aerodynamik ein Modell-Windkanal. Auch wechselnde Sonderausstellungen gibt es: Ab 11. November sind die „BMW Art Cars“ zu sehen, die Künstler wie Roy Lichtenstein oder Andy Warhol gestalteten. www.prototyp-hamburg.de

Museum Volante: In den 1920er und 30er Jahren war die große Zeit der Carrossiers, die Fahrwerk und Technik der Hersteller einkleideten, um den betuchten Kunden das Gefühl höchster Individualität zu geben. Einer dieser Karosseriebauer war die französische Firma Vanvooren – Steckenpferd der Betreiber dieses kleinen Museums in Kirchzarten unweit von Freiburg. Anhand der Einzelstücke gewährt das 2015 eröffnete Haus einen Einblick in eine besondere automobile Epoche. Das erste Vorkriegsmodell, das sich der Museumsbetreiber zulegte, war ein Vanvooren Hispano-Suiza von 1937, den einst der spätere französische Wiederaufbauminister Raoul Dautry fuhr. Acht der seltenen Vanvooren-Oldies sind zu sehen. Insgesamt umfasst die Sammlung 45 Klassiker. www.museum-volante.de



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