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Der Fall des Coppenbrügger Katers – unzählige Streuner teilen sein Schicksal

Das Katzendrama

Coppenbrügge. Der kleine Kater, der in Coppenbrügge angefahren worden ist, hat mit viel Glück und Unterstützung unserer Leser ein neues Zuhause gefunden. Durch die Hilfe seiner Retterin Britta Marhauer konnte er operiert werden. Wir haben uns das Problem streunender Katzen genauer angeschaut.

veröffentlicht am 01.07.2016 um 20:22 Uhr
aktualisiert am 04.07.2016 um 19:20 Uhr

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Autor:

Maike Lina Schaper

Auch die Tierarztrechnung ist kein Problem mehr – die Tierfreunde Rainer und Petra Hinzmann haben sich bereiterklärt, die Behandlungskosten zu übernehmen. Alle Spenden, die Marhauer gesammelt hat, werden der weiteren Versorgung des Katers zugutekommen. Allein auf den Facebook-Seiten unserer Zeitung haben über 22 000 Menschen Anteil an dem Fall genommen und viele in Kommentaren oder eigenen Aktionen ihre Hilfe zugesagt. Mit derartig viel Unterstützung hatte Marhauer nicht gerechnet. „Ich bin glücklich, dass alles so gut ausgegangen ist“, sagt die 35-Jährige. Aber es hätte auch anders kommen können. Beinahe wäre sie auf den Behandlungskosten sitzengeblieben, weil die zuständige Gemeinde Coppenbrügge deren Übernahme verweigert. Begründung: Tierretterin Marhauer habe sich nicht nur falsch verhalten, das Tier sei darüber hinaus ein Streuner, für den ohnehin nicht gezahlt werden müsse. Diese bürokratische Ablehnung sorgte weit über die Grenzen Coppenbrügges hinaus für Empörung.

Rechtliche Hintergründe

Wer ein Tier findet – ob verletzt oder nicht – muss den Fund zuerst bei der Kommune anzeigen, in der das Tier gefunden worden ist. Falls diese gerade keine Sprechzeiten hat, nimmt die Polizei die Fundanzeige auf. Im Fall von Fundtieren übernehmen die Kommunen die Kosten für die tierärztliche Behandlung und die weitere Unterbringung und Versorgung des Tieres im Tierheim für einen Zeitraum von sechs Monaten. Danach finanziert sich die Unterbringung des Tieres aus Spenden. Bei gefundenen Tieren können die Kommunen allerdings die Kostenübernahme verweigern, wenn es sich nicht um ein Fundtier handelt, sondern das gefundene Tier als „herrenlos“ eingestuft wird. Der Unterschied: Bei Fundtieren geht man davon aus, dass sie ihrem Besitzer weggelaufen sind oder der Halter unbekannt ist. Herrenlose Tiere hingegen wurden von ihrem Besitzer verlassen und das Eigentum durch Aussetzen aufgegeben. In der Regel wird allerdings davon ausgegangen, dass es sich bei dem gefundenen Tier um ein Fundtier handelt, nicht nur, weil die Unterscheidung in der Praxis schwierig ist, sondern auch, weil das Aussetzen eines Tieres durch das Tierschutzgesetz mit einer hohen Geldstrafe von 25 000 Euro geahndet wird.

Wie viele frei lebende Katzen gibt es im Landkreis?

Darüber gibt es keine Statistiken oder Aufzeichnungen. Anders als für Hunde gibt es in Niedersachsen für Katzen keine umfassende Chip- oder Meldepflicht. Auch lassen viele Besitzer ihre Katzen nicht kastrieren und ein halbwildes Leben führen. So vermehren sich die Katzen im Landkreis viel häufiger als Hunde und füllen das Tierheim mit ihrem Nachwuchs. Die ersten Kommunen im Landkreis haben bereits eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen eingeführt. Darunter sind Bad Münder, Bad Pyrmont und Coppenbrügge. In diesen Kommunen müssen die Katzen zudem gekennzeichnet und registriert werden. Ob sich die Einführung dieser Pflichten allerdings lohnt, ist umstritten, denn eine effektive Kontrolle ist schwierig.

Was kostet die Unterbringung?

150 000 Euro – das ist die Summe, die die Kommunen des Landkreises im vergangenen Jahr für 240 Fundtiere an das Tierheim Hameln gezahlt haben. Nachdem das Tierheim aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in die Schlagzeilen geraten war, haben die Kommunen untereinander eine Vereinbarung geschlossen, nach der sie seit dem 1. Januar 2014 jährlich einen Pauschalbetrag für vorgehaltene Plätze und anteilige Kosten bezahlen. Von den 150 000 Euro trägt die Stadt Hameln den Löwenanteil von 60 Prozent. Das liegt laut Vorstandsmitglied Jörg Wechenberger vom Tierschutzverein Hameln nicht daran, dass in Hameln besonders viele Tiere ihr Zuhause verloren hätten, es fiele den Menschen nur mehr auf als auf den Dörfern, wo streunende Katzen ein gewohnteres Bild abgeben.

Wie schnell vermehren sich Katzen?

ätzinnen sind in der Regel zweimal im Jahr rollig. Die erste Paarungsbereitschaft signalisieren sie im März/April, die zweite im Juni/Juli. Bei guter Pflege und Fütterung kann auch eine dritte Rolligkeit im September dazukommen. Nach neun Wochen gebiert die Kätzin zwei bis acht Junge. Die Nachkommen aus der ersten Phase werden derzeit vermehrt im Tierheim Hameln abgegeben.

Wer kümmert sich um das Problem?

Sowohl hinter dem Tierheim Hameln als auch hinter dem Tiernotruf Aerzen stehen eingetragene Vereine, deren Mitglieder sich um gefundene Tiere kümmern. Während hinter dem Tierheim der Tierschutzverein Hameln-Pyrmont steht, hat die Aerzenerin Susanne Mundhenk-Alpert vor gut einem Jahr eine eigene Facebookseite ins Leben gerufen, auf der sie Tiere vermittelt. Selbst für schwierige Fälle, wie die Vermittlung von Rehen oder Wildschweinen hat Mundhenk-Alpert eine Pflegestelle an der Hand.

Wie kann man helfen?

Im Landkreis gibt es viele Tiere, die in Notsituationen Hilfe brauchen oder ein Zuhause suchen. Wer helfen will, kann an das Tierheim Hameln oder den Tiernotruf Aerzen spenden. Unter folgenden Kontodaten kann für diese Vereine gespendet werden. Tierheim Hameln: Stadtsparkasse Hameln, IBAN DE76 2545 0001 0000 0187 70 oder Volksbank Hameln-Stadthagen, IBAN DE06 2546 2160 0712 6859 00. Tiernotruf Aerzen: Sparkasse Weserbergland, IBAN DE97 2545 0110 0161 1864 08.



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