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Wassersport und Tourismus im Sommer

Das ist los auf der Weser

Sommer, Sonne, Spaß auf dem Wasser. Bei gutem Wetter ein Anziehungspunkt: die Weser. Am, auf und im Fluss ist in der Hochsaison eine Menge los. Wer fährt, wer wird nass und wer arbeitet hier? – Wir machen eine Flusstour.

veröffentlicht am 28.07.2018 um 07:30 Uhr
aktualisiert am 03.08.2018 um 14:52 Uhr

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Ausgangspunkt ist Hameln, von hier aus geht es durch die Schleuse stromabwärts in Richtung Rinteln und stromaufwärts nach Höxter. Ungefähr in diesem Bereich zwischen Weser-Kilometer 85,2 (unterhalb von Stahle) und 154 (oberhalb von Rinteln) liegt der Zuständigkeitsbereich des Außenbezirks Hameln des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hannoversch Münden (WSA). Da gibt es viele Freizeitmöglichkeiten – aber nicht alles ist auf der Weser erlaubt, wie von Ralph Schwekendiek vom WSA zu erfahren ist. Möglichkeiten, die Weser zu nutzen, gibt es dennoch zur Genüge.


Schlauchbootfahren mit 15-PS-Motor
Ohne Sportbootführerschein darf man auf der Weser Boote – vorwiegend sind dies Schlauchboote – mit maximal 15 PS fahren. Birgit Albrecht nutzt dies gerne und lässt sich den Fahrtwind um die Ohren wehen. Al-brecht, oft genug mit ihrem Mann auf der Weser unterwegs, kennt sich aus. Der Vorstand des Motorbootclubs Hameln rät Anfängern, sich nicht einfach in ein Boot zu setzen und vor allem: sich selbst nicht zu überschätzen. „So ein kleines Schlauchboot mit 15-PS-Motor ist sehr schnell. Die meisten, die damit zum ersten Mal fahren, haben zudem keine Ahnung von Verkehrszeichen“, sagt Sportwart Andreas Mahlert. Wer ein Boot bei einem örtlichen Verleiher mieten möchte, bekommt eine Einweisung. Im Zweifel sollte man allerdings lieber erst einmal bei jemandem mitfahren, der sich auskennt.

Rudern
Anne Gerlach liebt es, sich in der Natur zu bewegen, über das Wasser zu gleiten und dabei ihren Körper zu trainieren – wohlgemerkt: gelenkschonend. Auf der Weser zu rudern ist mehr als nur ein Hobby: Es ist für die 50-Jährige Sport und Freizeitgestaltung zugleich. „Manchmal unternehmen wir eine dreitägige Tour bis nach Bad Karlshafen“, erzählt das Vorstandsmitglied des Rudervereins „Weser“. Die Weser biete gute Bedingungen, da es hier kaum Schiffsverkehr gebe. „Auf dem Rhein fühlen sich Ruderer wie Fahrradfahrer auf der Autobahn.“ Die Strömung helfe beim Rudern. Ab elf Jahren bis ins hohe Alter ist Rudern möglich; ein Kurs in einem Verein ist aber notwendig, denn die Technik muss erlernt werden; es ist ja schließlich Sport. Gerudert wird immer rückwärts; ein Steuermann unterstützt im Zweier, Vierer und Achter.

Weserschifffahrt
Katja Goslar fährt mehrmals täglich stromauf und -ab. Sie ist Steuerfrau und Serviceleitung auf dem Fahrgastschiff Hameln der Flotte Weser. 396 Gäste passen auf das Passagierschiff; das in Richtung Atomkraftwerk ein- und zweistündige Fahrten unternimmt. Weserabwärts geht es mit der Strömung meistens schneller, aber immer noch moderat, sodass man in Ruhe Fotos machen kann. Goslar begrüßt an Bord viele Touristen, aber auch Einheimische. Fischbrötchen auf der Speisekarte unterstreichen das maritime Flair. Das ganze Jahr über bietet die Flotte Weser Fahrten (im Winter sind dies vor allem Events) an. „Im Sommer ist natürlich mehr los“, sagt Katja Goslar. Probleme gibt es in der Hauptsaison von April bis Oktober höchstens mal bei Hochwasser, dann können die Schiffe nicht fahren. In diesem Sommer ist dies nicht der Fall.

Angeln
Unter Hamelner Anglern erzählt man sich gern vom Eisvogel, der sich beim Angeln auch schon mal auf die Spitze der Rute setzt. Es ist ein Sinnbild für die Naturverbundenheit vieler Angler. Kaum ein Angler, der nicht von der Natur, dem Wasser, der Landschaft und der damit einhergehenden Entspannung schwärmt. Peter Siegmann, der Vorsitzende des Sportfischervereins Hameln, bringt es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Den Enten schmeckt das Fischfutter auch gut.“ Ihm geht es, wie vielen anderen auch, vor allem um das Naturerlebnis. In Hameln bietet sich neben den Kiesteichen natürlich die Weser zum Angeln an. „Angeln bedeutet für mich Freude, Austausch mit anderen Leuten und Zufriedenheit, die durch die Ruhe beim Angeln entsteht“, sagt Artur Weiß (49) vom Fischerverein Wehrbergen-Helpensen. „Wenn man dann auch noch einen Fisch fängt, dann ist man glücklich.“

Kanufahren – und mehr
Kanufahren und Angeln haben etwas gemeinsam. So wie viele Angler am Angeln schätzen auch viele Kanuten am Kanufahren das Naturerlebnis. „Die Faszination am Kanufahren besteht für mich darin, die Natur zu erleben und die Ruhe auf dem Wasser zu genießen“, sagt Mario Zoblinski, der Vorsitzende des Kanu-Clubs Hameln. Für ihn und andere bedeute das Kanufahren auf der Weser auch ein Abschalten von der Arbeit. „Deshalb bieten wir auch das After-Work-Paddeln an“, sagt Zoblinski. Um daran teilnehmen zu können, brauche es keine Mitgliedschaft im Verein. Vermietet würden die Kanus an Nichtmitglieder allerdings nicht – „aus Sicherheitsgründen“, wie Mario Zoblinski anmerkt. Interessenten hätten aber die Möglichkeit, eine dreimonatige „Schnupper-Mitgliedschaft“ abzuschließen. Längst hat der Kanu-Club sein Angebot zudem erweitert: Auch Drachenboot- und Outrigger-Fahren ist möglich. Darüber hinaus findet immer donnerstags ein Schnupperkurs im Stand-up-Paddling statt, „das derzeit besonders beliebt ist“.

Stand-Up-Paddling
Der Trend geht weiter: Seit drei Jahren bietet unter anderem Weser-Erlebnis Kanutouristik aus Heyen Stand-Up-Paddling an – die Nachfrage ist weiterhin groß. Laut Manfred Berg kann man sportlich oder gemütlich auf der Weser unterwegs sein; schwierig ist Stand-Up-Paddling, kurz SUP, nicht: „Es empfiehlt sich aber, einen Grundkurs mal mitgemacht zu haben“. Denn Tipps und Tricks beim Paddeln seien schon wichtig, gerade in puncto Sicherheit. Fürs allererste Mal sei Strömung nicht so gut, Berg trainiert mit den Anfängern meistens im Hafenbecken. Der Experte empfiehlt lockere Sportkleidung oder Badesachen; Neoprenanzüge sind erst bei kälteren Temperaturen notwendig. Die Strecke zwischen Bodenwerder und Hameln biete sich für erfahrene Stand-Up-Paddler an; Anfänger stehen meist nur zwei Stunden auf dem Board. Demnächst möglich bei Weser-Erlebnis Kanutouristik: Yoga auf dem SUP-Board.

Schwimmen
Rund 20 Grad Wassertemperatur, dazu wenig Strömung: Im Bereich Tündern und Ohr sei Schwimmen in der Weser möglich. „Wir haben nichts dagegen“, sagt Ralph Schwekendiek vom WSA. Wo die Strömung allerdings zu groß ist sowie im Bereich der Wehre sei Schwimmen auf keinen Fall erlaubt. Mittlerweile wird der Weser eine ausgezeichnete Wasserqualität bescheinigt. Die DLRG warnt allerdings: „Schwimmen und baden Sie nicht dort, wo Schiffe und Boote fahren. Schifffahrtswege, Buhnen, Schleusen, Brückenpfeiler und Wehre sind keine Schwimm- und Badezonen“. Auch bei bewachsenen Uferzonen sei Vorsicht geboten, hier könne man hängen bleiben. In jedem Fall eine Abkühlung ist die Weser für Tiere: Enten tummeln sich hier, manch eine Kuh geht von der Weide ins Wasser und Hunde springen ins kühle Nass.

Wasser- und Jetski
Zwei Abschnitte gibt es, auf denen Wasserski-Fahren erlaubt ist – allerdings auch nicht zu jeder Zeit. Zwischen Stahle und Heinsen (Weser-Kilometer 85,60 bis 87,00) kann man nur an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen von 10 bis 17 auf die Skier steigen und sich hinter dem Boot herziehen lassen. Zwischen Bodenwerder und Kemnade (Weser-Kilometer 112,10 bis 114,10) ist Wasserski-Fahren ganzjährig von 9 bis 18 Uhr erlaubt. Ganz unanstrengend ist das Hobby nicht. Ist der Skifahrer bereit, beschleunigt der Fahrer das Boot, um ihn aus dem Wasser zu ziehen. Hier ist das Timing entscheidend, denn es ist wichtig „in der Hockstellung zu bleiben und zu warten, bis das Boot so weit beschleunigt hat, dass genügend Kraft zwischen ihm und dem Ski ist“, heißt es. Erst dann kann man sich aufrichten. Einfacher ist es da, sich auf einem Reifen hinterherziehen zu lassen. Erlaubt ist auch das Jetski-Fahren auf der Weser – „aber nur von A nach B“, wie Ralph Schwekendiek vom WSA anmerkt. „Kunststückchen“, wie sich auf der Stelle drehen, wilde Kurven fahren und so weiter, das ist nur in einem ausgewiesenen Streckenabschnitt bei Rinteln erlaubt.

Motorbootfahren
Mit seiner Annamaru von Hameln bis an die Ostsee: Andreas Mahlert, Sportwart beim Hamelner Motorbootclub, ist von Mai bis September gerne und so oft wie nur möglich mit seinem zehn Meter langen Sportboot auf dem Wasser. Ein Sportbootführerschein ist Pflicht für dieses Boot. Bis zu 35 Stundenkilometer sind außerhalb des Stadtgebiets auf der Weser erlaubt; gerade am Wochenende sei auf der Weser vor dem Motorbootclub richtig was los. 30 bis 40 Boote, Kanuten und andere seien unterwegs. Die Wochenenderholung auf der Weser ist für Mahlert „ein Traum“, die Weser findet er „superklasse, denn sie hat aufgrund ihrer Fließgeschwindigkeit ihren Reiz“. Manchmal lässt er auch einfach den Anker ins Wasser und bleibt für ein paar Stunden am selben Fleck. Doch gerne reizen ihn weitere Touren, auf denen er mit seinem Boot in Bereiche kommt, die er sonst nicht sehen könnte.


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