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Rattenfänger-Literaturpreis zeichnet insgesamt 13 Bücher ideell aus – Teil 2

Bücher: Die Welt der Sagen und Märchen

Einen Monat ist es her, dass der Gewinner des Rattenfänger-Literaturpreises 2018 bekanntgegeben wurde. Mit „Krakonos“ überzeugte Wieland Freund die Jury restlos. Geschickt verknüpft der Autor Science-Fiction-Elemente mit der deutschen Sagentradition. Die Jury empfiehlt neben dem Preisträger-Buch noch zwölf weitere Bücher. Alle 13 Bücher beschäftigen sich mit Märchen, Sagen und Mythen und verbinden die Inhalte mit Moral und Weisheit. Wir präsentieren heute und morgen die 13 Werke. Heute Teil 2.

veröffentlicht am 06.06.2018 um 12:51 Uhr

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Von Sophie Aigelsreiter

„Der König, der nicht lachen konnte“

vom NordSüd Verlag
Ist eine Sammlung georgischer Märchen, die denen der Gebrüder Grimm zum Teil gleichen. Im Fokus der Handlung stehen Könige, Waisen, Füchse und andere Tiere. Besonders in ihrer Grausamkeit ähneln sie sich, denn die Sterblichkeit der auftretenden Charaktere in den einzelnen Geschichten ist hoch. Das Buch wird eröffnet mit dem Märchen vom „Halbhuhn“, welches alles verschlingt und schließlich den König und sein Gefolge ertränkt. Sind die Märchen mit teils grotesken Darstellungen von Monstern und bösen Geschwistern untermalt, so kann es einem in seiner Absurdität auch ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Das Buch eignet sich gut, um in die traditionsreiche Märchenkultur Georgiens einzusteigen.





„Im Land der Chintier“

von Anne Brouillard
Die Autorin erzählt mit Witz und Charme von Killiok, dem schwarzen Hund, und Veronika, die sich im imaginären Land „Chintia“ auf die Suche begeben. Anlass ist das Verschwinden des Zauberers Vari von Drunter, der seit Tagen als vermisst gilt. Um ihn zu finden, müssen die Freunde den großen Wald durchqueren. Detaillierte Karten auf den ersten Seiten untermalen die Geschichte und bringen ihr einen gewissen Kontext. Andererseits erhofft man sich durch die vorgestellten Orte beinahe noch mehr, als geboten wird. Mit moralischen Inhalten über Freundschaft bietet sich das Bilderbuch für Kinder ab dem Grund- und Vorschulalter zum gemeinsamen Lesen an.





„Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle“

von Timothée de Fombelle
Wer eine poetische, abwechslungsreiche Liebesgeschichte, gespickt mit historischen Details sucht – der liegt bei diesem Buch genau richtig. Nachdem die Mutter der Brüder Ian und Ilian gestorben ist zerstreiten sich die Brüder. Als sie sich beide in eine Fee verlieben, verbannt Ian seinen Bruder in unsere Welt. Ein dramatisches Abenteuer zwischen den Welten beginnt, in dem Ilian verzweifelt versucht die Existenz seiner Heimat zu belegen. Er sammelt die Hinweise in einem Koffer. Was er nicht weiß: Die Geliebte folgte ihm in unsere Welt, darf sich aber wegen einem Fluch nicht zu erkennen geben. Sicher nicht nur für Teenager ab 12 Jahren spannend.





Der Lügenbaum“

von Frances Hardinge
Die junge Faith lebt in einer Zeit, in der Frauen eine Meinung verboten ist. Mühsam hat sie mit ihren Eltern zu kämpfen, doch als ihr Vater verstirbt offenbart sich dem Mädchen ein weitaus größeres Rätsel. Auf Faiths Suche nach dem Mörder ihres Vaters wird sie mit Wahrheiten und Lügen konfrontiert. Trotz des sich ziehenden Einstiegs – der Lügenbaum tritt als benennendes Element erst nahe Seite 170 auf – ist der detailreiche Schreibstil der Autorin hervorzuheben. Zwar entwickelt man keine empathische Beziehung zu den Charakteren, aber ihre Handlungen sind glaubhaft. Teenager ab 13 Jahren brauchen hier einen langen Geduldsfaden, der sich bezahlt macht.












„Der Ring des Polykrates“

von Schiller/Almud Kunert
Die Geschichte spielt im alten Griechenland und erzählt, mit dem ursprünglichen Gedicht von Schiller, von einem König, dem kein Unglück widerfährt. Diener machen ihn aufmerksam, dass das Glück eines Tages vergehen wird und sich ins Furchtbare wenden wird. König Polykrates folgt ihrem Rat und wirft seinen wertvollsten Ring ins Meer, um seine Glückssträhne vorsätzlich zu beenden. Zwar sind die Bilder lebhaft und bunt, doch ist das Gedicht schwierig zu verstehen. Kinder im Grundschulalter werden es nur mit der Hilfe der Eltern verstehen. Aber Vorsicht: Auch die sollten sich den Text vorher ansehen!






„Der siebente Bruder oder das Herz im Marmeladenglas“

von Øywind Torseter
Mit ihren farbarmen Seiten und schlichten Zeichnungen sticht die Bildergeschichte vom „Herz im Marmeladenglas“ heraus – aber im positiven Sinne. Der siebente Bruder Hans tritt als Hauptfigur in witziger Begleitung seines mehr oder weniger treuen Pferdes auf. Er verlässt die Burg, um seine Brüder vor einem Troll zu retten, der sie zu Stein erstarren ließ. Mit wenig Text versehen fordert das Buch zum genauen Mitdenken auf. Oft muss man die Seiten länger betrachten, um hinter einzelne Details zu kommen. Mit dezenten Rot- und Blautönen untermalt der Autor im wahrsten Sinne des Wortes die heldenhaften Taten von Hans.





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