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Wie der Mensch den Wildbienen schon mit einfachen Mitteln und ohne großen Kostaufwand helfen kann

Brummer in Bedrängnis

Nur wenige Wochen dauert das Leben einer Wildbiene. Diese Zeit nutzt das Weibchen, um die nächste Generation Wildbienen zu ermöglichen. Dafür benötigt sie jedoch geeignete Höhlen, um ihr Nest zu bauen. Wildbienen legen ein Ei in geeignete Löcher, wie sie zum Beispiel Käfer in totes Holz bohren, oder in Halme. In den Zwischenräumen lagern sie einen Pollen- und Nektarvorrat. Die Larven fressen den Nahrungsvorrat auf, spinnen sich einen Kokon und verpuppen sich. Sie verbringen den Herbst sowie Winter als Larven und schlüpfen im Frühjahr.

veröffentlicht am 02.04.2013 um 00:00 Uhr

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Autor:

Vera Insinger

Diese natürlichen Rückzugsmöglichkeiten werden jedoch immer weniger. Ein Grund dafür ist nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) auch die Ordnungsliebe der Gartenbesitzer. So wird Totholz aus dem Garten entfernt und mit ihm auch eine weitere natürliche Nistmöglichkeit der Wildbienen. Ein weiteres Problem sei die Nutzungsintensivierung auf den Feldern, auf den Wiesen und in den Gärten, die Versiegelung von Flächen, der Rückgang der Pflanzenvielfalt sowie das Vorgehen gegen Wildkräuter auf Feldern, im Garten und auf Freizeitflächen.

Dabei habe das Bienensterben nach Angaben des Nabus große Auswirkungen auf die Landwirtschaft. „Etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion wird von Bestäubung beeinflusst“, informiert der Naturschutzbund. Herrscht Mangel an Bestäubern, fielen die Ernten gering aus. „Dabei spielen Wildbienen eine weitaus größere Rolle als bislang angenommen.“ Das habe ein Forscher-Team herausgefunden. Ihr Fazit: Die weitverbreitete Annahme, die Bestäubung durch „domestizierte“ Honigbienen reiche aus, hohe landwirtschaftliche Erträge zu sichern, stimmt demnach nicht. Die Forscher fordern den Schutz und die Renaturierung naturnaher Lebensräume, blütenreicher Landschaften sowie einen vorsichtigen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln.

Im Kleinen können demnach auch Hausbesitzer mit einem Garten oder Wohnungsbesitzer mit einem Balkon für zusätzliche Nistmöglichkeiten sorgen.

Die Mitglieder des Naturschutzbundes stellen erfreut fest, dass sich das Bewusstsein der Menschen für die Belange der Wildbiene zum Positiven verändert habe. Die Insekten seien jahrelang verteufelt worden. Heute jedoch seien Menschen fasziniert von der Artenvielfalt. Denn: Es gibt mehr als 550 Bienenarten in Deutschland. Trotz ihrer Vielseitigkeit sind mehr als die Hälfte der Wildbienenarten im Bestand gefährdet. Derzeit stehen etwa die Hälfte der Arten auf der Roten Liste und gelten als gefährdet.

Zahlreiche Wildbienen-Arten seien ausgesprochene Spezialisten. Sie stellen besondere Ansprüche an ihre Unterkunft und an die Baumaterialien für ihr Nest.

Übrigens: Anders als Honigbienen leben die meisten Bienen einzeln und werden daher als Einsiedler- beziehungsweise Solitärbienen bezeichnet. Dieses Einzelgängertum bezieht sich auf die Haupttätigkeiten einer weiblichen Wildbiene – Nestbau und Brutpflege.

Das Wissen über den Lebensraum der Wildbiene ist in Deutschland nicht weit verbreitet, sagt der Nabu. Vielmehr stehe die Honigbiene vielfach im Vordergrund.

Die Tier- und Umweltschützer raten zu Nisthilfen für Wildbienen. Zum einen unterstützen diese den Fortbestand der mehr als 550 Arten in Deutschland. Zum anderen bieten bewohnte Brutstätten interessante Anschauungsobjekte. Denn eines ist laut Nabu sicher: „Nisten sich Wildbienen im eigenen Garten ein, kennen Faszination und Freude bei der Beobachtung keine Grenze.“

Ein großer Unterschied zwischen den wilden Solitärbienen, die in Kolonien leben, und den Staaten bildenden Honigbienen ist, dass Wildbienen meist nicht stechen, erklärt Jürgen Müller, Tierpfleger bei der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen. Ursprünglich war der Stachel nämlich lediglich ein Legeapparat, der zum Eierlegen benutzt wurde. Erst die Honigbienen haben Giftstachel zum Schutz ausgebildet.

Wer den gefährdeten Nützlingen etwas Gutes tun will, braucht sich also keine Sorgen um Stechangriffe aus der Luft zu machen. „Als Unterkunft muss es auch nicht immer ein teueres Insektenhotel sein“, weiß der Tierpfleger.

Man kann den Wildbienen schon mit einfachen Mitteln und ohne großen Kostaufwand helfen. Eine Bambusmatte aus dem Baumarkt reiche schon aus. Die Matte wird in Streifen geschnitten, aufgerollt und schon können die Bienen in den dadurch entstandenen Gängen Brutkammern anlegen. Je nach Platz bauen die Nützlinge nach Schätzungen von Müller im Schnitt etwa vier bis fünf Brutkammern pro Gang. Diese füllen sie mit Pollen und legen jeweils ein Ei darin ab.

Eine weitere Möglichkeit ist, in ein Stück Holz unterschiedlich große Löcher zu bohren. Die rote Mauerbiene, eine der häufigsten Arten, wie Müller erklärt, benötigt etwa vier Millimeter große Gänge, andere Wildbienen sind wesentlich kleiner und brauchen daher nicht so große Räume.

Wer eine Nisthilfe baut, sollte jedoch darauf achten, Hartholz zu verwenden, da dies nicht splittert, Lehm eigne sich aber auch gut. Außerdem sollte die Nisthilfe vor Regen geschützt und an einer der Sonne zugewandten Stelle platziert werden. Da Wildbienen nicht stechen, ist es auch kein Problem sie auf dem Balkon oder der Terrasse nisten zu lassen. Je mehr unterschiedlich große Gänge zur Verfügung stehen, desto mehr Arten siedeln sich an. Der Nabu rät:

Vermeiden Sie untaugliche Nisthilfen, insbesondere solche mit Glasröhrchen zur Beobachtung der Nistaktivitäten. Die Wildbienenbrut kann in den Röhrchen ansonsten verschimmeln. Was als Nisthilfe gedacht ist und auch bereitwillig von den Tieren bezogen wird, verwandelt sich häufig zur Todesfalle.

Für Nisthilfen aus Holz wird leider oft frisches, nicht abgelagertes Holz verwendet, die Bohrungen werden zu dicht und noch dazu meist in das Hirnholz von Baumscheiben statt ins Längsholz gesetzt. So entstehen Risse, die von Wildbienen gemieden werden.

Loch- und Hohlziegel werden nicht besiedelt, sind aber dennoch Bestandteil von fast jedem „Wildbienenhotel“. Verwenden Sie lieber Strangfalzziegel, deren Löcher besiedelt werden.

Auch die oft empfohlene horizontale Bündelung von markhaltigen Stängeln entspricht nicht den Lebensgewohnheiten der Tiere: Diese orientieren sich in der Natur an frei stehenden, vertikalen Strukturen. Lassen Sie lieber zum Beispiel abgestorbene Königskerzenstängel stehen oder stellen Sie dürre Brombeer-Ranken auf.

Völlig nutzlos sind sogenannte „Weidenruten-Lehmwände“ zur Förderung grabender Bienenarten, weil das Lehmmaterial fast immer viel zu hart ist.

Je größer der Bohrdurchmesser ist, desto größer muss der Abstand zwischen den Bohrlöchern sein (ein bis zwei Zentimeter), um Risse zu vermeiden. Die Tiefe entspricht der jeweiligen Bohrerlänge. Das Holzstück darf nicht durchbohrt werden, muss also tief genug sein.

Den Bohrer so lange hin- und herbewegen, bis die Wände glatt sind. Quer stehende Holzfasern am Eingang abschmirgeln. Bohrmehl entfernen.

Die Nisthilfe an einem möglichst sonnigen, regen- und windgeschützten Standort fest anbringen.

Nisthilfen jahrelang ungestört draußen am gleichen Standort belassen, also auch im Winter.

Auch wenn der Winter anscheinend nicht gehen mag – bis zum Sommer ist es nicht mehr lange hin. Zeit, schon jetzt an die Bienen zu denken. Denn mit der bald überall einkehrenden Blütenpracht erwachen auch die Wildbienen aus ihrer Winterruhe.

Pestizide, Monokulturen und allzu aufgeräumte Gärten machen den Wildbienen das Leben schwer. Damit es für die Blattflügler in diesen Tagen kein böses Erwachen gibt, werben Tierschützer in der Öffentlichkeit verstärkt um aktive Hilfe für die Insekten, und zwar in Form von Nisthilfen.

Die Wildbiene ist nicht anspruchsvoll. Mit einfachen Mitteln wie durchlöchertem Lehm schafft man den Nützlingen schnell ein zu Hause.pr



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