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Blei adé – alte Rohre müssen verschwinden

Seit 2005 sind Mitarbeiter im Gesundheitsamt der Landkreise Schaumburg und Hameln-Pyrmont intensiv mit der Verringerung der Bleibelastung im Trinkwasser beschäftigt. Einerseits, so Dr. Rolf Fleischer, Behördenleiter in Hameln-Pyrmont, stehe man in engem Kontakt zu den regionalen Wasserversorgern, andererseits könnten Hausbesitzer und Mieter ihr Wasser hier kostenlos testen lassen. Besonders für Risikogruppen ist dieser Service wichtig: Familien mit kleinen Kindern und Frauen in gebärfähigem Alter.

veröffentlicht am 16.01.2011 um 20:02 Uhr
aktualisiert am 08.02.2011 um 15:48 Uhr

Autor:

Mathias Rohdeund Marie Denecke

„Die Bürger können bei uns ein Probenahmeset abholen, das sie mit der beiliegenden frankierten Versandtasche an das niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) schicken können“, so Fleischer. Sowohl Einsender als auch das zuständige Gesundheitsamt werden vom NLGA von dem Ergebnis der Probe informiert. Waren es 2005 noch 59 Proben, die untersucht worden seien, von denen eine eine zu hohe Bleikonzentration aufwies – allerdings nach den schärferen Maßgaben, die ab 2013 gelten –, hat sich die Zahl in den darauf folgenden Jahren drastisch reduziert, wie Dr. Jörg Fedderke vom Schaumburger Kreisgesundheitsamt mitteilt.

So wurden zwischen den Jahren 2006 und 2010 nur noch 14 Probenahmesets abgeholt, elf Proben eingeschickt, von denen keine einen positiven Befund hatte. Eine wichtige Rolle bei der Qualität des Wassers spielen die Wasserversorger. Heutzutage gibt es laut Angaben des Gesundheitsamtes noch „vereinzelt“ Hausanschlussleitungen, die aus Blei bestehen. Die würden „sukzessive ausgetauscht“.

Konkretere Zahlen liegen für das Stadtgebiet Hameln vor: Bis 2005 gab es hier noch 58 Hausanschlussleitungen, die aus Blei bestanden. Fleischer: „Diese Leitungen wurden sukzessive erneuert, sodass mittlerweile 56 der 58 alten Leitungen saniert worden sind.“ Die letzten beiden verbleibenden Hausanschlussleitungen sollen noch in diesem Jahr saniert werden, wie die Wasserversorger dem Gesundheitsamt mitgeteilt haben. Ohnehin sei die Zahl der bleihaltigen Hausanschlüsse im gesamten Kreisgebiet gering. Lediglich in Hessisch Oldendorf gebe es noch einige dieser Anschlüsse. Dass sie nicht schon den neuesten Standards angepasst wurden, sei dem frühen Wintereinbruch geschuldet gewesen. Im Rest des Landkreises befinden sich nach Angaben der Wasserversorger überhaupt keine Hausanschlussleitungen aus Bleirohren.

Das Bewusstsein für die Wirkung von Blei ist im Gesundheitsamt vorhanden: Blei beeinflusst die Blutbildung negativ und schädigt das zentrale und periphere Nervensystem. Fleischer: „Wissenschaftliche Studien aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass eine erhöhte Bleibelastung negative gesundheitliche Auswirkungen besonders auf Kinder haben kann.“ Die Entwicklung des Kindes könne beeinträchtigt werden und Blei könne sich negativ auf Intelligenz und Lernvermögen auswirken, so der Leiter des Gesundheitsamts. Bei Schwangeren bestehe die Gefahr, dass das unter Umständen „in den Knochen gespeicherte Blei während der Schwangerschaft mobilisiert und an das ungeborene Kind weitergegeben werden kann“. Bisher, erläutert Fleischer, liege die Höchstgrenze für Blei im Trinkwasser bei 25 Mikrogramm pro Liter. „Ab dem 1. Dezember 2013 wird diese Höchstgrenze auf dann nur noch 10 Mikrogramm pro Liter abgesenkt.“ Für Haus- und Wohnungseigentümer gelte es also Vorsorge zu treffen, damit die Grenzwerte Ende 2013 nicht überschritten werden, empfehlen Fachleute.

In den öffentlichen Einrichtungen des Landkreises sind laut Fleischer bereits alle bekannten Bleileitungen ausgetauscht worden. Das ist auch in Schaumburg der Fall, wie Fedderke mitteilt: Von 2003 bis heute seien in insgesamt 236 öffentlichen „Objekten“ wie Schulen, Kindergärten oder Altenheimen 522 Untersuchungen durchgeführt worden, bei 15 Proben in acht Einrichtungen habe es einen positiven Befund gegeben.

„Ursache davon waren aber in keinen Fällen reine Bleileitungen“, erklärt Fedderke. Vielmehr hätten Bleiteile an den Armaturen hier für die Verunreinigung gesorgt. „Und das zeigt nur einmal mehr: Es ist wichtig, stehendes Wasser ablaufen zu lassen“, sagt Fedderke. Und verschaubildlicht: Bei einem Fruchtsaft, der vier Wochen lang offen im Kühlschrank gestanden habe, denke niemand, dass der noch frisch sei. Bei Trinkwasser hingegen schon.

Für den Austausch der Rohre in privaten Häusern und Wohnungen sind die Eigentümer verantwortlich. Zur Orientierung: In Häusern, die vor 1945 gebaut wurden, sind häufig Bleirohre bei der Erstinstallation verwendet worden. Dass bei Häusern, die nach 1973 errichtet wurden, ebenfalls Bleileitungen zu finden sind, gilt als unwahrscheinlich. In allen dazwischen liegenden Baujahren sind Bleirohre möglich.

Ob sich Bleirohre in einem Haus befinden, lässt sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen: Selten sind Wasserleitungen sichtbar verbaut. In Kellerräumen oder direkt an der Wasseruhr können Wasserleitungen dagegen sichtbar verlegt sein. Bleirohre erkennt man an den typischen dicken Lötwulsten, und daran, dass sie sich aufgrund des weichen Materials mühelos mit einem Messer einritzen lassen. Wer es genau wissen möchte, wendet sich am besten an ein qualifiziertes Installationsunternehmen in der Region, so Fleischers Tipp.

Besonders mit saurem und weichem Wasser kann Blei in Lösung gehen und so in den Körper gelangen. Aber hier hat Fleischer gute Nachrichten für die Bevölkerung: „Im gesamten Landkreis liegt der durchschnittliche ph-Wert des Trinkwassers zwischen 7,5 und 8,5.“ Erst wenn der ph-Wert deutlich unter 7 liegt, spricht man vom sauren Wasser. Und über das harte Wasser in der Gegend ist der Fachmann ebenfalls erfreut: Zwar führe das zu Kalkablagerungen, so Fleischer, sorge aber eben dafür, dass Blei und andere Stoffe nicht so leicht ins Trinkwasser gelangen. Apropos Kalk: Gerade an den Armaturen im Bad finden sich oft die hässlichen Rückstände. Nicht selten sind diese Armaturen aus Messing. Und dieses Material kann laut Fleischer „einen geringen prozentualen Anteil Blei beinhalten.“

Es ist laut Dr. Fleischer nicht auszuschließen, dass dieses Blei ins Trinkwasser gelangt. Allerdings: „Das Wasser müsste über einen langen Zeitraum stillstehen, dann könnte sich das Blei im Laufe der Zeit in dem Wasser lösen.“ Der Rat: Wasser niemals direkt aus einer Leitung trinken; schon gar nicht, wenn es über längere Zeit in der Leitung gestanden habe. „Es ist ratsam, das Wasser zunächst ablaufen zu lassen und erst dann zu trinken, wenn es nicht mehr kühler wird.“ Noch ein Hinweis an Freunde schöner Gläser: Bleikristallgläser kommen für Fleischer als Trinkgefäß nicht in Frage: „Mit einem solchen Glas verhält es sich wie mit einer Wasserleitung: Das im Glas enthaltene Blei kann sich in der Flüssigkeit lösen und so in den Körper gelangen.“

In einigen Gebäuden allerdings steht das Wasser in den Leitungen regelmäßig still. Abgesehen von Wohnungsleerständen und Umbaumaßnamen sind die Schulen in der Ferienzeit eine klassische Umgebung für ungenutzte Wasserleitungen.

„Für die öffentlichen Einrichtungen, insbesondere Schulen und Kindergärten, wurden sogenannte Spülpläne erarbeitet, die sicherstellen, dass auch in der Ferienzeit das Wasser in den Leitungen fließen kann.“ Vor allem die Verkeimung soll damit verhindert werden.

Wie viele Immobilieneigentümer handeln müssen, vermag Fleisch nicht zu sagen. Gerade ältere Immobilien seien aber schon mehrfach saniert worden. „Ohnehin ist Blei ein weicher Werkstoff und nur mäßig beständig“, weiß Fleischer. Der Großteil der alten Bleirohre sei längst zerstört und durch moderne Leitungen ersetzt worden.

Informationen: Wer sich nicht sicher ist, ob in seinem Haus oder in seiner Wohnung das Trinkwasser durch Bleirohre fließt, der kann sich beim Gesundheitsamt oder auch auf der Internetseite des NLGA über das Thema informieren: (05 11) 4 50 50 oder www.nlga-niedersachsen.de, dort unter „Umwelt & Gesundheit“ und „Wasser“.

Nicht nur das hochgiftige Dioxin hat in der Nahrungsmittelkette nichts zu suchen. Gleiches gilt für Schwermetalle – Blei zum Beispiel. Früher waren Wasserrohre aus Blei Standard beim Häuslebau, seit 1974 sind solche Rohre in diesem Zusammenhang strikt verboten. Einige Hauseigentümer müssen jetzt handeln …



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