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Warum der Buddhismus für manche Menschen so faszinierend ist

Bitte lächeln!

Ist es vielleicht die Sehnsucht nach etwas mehr Ruhe in unserer hektischen Zeit? Möchte man sich eine Scheibe von der Gelassenheit abschneiden, die so ein Buddha personifiziert? Bedauerlicherweise macht ein Buddha im Garten noch keinen Buddhisten. Dafür muss man sich doch tiefer auf diese uralte Philosophie einlassen.

veröffentlicht am 13.10.2014 um 00:00 Uhr

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Autor:

von Claudia Masthoff

Einer, der das getan hat, der sich lange mit dem Buddhismus auseinandergesetzt hat und dessen Leben stark dieser besonderen Geisteshaltung beeinflusst wurde, ist Michael Schmidt, ehemaliger Leiter der Kreisjugendmusikschule in Schaumburg und Mitbegründer des Hauses der Weltreligionen in Steinbergen. Schmidt beschreibt sich selbst als frühen Zweifler. Schon als Sechsjähriger habe er seine Lehrerin gefragt, ob ein Kind, das immer brav sei und sich ganz viel Mühe gebe, alles richtig zu machen, aber kein Christ sei, in den Himmel käme. Die Lehrerin habe damals gesagt, nein, es käme nicht in den Himmel. Und der kleine Michael sei fassungslos gewesen und habe ab diesem Zeitpunkt begonnen, an der Richtigkeit der christlichen Botschaften zu zweifeln.

Trotzdem sei er der Kirche noch geraume Zeit treu geblieben und habe vor allem als Musiker an den Gottesdiensten und Festen teilgenommen. Als junger Mann habe er der Kirche dann schließlich doch den Rücken gekehrt und sich verstärkt dem wissenschaftlichen Denken zugewendet. Eher zufällig seien ihm auch buddhistische Schriften in die Hände gekommen, und er habe gestaunt, dass es eine Religion gab, die zu Zweifeln, Kritik und eigenen Gedanken ermutigte. Neugierig geworden habe er das Studium aufgenommen und das Thema habe ihn bis heute nicht losgelassen.

Nachdem er eine Weile im eigenen Kämmerlein studiert hätte, habe er sich auf die Suche nach anderen Menschen gemacht, die sich auch für den Buddhismus interessierten. So sei er 1988 Mitglied im buddhistischen Bund geworden, erinnert sich Schmidt, habe dort später auch einige Ämter übernommen und sei mittlerweile im Vorstand.

Für den Laien, der anfängt, sich mit der buddhistischen Sichtweise zu befassen, sei sehr verwirrend, dass es im Buddhismus so viele unterschiedliche Richtungen gebe, gibt Schmidt zu. Er nennt als Beispiel den tibetischen, den Zen-Buddhismus, Buddhistische Schulen aus Thailand, Japan und Korea. Schmidt meint, er habe das Glück gehabt, gleich dem sehr ursprünglichen Theravada-Buddhismus begegnet zu sein. Der sei sehr schnörkellos, es gebe nicht viel Rituale und die Beziehung zu einem Meister habe nicht so viel Gewicht wie in anderen Traditionen.

Obwohl er sich im Theravada-Buddhismus am meisten zu Hause fühle, sei er auch häufig im Kontakt mit anderen Linien, mit deren Lehrern, Lehren und Methoden. Schon durch seine Tätigkeit im buddhistischen Bund reise er viel durch alle Zentren in Deutschland. Eine Einsicht habe er dabei sehr schnell gewonnen: Wie auch das Christ-Sein einen Menschen nicht automatisch „gut“ werden lässt, führe auch das Buddhist-Sein nicht gleich zu Güte und Erleuchtung. Es menschele halt in allen Gruppen, auch in den spirituell ausgerichteten. Wenn man Schmidt nach den Auswirkungen der buddhistischen Lehren auf sein Leben fragt, wird er ganz lebendig. Da liege wirklich „der Hase im Pfeffer“, meint er. Buddhistisches Denken verändere sehr stark die eigene Sicht auf das Leben. Man werde durch den Buddhismus direkt in die Verantwortung für das eigene Leben genommen. Man lerne, sich selbst, die Gedanken, Haltungen und Gefühle bewusster wahrzunehmen. Denn der Buddhismus lehrt, dass die Welt unsere innere Welt spiegelt. Ganz praktisch, erzählt Schmidt, könne er das an einem Beispiel erklären. Er sei früher als Leiter der Musikschule viel in Schaumburg unterwegs gewesen. Und ständig habe er sich dabei ärgern müssen. Immer wenn er es besonders eilig gehabt hätte, wären Lipper Autofahrer aufreizend langsam vor ihm her getrödelt. Irgendwann habe er innegehalten und beschlossen, sich diese Situationen mal genauer anzuschauen. Dabei sei ihm bewusst geworden, dass er eigentlich immer etwas zu spät los gefahren sei und sich so den Stress selbst produziert habe. Also habe er beschlossen, darauf zu achten, sich frühzeitig auf den Weg zu machen. Das verrückte aber sei, dass ihm seitdem keine Lipper Trödler mehr begegnet seien. Ähnlich aufmerksam sei er mittlerweile, wenn er als Seminarleiter oder Vortragender unterwegs sei. Früher seien solche Veranstaltungen mal gut und mal schlecht verlaufen, und er habe nicht gewusst, woran das lag, oder er habe den anderen die Schuld gegeben. Die seien halt schlecht drauf gewesen. Heute schaue er genau, wie denn seine eigene Stimmung auf dem Weg zur Veranstaltung sei. Wenn er merke, dass er noch Ärger, Ängste und Anspannung in sich fühle, suche er erst mal kurz die Ruhe, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Das sei ihm so wichtig, dass er auch mal einen Augenblick zu spät komme, und habe sich sehr bewährt.

Schmidt habe in seinen Jahren buddhistischer Praxis, zu der auch die tägliche Meditation als wichtige Hilfe zählt, mehr Verständnis für sich und seine Mitmenschen entwickelt. Und sein Blick auf das eigene Leben sei klarer geworden. So lebe er nach drei gescheiterten Beziehungen heute sehr gern allein, genieße es, frei seinen Aufgaben und Interessen nachgehen zu können, und verteile seine Zuwendung, die früher zu einem großen Teil der Partnerin gewidmet war, auf viel mehr Menschen. Bescheiden meint er: „Heute macht es mich glücklich, im Supermarkt einkaufen zu gehen und lächelnde Gesichter zu sehen.“

Ganz anders fand Elke Möller, Geschäftsfrau aus Rinteln, Zugang zum Buddhismus. Den ersten Berührungspunkt mit dieser Religion habe sie gehabt, als sie in den neunziger Jahren mit ihrem Mann Ulrich Reisen nach Asien unternommen habe, erzählt Möller. Die Faszination für die asiatische Kultur und besonders das Kunsthandwerk sei geweckt worden, und seitdem seien sie wieder und wieder dort gewesen – auf den Philippinen, in Thailand und besonders oft auf Bali.

Elke Möller berichtet, dass sie ein Importgeschäft für Produkte aus Naturstein aufgebaut habe. Sie habe Verbindungen zu Handwerksbetrieben hergestellt, die aus Marmor, Onyx oder Flussstein Waschbecken und Ähnliches produzierten, wobei jedes Stück einzigartig und wunderschön anzuschauen sei. Selbst Badewannen aus einem Stein geschlagen könne man über sie beziehen. Die wögen dann aber schon mal zwei Tonnen und könnten es nötig machen, dass eine zusätzliche Stütze für die Statik unters Badezimmer gebaut werden müsste.

Damals habe Elke Möller auch festgestellt, dass ihr trotz der Schönheit der Waren noch etwas fehlte, das den Geist der asiatischen Kultur repräsentieren könnte, in der die Handwerksstücke entstanden seien. Möller sei während ihrer Reisen immer schon von den verschiedenen Buddhafiguren in den Tempelanlagen fasziniert gewesen. Durch diese Besuche neugierig geworden habe sie bereits angefangen, sich mit der buddhistischen Religion zu beschäftigen. So komme es nicht von ungefähr, dass sie ihr Sortiment um handgearbeitete hölzerne und steinerne Buddhafiguren erweitert habe.

Auch Möller berichtet, dass der Buddhismus Einfluss auf ihr Leben gewonnen habe. Sie habe vor allem gelernt, mehr Gelassenheit zu entwickeln. Sie gerate heute nicht mehr so schnell in Stress und Hektik. Auch habe sie Erfahrungen damit gemacht, dass das Gute, was sie tue, auf sie selbst zurückwirke. Damit sei das Gefühl verbunden, mehr Einfluss auf den Verlauf ihres eigenen Lebens zu haben, und das Vertrauen ins Leben werde gestärkt. Bis heute sei es nicht so sehr die Theorie, die Eindruck auf Elke Möller mache, sondern es seien immer noch die ausdrucksstarken Buddhafiguren, die auf sie wirkten.

„Wenn ich traurig bin, muss ich nur den lachenden Buddha anschauen und werde schon wieder fröhlicher. Ich habe auch einen Glücksbuddha zu Hause. Zu dem gibt es die Geschichte, dass man ihm täglich den Bauch streicheln soll und dann Glück hat. Und natürlich streichele ich ihm den Bauch!“ Und: „Man muss sich schon darauf einlassen“, sagt sie.

Wer die Trends der letzten Jahre in der Wohnraumgestaltung verfolgt, dem fällt auf: Buddhismus oder zumindest Buddha scheint modern geworden zu sein. Seine stillen Abbilder zieren zuhauf die deutschen Vorgärten und Wohnzimmer. Es gibt Buddhas aus Plastik, aus Stein, mit und ohne Solarlicht, Buddhas in jeder Größe. Was könnte dahinterstecken?

Elke Möller haben es die lächelnden Buddhafiguren angetan. cm



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