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Baustelle am zweitgrößten Denkmal Deutschlands arbeitet auf die Wiedereröffnung am 8. Juli hin

Besuch am Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Matthias Löb nennt das Kaiser-Wilhelm-Denkmal schon jetzt ein herausragendes Ausflugsziel. Und dass die Zahl der jährlichen Gäste mit der Wiedereröffnung am 8. Juli steigen wird, steht für den Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) felsenfest. Zulegen werde vor allem die Verweildauer, die der LWL-Chef aktuell bei etwa 15 Minuten sieht. Löb geht davon aus, dass sich die Menschen künftig deutlich länger als eine Stunde am zweitgrößten Denkmal Deutschlands aufhalten werden.

veröffentlicht am 21.02.2018 um 18:33 Uhr

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Autor:

Carsten Korfesmeyer
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„Trotzdem sollten wir mit unseren Prognosen in dieser Hinsicht eher zurückhaltend sein“, sagt er. Von jetzt etwa 120 000 Besuchern gehe er künftig von etwa 30 000 mehr aus. Zulegen werde vor allem die Verweildauer, die der LWL-Chef aktuell bei etwa 15 Minuten sieht. Löb geht davon aus, dass sich die Menschen künftig deutlich länger als eine Stunde am zweitgrößten Denkmal Deutschlands aufhalten werden.

Bei seinem Besuch auf der Baustelle wirkt der Mann aus Münster zufrieden und auch ein wenig stolz auf das, was er den aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten Journalisten zeigen kann. Zehn Wochen sei es her, dass er zuletzt am Kaiser war. „Der Fortschritt ist deutlich zu erkennen.“ Die Arbeiten kämen planmäßig voran und mit Überraschungen rechne er nicht mehr. „Der Eröffnungstermin steht“, sagt Löb auf Nachfrage.

Unerwartete Ereignisse habe es allerdings gegeben – vor allem in der Anfangsphase. „Der Boden war eine Herausforderung“, erzählt der LWL-Direktor. 25 000 Kubikmeter Erdreich seien für die Baugrube bewegt und 3800 Tonnen Beton für die Standfestigkeit in den Sockel des Monuments gegossen worden. „Nicht die Stollen, sondern kleine Klüfte und Spalten machten uns phasenweise die Arbeit schwer“, sagt Matthias Gundler. Er ist Prokurist und Bauleiter der Westfälisch-Lippischen Vermögensverwaltung (WLV), einer Tochtergesellschaft des LWL. 270 Kleinbohrpfähle seien 30 Meter tief in die Erde gebohrt worden, damit das Gebäude sicher steht. Probleme mit dem Erdreich habe es schon 1896 gegeben, kurze Zeit nach der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Dass die Sanierungsarbeiten überhaupt erfolgen mussten, ist eine Folge des Krieges. Teile der Ringterrasse waren 1946 eingestürzt, als die Briten aus Sicherheitsgründen die Stollen im Berg gesprengt hatten. „Jetzt wird der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt“, sagt Gundler.

Die Außenwände werden verputzt. Gesetzt wird aber überwiegend auf große Fensterfronten. foto: Carsten Korfesmeyer
  • Die Außenwände werden verputzt. Gesetzt wird aber überwiegend auf große Fensterfronten. foto: Carsten Korfesmeyer
Auch eine Fußbodenheizung wurde eingebaut. Jetzt wird der Boden noch verfliest. foto: Carsten Korfesmeyer
  • Auch eine Fußbodenheizung wurde eingebaut. Jetzt wird der Boden noch verfliest. foto: Carsten Korfesmeyer
Einer der beiden Eingänge, die ins künftige Besucherzentrum führen. foto: Carsten Korfesmeyer
  • Einer der beiden Eingänge, die ins künftige Besucherzentrum führen. foto: Carsten Korfesmeyer
Bauleiter Matthias Gundler erklärt den Anwesenden die Baumaßnahmen. foto: Carsten Korfesmeyer
  • Bauleiter Matthias Gundler erklärt den Anwesenden die Baumaßnahmen. foto: Carsten Korfesmeyer
Die Außenwände werden verputzt. Gesetzt wird aber überwiegend auf große Fensterfronten. foto: Carsten Korfesmeyer
Auch eine Fußbodenheizung wurde eingebaut. Jetzt wird der Boden noch verfliest. foto: Carsten Korfesmeyer
Einer der beiden Eingänge, die ins künftige Besucherzentrum führen. foto: Carsten Korfesmeyer
Bauleiter Matthias Gundler erklärt den Anwesenden die Baumaßnahmen. foto: Carsten Korfesmeyer

Vom Parkplatz bis zur Baustelle sind es rund 300 Meter, auf denen es eine 3,1-prozentige Steigung gibt. „Hier ist alles barrierefrei“, heißt es von Löb. Die beiden Eingänge verfügen über einen Lift und nachdem man die Stufen des Eingangsgebäudes hinunter gegangen ist, stehen Löb, Gundler und die rund 20 Journalisten im künftigen Besucherzentrum. Der Übergang zum Panoramarestaurant „Wilhelm 1896“ werde fließend verlaufen – und beim LWL wird erwartet, dass sich zwischen Gastronomie und Information einige Synergien ergeben werden.

„Die Fußbodenheizung läuft schon“, sagt Gundler. Seine Besucher weist er auf die vielen Kabel und Drähte hin, die aus Wänden und Fußboden ragen. Baulärm macht es immer wieder schwierig, den Ausführungen des WLV-Prokuristen zu folgen. Von der schönen Aussicht, die der Mann aus Münster als „einzigartig“ und „wunderschön“ bezeichnet, ist allerdings noch nichts zu sehen. Holz ist in die wiederhergestellten Ringbögen gesetzt, in die später die Außenfenster kommen.

Zur Eröffnung werde es ein buntes Fest geben, sagt Löb. Er freut sich auf einen „tollen Tag“, an dem das Ausflugsziel im Mittelpunkt stehen wird. Der LWL-Chef geht auch auf die Situation der Wanderwege im Wittekindsberg ein. Schön wäre es, noch einige „mehr in Wert setzen zu können“, sagt er. Namentlich nennt er die vier stillgelegten Wanderwege am Südhang nicht, die nach Willen der Portaner Politik und andere Gremien für die Besucher zugänglich sein sollen. „Es ist ein sensibles Thema, weil die Strecken im FFH-Gebiet liegen“, sagt er. Der LWL sei zwar nicht das Gremium darüber zu entscheiden, aber er glaube in dieser Sache an eine gute Lösung.

Information

Sanierung des Kaiser-Denkmals teurer als geplant

Die Sanierung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals wird teurer als geplant. Die Kosten lägen vier Millionen Euro höher als veranschlagt, sagte Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), bei einer Baustellenbegehung am Dienstag. Grund für die auf 16,4 Millionen Euro gestiegenen Kosten seien Probleme bei der Wiederherstellung der Ringmauer. Der Bund beteiligt sich an den Kosten mit 5,8 Millionen Euro, die Stadt Porta Westfalica gibt 600 000 Euro. Die Wiederöffnung ist für den 8. Juli geplant. Besucher erwartet am Denkmal künftig etwa ein neues Besucherzentrum und ein neues Restaurant. Die 88 Meter hohe Statue des ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. (1797–1888) wurde am 18. Oktober 1896 eröffnet und thront seitdem auf dem Wittekindsberg weithin sichtbar über der Weser. Der Eigentümer LWL hatte 2015 beschlossen, das Denkmal zu sanieren.

Infozentrum am Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Nackter Estrich, anstelle von Glas verschließen Spanplatten die Fensteröffnungen – kaiserlich ist an diesem Foyer noch nichts. Bis zur Eröffnung bleiben gut vier Monate, dann will der LWL die Besucher in seinem neuen Informationszentrum am Kaiser-Wilhelm-Denkmal mit royalem Prunk und einem Augenzwinkern empfangen – Teppichboden, stilisierter Kronleuchter und Porträt werden flankiert von einer Wand mit Fotografien, die von mehr als 120 Jahren Tourismus an der Porta Westfalica erzählen. „Wir wollen den Blick weiten für die ganze Geschichte“, formuliert das LWL-Direktor Matthias Löb am Dienstag beim Besuch der Baustelle. Das bedeutet, dass es im Informationszentrum um weit mehr geht als um Kaiser Wilhelm, das Denkmal und preußisches Pathos. Das wuchtige Nationaldenkmal will Löb nicht nur zur Eröffnung am 8. Juli, sondern dauerhaft mit dem Besucherzentrum „demokratisch umarmen“. Das Informationszentrum wird darum zum Beispiel auch von der besonderen Topographie dieses Standortes erzählen. 2000 Jahre Geschichte soll das große Panoramabild, dessen Grundgerüst schon aufgebaut ist, in den Blick rücken: Von dem Marschlager der Römer, das in Barkhausen gefunden wurde, über die vorchristliche Wittekindsburg (eine Wallanlage), die Fundamente der europaweit bedeutenden Kreuzkirche aus dem zehnten Jahrhundert und die Margarethenkapelle aus dem 13. Jahrhundert sowie den mittelalterlichen Steinbruch, aus dem auch das Material für das Denkmal stammte. Selbstverständlich geht es in der Ausstellung aber auch um die Geschichte des 1896 eingeweihten Denkmals an sich und um Nationaldenkmäler im Allgemeinen. Schließlich sei das Kaiser-Denkmal das zweitgrößte Nationalmonument in Deutschland, nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und Gründungsmitglied der Straße der Monumente. Und es werde um die Frage gehen, wohin der Nationalismus geführt hat, bekräftigt Löb. Er nennt die Zeit des Nationalsozialismus, als im Wittekindsberg KZ-Häftlinge in Stollen in der Rüstungsproduktion eingesetzt waren. „Es ist wichtig, dass diese Geschichte mit erzählt wird“, bekräftigt Löb. Ursprünglich hatte der LWL für das Informationszentrum eine Fläche von 150 Quadratmetern vorgesehen, sie aufgrund der Themenfülle aber auf 270 Quadratmeter ausgedehnt, erläuterte Bauleiter Matthias Gundler. Damit nimmt das Informationszentrum im Ringsockel in etwa die selbe Fläche ein wie das neu entstehende Restaurant. Beide Einrichtungen zusammen bieten dem Besucher einen Panoramablick in das Wesertal und in die Norddeutsche Tiefebene.



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